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Zwangsprostitution in der HEAE?

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Artikel vom 11.09.2015 - 15.19 Uhr

Zwangsprostitution in der HEAE?

Gießen/Wiesbaden (kw). Die Situation in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen und ihren Außenstellen spitze sich insbesondere für Frauen und Mädchen weiter zu. Es gebe »zahlreiche Vergewaltigungen« und sexuelle Übergriffe; zunehmend werde auch von Zwangsprostitution berichtet. Das schreiben der Paritätische, Pro Familia, der Hessische Frauenrat sowie die Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauenbüros.

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Symbolfoto
© red
Die vier Verbände fordern mehr Frauenunterkünfte.
An vielen Standorten sei getrennte Unterbringung möglich, sagte auf GAZ-Anfrage Gabriele Fischer, Sprecherin des Regierungspräsidiums. Es gebe Gerüchte über Zuhälterei, aber bisher keine Belege dafür. Der Polizei ist offiziell nichts über Zwangsprostitution bekannt, bestätigt Sprecher Martin Ahlich. Delikte »quer durchs Strafgesetzbuch« würden aus den beiden HEAE-Standorten in Gießen angezeigt, solche mit sexuellem Hintergrund seien dabei »Einzelfälle«. Beispielsweise sei aus dem ganzen August eine Anzeige wegen Vergewaltigung aktenkundig.

Haus für Frauen ab November

Das Thema wird schon länger diskutiert. Vor vier Wochen bestätigten die Stadt und Pro Familia Gießen, dass sie von Vergewaltigungen erfahren hätten. Der Landkreis plant – wie berichtet – zwei Häuser für Frauen nach der Erstaufnahmephase, davon eines in der Stadt Gießen. Es werde voraussichtlich am 1. November eröffnet, erklärte Landkreissprecher Oliver Keßler auf Nachfrage.
Die HEAE bietet an den meisten Standorten eigene Schlafbereiche für allein reisende Frauen mit und ohne Kinder, sagt RP-Sprecherin Fischer. Unter anderem gebe es in Darmstadt eine Unterkunft mit 350 Plätzen. Frauen mit Interesse daran würden dorthin verlegt. Etliche wollten aber mit Männern zusammenbleiben, etwa wenn sie sich auf der Flucht einer Familie oder anderen Gruppe angeschlossen haben.

Der Brief – unterschrieben unter anderem von der Gießener städtischen Gleichstellungsbeauftragten Friederike Stibane – richtet sich an die Frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen im Landtag. Mit den wachsenden Flüchtlingszahlen werde auch die Schutzlosigkeit von Frauen und Kindern innerhalb der HEAE größer, heißt es. Unter anderem Großzelte, nicht geschlechtergetrennte sanitäre Einrichtungen, nicht abschließbare Räume spielten denjenigen Männern in die Hände, die allein reisende Frauen als »Freiwild« behandelten. Folge seien Vergewaltigungen und andere Sexualstraftaten.

»Es muss deutlich gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt. Frauen berichten, dass sie, aber auch Kinder vergewaltigt wurden oder sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind. So schlafen viele in ihrer Straßenkleidung. Frauen berichten regelmäßig, dass sie nachts nicht zur Toilette gehen, weil es auf den Wegen dorthin und in den sanitären Einrichtungen zu Überfällen gekommen ist. Selbst am Tag ist der Gang durch das Camp für viele eine angstbesetzte Situation.«

Viele Frauen verließen ihre Heimat auch aus geschlechtsspezifischen Gründen, beispielsweise wegen drohender Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung. Schon auf der Flucht seien sie besonderen Gefahren ausgesetzt, vor der männliche Begleitung nicht immer schütze. Die aktuelle Situation in der Erstaufnahmeeinrichtung könne erneut Traumatisierungen hervorrufen. »Es kann und darf nicht sein, dass die schutzbedürftigste Gruppe, Frauen und Kinder, die größten Leidtragenden in der sicherlich für alle problematischen Situation sind.«

Nötig sei die sofortige Einrichtung von abgeschlossenen Wohneinheiten oder Häusern – einschließlich Sanitärräumen und Küchen – für allein reisende Frauen und Kinder. Dabei sollten Beziehungsstrukturen, kulturelle und religiöse Aspekte berücksichtigt werden. Für Frauen mit Gewalterfahrungen müsse der Zugang zum Hilfesystem sichergestellt werden. Diese Forderungen solle ein fraktionsübergreifendes Bündnis unterstützen, so die Bitte der vier Institutionen.

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Artikel vom 11.09.2015 - 15.19 Uhr
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Leserkommentare
(22.09.2015 15:09)
EinSchwätzer
Frauen...
...sind ihr ganzes Leben der (meist subtilen) Gewalt einer patriachalen Gesellschaft ausgesetzt. Dass diese Gewalt in der Enge und dem damit verbundenen Stress der Massenunterkünfte physisch wird, erscheint mit nur logisch. Zumal auch die dort lebenden Männer traumatischen Erfahrungen ausgesetz waren, und einige dies wohl auf diese Weise verarbeiten - in dem sie selbst Gewalt ausüben. Das entschuldigt es natürlich nicht! Vorrangiges Ziel sollte es erst einmal sein, diesen Zustand des eingepfercht seins zu beseitigen und größere und bessere Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. (In Deutschland stehen genug Häuser leer!)
@frank62 Verantwortunglos wäre es höchstens, wenn die Kinder der Frauen in Krieg und Armut aufwachsen müssten. (Sofern sie das Erwachsenenalter dann überhaupt erreichen würden.)
(16.09.2015 20:30)
frank62
Wer schützt unsere Frauen und
Ein Pfarrer in Süddeutschland machte sich vor Wochen bereits Gedanken, wie er den sexuellen Trieb der Flüchtlinge mit Prostituierten befriedigen könnte. Haben die keine anderen Probleme ? Fast jede Frau kommt schwanger nach Deutschland oder mit Babys. Sowas ist doch verantwortungslos. Oder da ist was oberfaul... Alle Frauen und Mädchen müssen vor Übergriffen geschützt werden, nicht nur die Flüchtlingsfrauen. Von den befürchteten Problemen für uns Deutsche spricht niemand. Traurig !
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