Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

»Feldbefreier« überrumpelten gewarnte Polizei

Artikel vom 22.07.2009 - 22.00 Uhr

»Feldbefreier« überrumpelten gewarnte Polizei

Gießen (srs). Zwei Gentechnik-Gegner müssen sich seit letzter Woche in einem Berufungsverfahren am Gießener Landgericht verantworten. Der 45-jährige Jörg B. sowie der 28-jährige Patrick N. gestehen, dass sie am 2. Juni 2006 ein Versuchsfeld der Justus-Liebig-Universität mit transgener Gerste am Alten Steinbacher zum Teil zerstört haben.
Nach ihrer Auffassung habe es sich allerdings um einen Notstand gehandelt. Die selbsternannten »Feldbefreier« hätten keine andere Möglichkeit gesehen, gegen vorgeblich nicht eingehaltene Auflagen von Seiten der Uni vorzugehen.

Ihre Tat hatten die Angeklagten im Internet angekündigt. Polizei und Verantwortliche der Universität hatten daher auch Vorkehrungen getroffen. Dennoch, so berichteten Polizeibeamte gestern am zweiten Verhandlungstag, hätten Jörg B. und Patrick N. sie »überrumpelt«.

»Dass die Angeklagten das Versuchsfeld am helllichten Tag zerstören, das hat uns überrascht«, erklärte ein 52-jähriger Polizist im Zeugenstand. Am 2. Juni gegen 15.15 Uhr hatten er und Kollegen auf dem Versuchsfeld vier Menschen entdeckt, die Gerstepflanzen ausrupften - »mit bloßen Händen und einer Harke«. Der 52-jährige Beamte habe den Angeklagten Patrick N. schließlich an den Haaren vom Feld gezogen.

Für das Pfingstwochenende 2006 hatten die Angeklagten die Zerstörung des Versuchsfelds angekündigt. Offenbar rechnete die Polizei nicht damit, dass die Gentechnik-Gegner bereits am Freitagnachmittag das Feld stürmten. »Die Einsatzkräfte waren noch nicht so weit«, berichtete gestern der 58-jährige Kriminaloberkommissar, der die Ankündigung im Internet damals entdeckt hatte. Er habe von der Genehmigung einer Mahnwache der Gentechnik-Gegner am Alten Steinbacher Weg an dem besagten Freitag abgeraten. »Sie wurde aber gestattet, nachdem die Anmelderin die Absicht einer Zerstörung des Felds abgestritten hatte.« Der Kriminaloberkommissar widersprach dem Verdacht Jörg B.s, die Polizei habe gewartet, um die Angeklagten auf frischer Tat zu ertappen. Der Beamte wurde vereidigt.

Gestern sagte auch die Leiterin der Rechtsabteilung der JLU als Zeugin aus. Sie war damals von der Polizei über die Ankündigung der Feldzerstörung informiert worden. Die Universität habe daher auch einen Wachdienst beauftragt, der das Versuchsfeld von abends bis morgens beaufsichtigt habe. Und auch zur Tatzeit am Pfingstwochenende sei der Wachdienst vorgesehen gewesen. Doch offenbar habe es eine Panne gegeben. Sie habe »keine Erklärung«, warum der Wachdienst nicht vor Ort war.

Am 5. August wird der Prozess fortgesetzt.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 22.07.2009 - 22.00 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang