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Henzler: »Wir schließen keine funktionierenden Schulen«

Artikel vom 09.02.2010 - 10.00 Uhr

Henzler: »Wir schließen keine funktionierenden Schulen«

Gießen (pd). Einen besonderen Gast konnte der Rotary Club Gießen diesmal bei seinen regelmäßigen Treffen am Montagnachmittag begrüßen. Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler sprach auf Einladung des Serviceclubs in den Räumen der Vereinigten Hagelversicherung darüber, »wie Bildung an selbstständigen Schulen funktioniert«.
Ministerin Henzler zu Gast beim Rotary Club mit Dr. Dietrich Heine (l.) und Prof. Wilhelm Opitz von Boberfeld.	(Foto: Schepp)
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Ministerin Henzler zu Gast beim Rotary Club mit Dr. Dietrich Heine (l.) und Prof. Wilhelm Opitz von Boberfeld. (Foto: Schepp)
Die Ministerin plädierte dafür, Schulen Zeit zu lassen bei der Umsetzung ihrer Ideen. Viele Schulleiter wünschten sich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Gleichwohl warnte sie davor, Schulpolitik über die Köpfe der Eltern hinweg zu machen. »Mit mir wird es in Hessen keine bildungspolitischen Experimente geben«, versprach die FDP-Politikerin.

Zunächst hatte Rotary-Präsident Prof. Wilhelm Opitz von Boberfeld die zahlreichen Gäste begrüßt - darunter auch Mitglieder benachbarter Rotary-Verbände sowie des »Inner Wheel Club« Gießen-Wetzlar und der Nachwuchsorganisation Rotaract. »Wenn es um Kinder geht, sind Eltern äußerst empfindlich«, sagte Dr. Dietrich Heine. Der Gastgeber vom Vorstand der »Vereinten Hagel« und Vortragswart der Rotarier warnte vor der Annahme, wonach sich bereits mit dem Beginn der Schulzeit der spätere Lebenslauf des Kindes entscheide.

Sie habe nicht nur versprochen, an den Schulen für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, sondern auch für mehr Ruhe, so die Ministerin. Schulen brauchten Zeit für die Gestaltung ihrer Pläne und Ideen. Die Landesregierung zeige mit der Schaffung von 1000 neuen Lehrerstellen im ersten und 650 Stellen im zweiten Regierungsjahr, dass sie ihren Schwerpunkt im Bildungsbereich setzt. »Wir geben die Ziele vor, den Weg beschreiten die Schulen und Lehrer als Profis vor Ort in Eigenverantwortung«, umriss sie ihre Vorstellung von selbstständiger Schule. Damit werde eine individuelle Förderung von Kindern ermöglicht, die Motivation erhöht und die Leistungen verbessert.

Als Elemente für mehr Selbstständigkeit nannte sie die freie Entscheidung über die innere Organisation des Unterrichts, eine selbstständige und flexible Personalauswahl, sowie als zentrales Ziel jeder Schule, alle Schüler zu einem Abschluss zu führen, der entweder den Weg zum Beruf oder zum nächsthöheren Bildungsgang ebnet. Der Schulleiter sei in einem solchen System nicht mehr »primus inter pares«, sondern Führungsperson und Manager der Schule. Bereits jetzt könnten Schulen zehn Prozent ihres Budgets kapitalisieren und für selbst gewählte Unterrichtszwecke einsetzen.

»Die Hauptschule hat ein Imageproblem«, räumte die Ministerin in der lebhaften Diskussion im Anschluss an ihren Vortrag auf eine entsprechende Frage ein. Zwar sei es seit ihrem Amtsantritt gelungen, die Quote der Abbrecher von 12 auf 4,5 Prozent zu senken, dennoch gebe es nach wie vor sehr wenig Anmeldungen an hessischen Hauptschulen. »Wir schließen keine funktionierenden Schulen«, kündigte Henzler an und versprach eine Stärkung der Haupt- und Realschulen durch eine »deutliche Berufsorientierung«. Man könne zwar die Hauptschule abschaffen, sagte sie an die Adresse ihrer Kritiker, »aber nicht die Hauptschüler«.

Die Ministerin setzte sich für eine Verbesserung der Lehrerausbildung ein, verteidigte die Notengebung (»Kinder wollen sich miteinander messen und wissen, wo sie stehen«), bekräftigte die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung und hob die Verbesserung von Bildungschancen durch Ganztagsschulen hervor. Sie plädierte für die Beibehaltung des Landesabiturs, wandte sich aber gegen ein bundesweites Zentralabitur. Als FDP-Politikerin vertrat sie die Ansicht, »dass ein Lehrer kein Beamter sein muss«. In den aktuellen Zeiten des Lehrermangels werde man diesen Status aber nicht verändern.

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