Lebkuchen

Hier duftet es nach Weihnachten

Ein Eiscafé am Gießener Marktplatz verwandelt sich seit 35 Jahren zur Adventszeit in eine Weihnachtsbäckerei. Hinter der Theke stehen zwei Lebkuchenfrauen, die auch mal in die Rolle von Christkind-Gehilfinnen schlüpfen.
29. November 2017, 06:01 Uhr
Foto: dpa Bis Weihnachten warten? Dauerten den meisten Lebkuchen-Fans viel zu lange. ACHTUNG: Dieses Bild hat dpa auch im Bildfunk gesendet Foto: Daniel Karmann/dpa +++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++

Wer am Gießener Marktplatz durch eine Tür mit goldenem Rahmen in ein Geschäft tritt, atmet Weihnachten ein. Der Duft von Nüssen, Honig, Zimt und Vanille strömt durch den Laden. Zwei 61-jährige Damen verkaufen hier Gebäck, Dominosteine und glasierte Bratapfel-Elise. Martina Stein-Hill und Barbara Junkert sind Gießens Lebkuchenfrauen. »Schön, dass Sie wieder da sind«, begrüßt eine Kundin die beiden Verkäuferinnen. Stein-Hill nickt lachend.

Martina Stein-Hill (r.) und Barbara Junkert sind Gießens Lebkuchenfrauen. (Foto: srs)
Martina Stein-Hill (r.) und Barbara Junkert sind Gießens Lebkuchenfrauen. (Foto: srs)

Die meiste Zeit des Jahres nämlich gibt es in dem Geschäft keine Lebkuchen zu kaufen – sondern Eis. Wenn die Betreiber des Cafés Venezia aber ab Oktober in der italienischen Heimat Sonne tanken, öffnet traditionell der Lebkuchenverkauf in dem Laden – seit 35 Jahren schon. »Samstags stehen Kunden morgens hier in einer Schlange an«, sagt Stein-Hill. »Und kurz vor Weihnachten wird es brechend voll in dem Laden. Wahnsinn.«

Unzählige Dosen und Truhen funkeln in den Regalen. »Gerade haben wir eine Lieferung bekommen«, erzählt Stein-Hill. »900 Kilogramm Lebkuchen.« Ihre Kollegin reicht ein Stück vom Lebkuchen des Jahres: »Meisterwerk 90«. Gebacken ohne Mehl, zu 38 Prozent besteht er aus Nüssen. »Lebkuchen gibt’s auch beim Discounter«, räumt Stein-Hill ein. »Aber es geht doch ums Genießen.« Der Anteil an Walnüssen, Haselnüssen und Mandeln, der grundsätzlich in jedem Lebkuchen sein müsse, sei hier deutlich höher.

Bio-vegane Variante

Insgesamt gibt es 13 verschiedene Sorten des Nürnberger Lebkuchens: Cashew, Marzipan und Bratapfel sind da nur eine kleine Auswahl. Seit einiger Zeit gebe es auch eine bio-vegane Variante, erklären die Lebkuchenfrauen. »Kunden fragen auch nach glutenfreien Lebkuchen.« Dies habe man allerdings noch nicht im Sortiment von Lebkuchen Schmidt.

Geschenkboxen werden in die ganze Welt verschickt – auf Wunsch auch mit Grußkarte. (Foto: vpf)
Geschenkboxen werden in die ganze Welt verschickt – auf Wunsch auch mit Grußkarte. (Foto: ...

Das Geschäft am Marktplatz ist eines von gut 140 Saisonläden des in Nürnberg ansässigen Unternehmens. »Im September war ich für drei Tage zur Schulung in Nürnberg«, berichtet die Gießenerin Stein-Hill. »Da haben wir auch die neuen Lebkuchensorten wie ›Meisterwerk 90‹ probiert.« Viele Gießener Kunden schicken Lebkuchenpakete in die ganze Welt, sagt Stein-Hill. »Und wenn sie wollen, können sie mir eine persönliche Karte dazugeben. Die gebe ich dann an meine Kollegen in Nürnberg weiter.« Das mache sie gern, sagt die Gießenerin.

Denn anderen zu helfen, das sei schließlich Weihnachten. An Heiligabend sitzt sie mit der Familie beisammen. Zum festlichen Mahl gibt es Fisch und Kartoffelsalat – und als Nachtisch Lebkuchen aus dem eigenen Laden. Das Geschäft hat sie dann am Abend zuvor für die nächsten zehn Monate wieder geschlossen, die Lebkuchensaison ist vorbei. Stein-Hill wird aber weiterhin duftende Dinge verkaufen. Allerdings nicht Lebkuchen, sondern Parfüm, Mascara und Lippenstift. Außerhalb der Advents- und Weihnachtszeit ist die Gießener Lebkuchenfrau nämlich als Kosmetikberaterin tätig.

 

Das Geschäft Lebkuchen Schmidt am Markplatz 11 in Gießen hat bis zum 23. Dezember montags bis samstags von 9.30 bis 18 Uhr, samstags bis 16 Uhr geöffnet.

 

Nachmachen erlaubt

Geheimrezept

Aus den Bratapfellebkuchen lässt sich eine ganz besondere Nachspeise zaubern«, verrät Verkäuferin Barbara Ickes. Dazu einfach die Lebkuchen fünf bis acht Minuten lang bei 150 Grad in den Backofen geben und anschließend mit Schlagsahne oder Vanilleeis servieren. »Das schmeckt einfach himmlisch«, schwärmt Ickes.

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