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Zusatz-Nachtzug aus Frankfurt: RMV und Stadt winken ab

Artikel vom 08.08.2012 - 21.50 Uhr

Zusatz-Nachtzug aus Frankfurt: RMV und Stadt winken ab

Gießen (kw). Museumsuferfest oder Disco, Konzert oder Oper: Wenn Mittelhessen abends in Frankfurt ausgehen und nicht mit dem Auto fahren wollen, müssen sie auf die Uhrzeit achten und die Veranstaltung manchmal vorzeitig verlassen. Denn der letzte Zug startet am Hauptbahnhof laut Fahrplan um 0.32 Uhr, der nächste erst um 5.08 Uhr.

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Ein Zusatz-Nachtzug wäre ideal etwa für Besucher der Frankfurter »Nacht der Museen«, meint Lennard Alswede. (Archivfoto: dpa)
»Diese Lücke ist zu groß«, findet Lennard Alswede. Der Gießener hat ein Konzept für einen Nachtzug ausgearbeitet, der jedes Wochenende gegen drei Uhr von Frankfurt nach Marburg fahren könnte. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund winkte auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung allerdings ebenso ab wie die Stadt Gießen: Der Bedarf sei gering, die Kosten zu hoch.

Rund ein Jahr habe er an seinem Vorschlag getüftelt, viel Ermutigung erfahren und mit zahlreichen Bahnverkehrs-Experten gesprochen, sagte Alswede im GAZ-Gespräch. Deren Ratschläge und Wissen habe er einfließen lassen auch in seine Kostenkalkulation. Ihr zufolge wäre der Nachtzug durchaus finanzierbar, wenn die Anliegerkommunen die Verbindung beim RMV bestellen würden. Für die Städte Gießen und Marburg hat er einen Anteil von gut 8800 Euro pro Jahr errechnet, für Friedberg und Bad Nauheim die Hälfte. Insgesamt würde der Einsatz des Zuges an jedem frühen Sonntagmorgen gut 35 000 Euro jährlich kosten.

Die Fahrtzeiten könnten abgestimmt sein auf die Nachtbusse in Frankfurt, Gießen und Marburg, meint der Arzt. Seinem Vorschlag zufolge würde der Zug den Frankfurter Hauptbahnhof um 2.53 Uhr verlassen und um 3.39 Uhr in Gießen ankommen. Ideal fände er es, wenn der Zug direkt an der Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt abfahren könnte; dafür müsste freilich der S-Bahn-Tunnel freigegeben und geöffnet werden.

Am hohen Bedarf hat Alswede keinen Zweifel: »Ich habe mit hunderten von Studenten gesprochen. Alle haben gesagt: Jawohl, eine solche Verbindung fehlt.« Wenn es die Möglichkeit gäbe, ohne Auto zu Festen zu gelangen, würde die Umwelt profitieren und zudem mancher Alkoholunfall vermieden werden. Der Gießener wünscht sich einen Verkehrsversuch über mindestens zwei Jahre, damit das Angebot sich etablieren könnte.

»Selbst wenn ein solcher Nachtzug wünschenswert und der Bedarf da wäre: Bei der finanziellen Lage können wir uns eine Umsetzung im Moment nicht vorstellen«, sagt RMV-Sprecher Peter Vollmer. »Wir müssen zusehen, dass wir überhaupt unser bestehendes Angebot aufrechterhalten.« Die Erfahrung zeige, dass die tatsächlichen Kosten eines solchen Angebots schwer vorherzusehen seien. Beispielsweise könnten zusätzliche Züge, Personal-Schichten, Bahnhofsöffnungen oder Stellwerk-Besetzungen nötig werden.

Bei der Stadt Gießen sei schon einmal vor einiger Zeit ein ähnlicher Vorschlag eingegangen, erläutert Verkehrskoordinator Ralf Pausch – aber eben nur ein einziger. »Ich erkenne derzeit keinen dringenden Bedarf.« Grundsätzlich greife man solche Ideen gern auf. Derzeit werde der neue Nahverkehrsplan geschrieben. Darin gehe es zwar in erster Linie um Busse, doch auch dieses Ansinnen könnte diskutiert werden.

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Artikel vom 08.08.2012 - 21.50 Uhr
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Leserkommentare
(10.08.2012 15:59)
Orfanik
"Fliegender Schlammbeiser"
Vielleicht findet sich ja ein findiger Busunternehmer, der die Lücke ausfüllt. Schon vor dem Krieg gab es eine Schnellbuslinie Frankfurt - Gießen, die mit schnittigen stromlinienförmigen Bussen betrieben wurde, die als "Fliegende Schlammbeiser" bekannt waren ...
(09.08.2012 18:58)
to-be-bald-01
Einsamer Wunsch ist Kappes
Louisa, da ist wenig Information vorhanden. Mittlerweile ist man nachts nicht mehr nur deshalb unterwegs, weil man irgendeinem Vergnügen nachgeht. Die Region Gießen-Wetzlar hat es versäumt, für die ansässige Bevölkerung ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und das rund um die Uhr. Wenn ich sehe, wer alles aus den ersten Zügen aus Frankfurt aussteigt, spricht das für sich. In der Metropole Frankfurt wird rund um die Uhr gearbeitet.
Dann der andere Fall, die Fluggäste am Rhein-Main-Flughafen. Bis dass diese den Hauptbahnhof erreichen, ist der letzte Zug oftmals weg.
Aber die Veranstaltungen können ruhig auch angeführt werden. In Frankfurt gibt es nun mal Veranstaltungen von Stars, die werden nie nach Mittelhessen kommen aber auch andere Events in einer Größenordnung, wie sie Mittelhessen nicht kennt.
Mit Freunden aus der Rhein-Main-Region in Frankfurt treffen ruck-zuck sind die paar Stunden um und man sitzt auf heißen Kohlen. Es ist eine Milchmädchenrechnung, nach der "leider" die Daseinsvorsorgeträger die letzten Jahre agieren. Wenn ich das Angebot erst mal einrichte, werden mit Sicherheit Personen dieses nutzen, die bislang in keiner Rechnung vorkommen. Ich wünsche mir, dass die Fahrgastverbände dieses Thema aufgreifen.
(09.08.2012 12:25)
Martin74
erfreulicher Vorstoss
Ein wirklich erfreulicher Vorstoss von Herrn Alswede. Auch wer weiter weg fährt mit der Bahn muss auf dem Heimweg immer schauen, das er nicht allzu spät losfährt, damit er wegen der dürftigen Spätverbindungen auf der Main-Weser-Bahn noch am selben Tag in Gießen ankommt. In die Gegenrichtung ist es leider noch schlechter. Der letzte Zug nach Gießen fährt am Fernbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe 22:27 ab und in Marburg um 23:39...
(09.08.2012 12:18)
fippsauto
Wäre super
Für Besucher von vielen Events in Frankurt wäre es eine gute Möglichkeit gut und preisgünstig nach Gi zu kommen. Zum Großteil ist bei den Eintrittskarten die Benutzung von RMV kostenlos. Wenn aber keine Möglichkeit nach Hause zufahren besteht ist dieser Service für die Füße.
(09.08.2012 10:15)
developer
Der Nachzug wäre echt super
vor einigen Jahren gab es einen Zug der um 1:20 von Frankfurt nach Gießen fuhr. Dieser war an Wochenenden immer recht gut besetzt. Leider gab es den Zug irgendwann nicht mehr. ein Zug der zwischen 2 und 3 Uhr nach Gießen fährt wäre echt wünschenswert und sicher besser besetzt als mancher Bummelzug der tagsüber fährt.
(09.08.2012 08:29)
Louisa
Einsamer Wunsch
Wie wäre es, wenn der Zug von der Konstablerwache auf neu gebauten Gleisen bis direkt vor die Haustür des Arztes fahren würde, wo ein neu eingerichteter Haltpunkt der Bahn ihn mit Pauken und Trompeten empfangen würde? Ich will ja gar nicht wissen, was der Mann Sonntags zwischen 2 und 3 Uhr morgens da in Frankfurt so macht, aber es scheint, er wollte eine auf seine persönlichen Bedürfnisse angepasste Verbindung erschaffen. Wie man an den zahlreichen Anfragen bei der Stadt (immerhin eine vollständige Person-wohl auch der Doc...:D) sehen kann, besteht an dieser Verbindung so gut wie kein Interesse.
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