Pianist David Fray bei Eröffnung der Weilburger Musikfestspiele

06. Juni 2010, 19:34 Uhr

Ungetrübtes Hörvergnügen stellte sich in der Suite aus Coplands Ballettmusik »Appalachian Spring« ein. Den langsamen ersten Satz interpretierte das Orchester in aller Ruhe und weckte hier Assoziationen an eine naturhafte Idylle. Das Klangbild wirkte äußerst transparent und suggerierte räumliche Weite. In Kontrast dazu stand der munter bewegte zweite Satz, den das Orchester impulsiv und spritzig darbot. Einem schwelgerischen Moderato folgte ein rascher Satz, der - unterstrichen durch die rhythmische Präzision des Orchesters - unbeschwerte Beschwingtheit ausstrahlte. Raffiniert traten im siebten Satz die allmähliche instrumentale Auffächerung und dynamische Intensivierung zutage. Die Musik erlosch ganz allmählich in der Coda.

Auch das Klavierkonzert begann vielversprechend: Das Orchester spielte die Einleitung mit lebendigem Ausdruck und fein ausgeloteter Dynamik; kräftig, doch nicht überzogen die Höhepunkte. Pianist David Fray wartete mit sehr weichem, geschmeidigem Anschlag auf und war sehr um ein ausgeglichenes Gesamtbild bemüht. Dabei setzte er indes ziemlich schwach Akzente. Seine Interpretation mutete in ihrer Dezenz unspektakulär, ja sogar etwas glatt an, obwohl ihm das Orchester genug Gelegenheit zu solistischer Entfaltung gab. In der Romanze behielt Fray diese vornehm-zurückhaltende Linie bei, spielte vordergründig subtil, in Wirklichkeit aber dynamisch und auch in emotionaler Hinsicht eher flach; der leidenschaftliche Ausbruch im Mittelteil ließe sich viel spannender vorstellen. Beim Rondo-Finale ergab sich ein ähnlicher Eindruck wie im Kopfsatz: Das Orchester begann mit viel Energie, um sogleich vom Pianisten auf streng gezügelte Bahnen zurückgeholt zu werden. Bei aller Kultiviertheit - so intellektuell tiefsinnig, wie es zunächst schien, war Frays Spiel keineswegs. Auch seine Zugabe ließ einen trotz großer Fingerfertigkeit unberührt.

Wie befreit musizierte das Orchester in Schumanns »Frühlingssinfonie« Nr. 1 B-Dur op. 38. Schon der erste Satz gelang vorzüglich; hier bestachen die rhythmische Pointiertheit, wieder das präzise Timing und vor allem die erfrischend geistvolle Vortragsweise. Fein differenziert gestaltete das Orchester die Steigerungen, sehr stringent den formalen Aufbau insgesamt. Im Larghetto fesselte in der hingebungsvollen Darbietung der leidenschaftliche Ausdruck, im Scherzo sprach die Lebendigkeit an. Shelley dirigierte durchweg ambitioniert, so auch im Finale, das recht abwechslungsreich daherkam. Lang anhaltender Schlussbeifall folgte.

Sascha Jouini

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