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Kommt eine Schluckimpfung gegen Zöliakie?

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Artikel vom 12.07.2009 - 21.30 Uhr

Kommt eine Schluckimpfung gegen Zöliakie?

An der Gießener Universitäts-Kinderklinik wird zurzeit ein Impfstoff gegen Zöliakie getestet. Dies war eine der wesentlichen Meldungen beim vom Gießener Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin organisierten »Wissenschaftstages« in der Kinderklinik.
Die Breite der Forschung an den Kinderkliniken dokumentierten Poster aus den Themenbereichen Stoffwechsel, Allergologie, Nephrol
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Die Breite der Forschung an den Kinderkliniken dokumentierten Poster aus den Themenbereichen Stoffwechsel, Allergologie, Nephrologie, Endokrinologie und Hämatologie. (Foto: if)
Gießen (if). Aufgetriebener Bauch? Erbrechen, Krämpfe, Durchfälle? Das Baby will einfach nicht gedeihen? Wenn Zöliakie - die Überempfindlichkeit des Dünndarms gegen das beispielsweise in Weizen, Gerste oder Hafer enthaltene »Klebereiweiß« Gluten - dahintersteckt, bedeutet das »Lebenslange glutenfreie Ernährung«. Mütter müssen lernen, »glutenfrei« zu kochen und zu backen, betroffene Kinder müssen selbst der Verlockung widerstehen, am Pausenbrot des Nachbarn zu knabbern. Erwachsenen ist sogar ein Bierchen verboten. Hoffnung kommt jetzt aus den Labors des Gießener Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin: Hier ist man auf dem besten Weg, die Voraussetzungen für eine frühe Schluckimpfung gegen die weitverbreitete Unverträglichkeitsreaktion - allein in Europa spricht man von rund 2,7 Millionen Betroffenen - zu schaffen: Derzeit läuft die Patentierung des hier entwickelten Impfstoffes. »Jetzt können wir beginnen, in größeren Kollektiven dessen Wirksamkeit nachzuweisen«, erklärte, nach den Perspektiven befragt, Prof. Klaus-Peter Zimmer am Wochenende im AZ-Gespräch am Rande eines vom Gießener Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin organisierten »Wissenschaftstages« in der Kinderklinik.

Mit dem Ziel, die Bedeutung der Forschung als originäre Aufgabe von Universitätskinderkliniken für die Entwicklung zukunftsorientierter Behandlungsmöglichkeiten zu belegen, zugleich aber auch eine Plattform für die Auslotung neuer Kooperationsmöglichkeiten zu schaffen, beteiligten sich auch Arbeitsgruppen aus der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Programm, das die Privatdozenten Dr. Silvia Rudloff (Gießen) und Dr. Michael Zemlin (Marburg) vorbereitet hatten. So erfuhren Gießener, was derzeit in Marburg »läuft«, während andererseits die Gäste aus der benachbarten Universitätsstadt - die, mit Prof. Rolf F. Maier, dem Direktor der Marburger Kinderklinik an der Spitze, im vierten Obergeschoss des Neubaues zu Gast waren - direkt »vor Ort« Einblicke in die Gießener Forschungsaktivitäten und deren momentanen Stand gewinnen konnten. Beide Professoren kamen überein, diese Form des Informationsaustausches wechselseitig fortzuführen.

Bereits im Auftaktreferat des auf kindliche Magen-Darmerkrankungen spezialisierten Gastgebers Prof. Zimmer wurde zweierlei exemplarisch deutlich: Forschung für Kinder kommt ebenso Erwachsenen zugute und sie bedarf eines langen Atems auf ihrem Weg aus dem Labor zum Patienten. Was beispielsweise heute mit der realen Hoffnung auf eine Zöliakie-Schutzimpfung auf dem Weg in die Klinik ist, begann ursprünglich mit der Klärung von Transportvorgängen an und in der Zelle.

Welche grundsätzliche Bedeutung solchen Vorgängen auch beim Zustandekommen allergischer Atemwegserkrankungen zukommt, untersuchen derzeit Marburger Gruppen. Höchst spannend sind die Forschungsarbeiten der Gießener Neuropädiater: Die molekulare Diagnostik in der Epilepsie-Forschung, über die Prof. Bernd Neubauer berichtete, nährt nicht nur Erwartungen auf noch präzisere Hinweise für eine aussichtsreichere Behandlung genetisch bedingter Epilepsie-Formen. Die Einschätzung frühkindlicher Fieberkrämpfe wird damit erleichtert, ebenso wie die Beantwortung der Frage nach eventuellen Impfschäden.

Mit großem Erfolg geht derweil die Gruppe um Prof. Alfred Reiter der Rolle zirkulierender Tumorzellen und minimaler Resterkrankungen für eine verbesserte Prognose der Heilungsaussichten von Kindern mit »Lymphomen« nach, während man sich in Marburg mit dem Neuroblastom befasst. Für 15 Prozent aller kindlichen Krebs-Todesfälle verantwortlich, wirft es noch immer Rätsel auf.



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Artikel vom 12.07.2009 - 21.30 Uhr
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