Es ist ein Märchen, eine Kindergeschichte, ein Gleichnis wohl, eine Parabel über die heilsame Kraft, die vom eigenen Willen ausgeht, und es ist eine Erzählung für Jung und Alt über die Magie der Fantasie. All dies verkörpert das Musical »Der geheime Garten« von Lucy Simon (Musik) und Marsha Norman (Libretto) nach dem gleichnamigen Roman von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahr 1911, das am Samstagabend im ausverkauften Stadttheater unter viel Beifall Premiere feierte.
Singt sich in die Herzen des Publikums: Odilia Vandercruysse als Lily Craven.
Geheimnisvoller Garten
In dem Musical »Der geheime Garten« wird ein schauriger Landsitz im nebelverhangenen England des ausgehenden 19. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt für eine fantasiereiche Story. Nachdem ihre Eltern in Indien Opfer der Cholera wurden, findet die verwöhnte Waise Mary hier Unterschlupf bei ihrem Onkel Archibald. Doch der will von dem Kind nichts wissen, weil es ihn schmerzlich an seine verstorbene Frau Lily erinnert. So bleibt Mary sich selbst überlassen. Beim Durchstreifen des Geländes stößt sie auf einen geheimnisvollen Garten, der vertrocknet zu sein scheint. Mithilfe neu gewonnener Freunde und der guten Geister des Hauses schafft sie es, den tot geglaubten Garten wieder zum Leben zu erwecken. Die wundersamen Kräfte, die dabei freigesetzt werden, verhelfen sowohl ihrem ans Bett gefesselten Cousin Colin als auch dem schwermütigen Archibald zu neuer Vitalität und Lebensfreude.
Neben der Märchenhaftigkeit ist »Der geheime Garten« aber auch ein Schauerdrama. Vollgepackt mit Düsternis und Allegorien, erinnert die Erzählung an Gothic Novels der Marke »Wuthering Heights« von Emily Brontë. Ebenso hat die Wunderheilung eines Jungen, der sich einbildet, krank zu sein, in der Literatur Vorbilder. Und das verstoßene, weil missliebige Kind ist seit Dickens »Oliver Twist« kein unbekanntes mehr, während gute Geister sichtbar werden, Naturmystik betrieben wird und das deutungsreiche Symbol des (blühenden) Gartens nicht nur in der Bibel Verwendung findet.
Diesem farbigen Szenario einen authentischen Anstrich zu verpassen, war die Aufgabe von Gießens Hausbühnenbildner Lukas Noll. Weil die Geschichte in Indien beginnt, ehe sie in die nebelverhangene Moorlandschaft Englands wechselt - und dabei stets auf kurze, wirkungsvolle Rückblenden setzt -, hat Noll jede Menge Spielraum, den er weidlich nutzt.
Ihm ist mit der Gestaltung der Szenerie - die ohne den Einsatz der Drehbühne auskommt - und in weiten Teilen auch der Kostüme ein Meisterstück gelungen. Seiner facettenreichen Umsetzung mit schwenkbaren großen Seitenwänden als Landsitzkoloratur, einem beinahe bis ins Unendliche reichenden Garten, den aus den Tiefen des Bühnenbodens hinaufgleitenden Kinderzimmern sowie den optischen Aperçus dezenter Videoeinspielungen, einer vom »Himmel« herabschwingenden Schaukel, auf der die verstorbene Lily geisterhaft-schöne Lieder singt, und dem Fakir auf seinem fliegenden Teppich verdankt die liebevolle und nie langweilig werdende, weil mit gutem Tempo angelegte und gekonnt die Zeitebenen verwebende Inszenierung von Operndirektor Markus Hertel ihren Charme.
Pohlheim (cw). Abschied von den »Mollys« hieß es bei der Prunkssitzung in der ausverkauften Volkshalle in Watzenborn-Steinberg. Wir waren dabei, als der legendäre Männerchor von seinem Publikum Abschied nahm.
Leserumfrage
Die »tollen Tage« stehen vor der Tür. Wie stehen Sie denn zur Fassenacht?