Gießen (si). Ein Dutzend Gentechnik-Gegner haben in der Nacht zum Montag ein Feld der Justus-Liebig-Universität im Alten Steinbacher Weg besetzt. Sie wollen damit nach eigenen Angaben verhindern, dass dort - wie in den vergangenen zwei Jahren - gentechnisch veränderte Gerste gesät wird. Die Hochschule betonte, dass ein solcher Versuch gar nicht geplant sei. Sie erstattete Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.
Auf dem Feld im Alten Steinbacher Weg haben die Gentechnik-Gegner einen Turm errichtet. Ein Betonklotz darunter soll die Räumung erschweren. (Foto: Schepp)
Bei den letzten Versuchsreihen ging eine Forschergruppe um den Biologen Prof. Karl-Heinz Kogel der Frage nach, ob Gerste durch geringfügige Veränderungen im Erbgut von nützlichen Bodenpilzen profitieren kann und gegen Krankheitserreger widerstandsfähiger wird. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte die Aussaat von 5000 transgenen Pflanzen genehmigt, die Bundesregierung förderte das Projekt im Rahmen ihres Biosicherheitsprogramms. Das Stadtparlament hatte sich 2006 einmütig hinter den Freilandversuch gestellt, den die Justus-Liebig-Universität als erste Einrichtung in Deutschland durchführen sollte.
Die Studien konnten jedoch nur teilweise zu Ende geführt werden, weil Gentechnik-Gegner jeweils einen Großteil der Pflanzen zerstörten. Welche Ergebnisse die Versuche gebracht haben, ist bislang nicht bekannt. Kogel will sie zunächst in einem wissenschaftlichen Fachorgan veröffentlichen.
Bei der Feldbesetzung zerschnitten die selbsternannten Umweltschützer in der Nacht zum Montag zunächst einen Zaun am Instituts-Gelände. Mitten auf der rund 400 Quadratmeter großen Parzelle errichteten sie dann einen über zehn Meter hohen Turm, bei dem sich die Teilnehmer bei Bedarf - wenn zum Beispiel Medien anwesend sind - anketten. Darunter befindet sich ein Betonklotz, der 600 Kilogramm schwer sein soll. Die Protestler bekräftigen gestern, dass der gesamte Aufbau nur mit schweren Maschinen beseitigt werden könne. Wie lange sie auf dem Gelände bleiben wollen, ließen sie offen.
Die erste Aussaat hatten die Täter im Juni 2006 noch vor laufenden Fernseh-Kameras zertrampelt. Das brachte vier von ihnen ein Ermittlungsverfahren ein. Der Prozess gegen die zwei Hauptverdächtigen soll im Frühsommer beginnen. Beide Männer gehören der »Projektwerkstatt Saasen« an. Zumindest einer der beiden war auch gestern unter den Feldbesetzern.