Warnstreik bremst Nahverkehr aus

Frankfurt (dpa/lhe). Einen Tag vor der zweiten Tarifrunde im öffentlichen Dienst haben ganztägige Warnstreiks am Mittwoch in Hessen den Nahverkehr und andere Betriebe massiv beeinträchtigt.
19. März 2014, 18:03 Uhr
Gähnende Leere an einem U-Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof: Durch Warnstreiks im öffentlichen Dienst kam es im Nahverkehr in Hessen zu teils massiven Störungen. (Foto: dpa)

In den großen Städten standen Busse und Straßenbahnen still, Mülltonnen wurden nicht geleert, Kitas blieben geschlossen. Am heftigsten traf es die Pendler, sie stiegen auf Auto oder Fahrrad um. Die Staus im morgendlichen Berufsverkehr lösten sich nach Angaben der Polizei aber rasch auf. Auf die Abitur-Prüfungen hatten die Streiks nach Darstellung des Kultusministeriums keine Auswirkungen. Über das Fehlen von Abiturienten sei nichts bekannt.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi nahmen insgesamt 10 000 Menschen an Demonstrationen und Kundgebungen im ganzen Land teil, bei der zentralen Kundgebung in Frankfurt zählte die Polizei 2300 Teilnehmer. »Gute Löhne für gute Arbeit müssen entschieden eingefordert und notfalls auch erkämpft werden«, sagte Verdi-Landesvorsitzender Jürgen Bothner. Die kommunalen Arbeitgeber nannten die Aktionen überzogen.

Heute und morgen soll es noch Warnstreiks im privaten Busgewerbe in Hessen geben. Im öffentlichen Dienst waren die Aktionen auf Mittwoch beschränkt. In Kassel, wo bereits am Dienstag gestreikt worden war, hatte die Gewerkschaft Verdi diesmal nicht zum Ausstand aufgerufen.

In den bundesweiten Tarifverhandlungen mit Bund und Kommunen fordert Verdi für die Beschäftigten 100 Euro pauschal und 3,5 Prozent mehr Geld. In Hessen sind nach Verdi-Angaben rund 85 000 Beschäftigte bei Gemeinden und Bund und 130 000 bei anderen Organisationen, etwa in Eigenbetrieben oder Zweckverbänden betroffen. Am heutigen Donnerstag treffen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften in Potsdam zur zweiten Tarifrunde. Ein Angebot gibt es bisher nicht.

Die S-Bahnen, die im Rhein-Main-Gebiet als einzige öffentliche Verkehrsmittel ohne Einschränkungen fuhren, waren nach Auskunft der Deutschen Bahn trotz des Warnstreiks nicht überfüllt.

Einen Zwischenfall gab es am Morgen im südhessischen Weiterstadt: Dort setzte sich ein leitender Mitarbeiter eines privaten Busunternehmens ans Steuer und fuhr drei Streikposten an. Die Männer wurden leicht verletzt.

Beschwerden hielten sich nach Angaben der Frankfurter Verkehrsgesellschaft traffiQ in Grenzen. Die Fahrgäste seien gut vorbereitet gewesen. Taxifahrer machten ein gutes Geschäft: »Die Leute stehen ja überall herum und kommen nicht weg«, sagte eine Sprecherin von Taxi Frankfurt. Aus der Sicht von Verdi war der Warnstreik ein voller Erfolg. Trotz Einschränkungen hätten viele Bürger Verständnis gezeigt, sagte Verdi-Sprecherin Ute Fritzel.

Neben dem Nahverkehr wurden am Mittwoch auch Kitas bestreikt. In Frankfurt seien aber die meisten städtischen Kitas geöffnet gewesen, sagte eine Sprecherin des Bildungsdezernats. »Das größere Problem war, dass viele Erzieher nicht zur Arbeit kamen.« Viele Städte hatten Notdienste eingerichtet.

Betroffen waren außerdem die Müllabfuhr, Stadtverwaltungen sowie kommunale Kliniken, die nur dringende Fälle behandelten. Einschränkungen gab es auch bei Schwimmbädern und Bibliotheken.

Schwerpunkte des Streiks lagen auch in Bayern, Thüringen, Niedersachsen und Berlin-Brandenburg.

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