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Ziel: Wasser und Boden vor Tierarznei schützen

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Artikel vom 18.03.2012 - 10.16 Uhr

Ziel: Wasser und Boden vor Tierarznei schützen

Gießen (si). Einen Bewilligungsbescheid in Höhe von knapp über 700 000 – verteilt auf die Jahres 2012 bis 2015 – übergab am Freitag Forschungsstaatssekretär Helge Braun im Senatssaal des Uni-Hauptgebäudes an die Professoren Gerd Hamscher und Peter Kämpfer.

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Staatssekretär Helge Braun (M.) überreichte den Bewilligungsbescheid gestern an die Professoren Gerd Hamscher (l.) und Peter Kämpfer. (Foto: Schepp)
Wasser ist ein gefährdetes Gut. Schadstoffe aus der Industrie, aber auch Ableitungen aus Privathaushalten setzen ihm zu. Zu den potenziell größten Gefährdern gehört die Landwirtschaft. Die Abwässer von Betrieben mit intensiver Tierhaltung zum Beispiel können Rückstände von Tierarzneimittel oder von antibiotikaresistenten Bakterien enthalten – und dann den Boden, aber auch das Grund- und Oberflächenwasser belasten. Mit genau diesem Problem beschäftigten sich Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität. Jetzt erhalten sie dafür auch beträchtliche Zuwendungen des Bundesforschungsministeriums.

Prof. Hamscher – er lehrt Lebensmittelchemie/-biotechnologie – und Prof. Kämpfer, sein Schwerpunkt ist die Mikrobiologie der Recyclingprozesse, werden damit einen Schwerpunkt im Verbundprojekt »Risiken durch Abwässer aus der intensiven Tierhaltung für Grund- und Oberflächenwasser« übernehmen, das von der RWTH Aachen koordiniert wird. Dabei wird unter anderem das Verhalten von verschiedenen Veterinärantibiotika und von antibiotikaresistenten Bakterien in Biogasanlagen im Blickpunkt stehen. Das Verbundprojekt ist wiederum Teil des Forschungsschwerpunktes »Nachhaltiges Wassermanagement«. Dafür stellt der Bund in den kommenden fünf Jahren rund 200 Millionen Euro bereit, wie Braun gestern sagte. Dass die Justus-Liebig-Universität wiederum beteiligt sei, zeige die hohe Qualität ihrer Forschung, sagte Braun, der an der JLU selbst Medizin studiert hat und promoviert worden ist, als CDU-Bundestagsabgeordneter nach wie vor in Gießen wohnt und Bewilligungsbescheide gerne persönlich übergibt.

Wie die beiden Wissenschaftler erläuterten, werden Tierarzneimittel nach wie vor in großer Menge eingesetzt. Dies hätten umfangreiche Untersuchungen in verschiedenen Bundesländern und der EU bewiesen. Nach der Anwendung gelangten die Wirkstoffe bzw. ihre Stoffwechselprodukte sowie Mikroorganismen über den Dünger in den Boden. Hier könnten sich langlebige Stoffe und Resistenzgene anreichern. Denkbar sei jedoch auch, dass die Schadstoffe während des Transports unschädlich gemacht würden, etwas durch Abbau oder Mineralisierung.

Die Gießener Wissenschaftler wollen nun eine möglichst genaue Bilanz dieser Prozesse erstellen und sondieren, welche natürlichen Barrieren es verhindern, dass die Substanzen in das Grund- und Oberflächengewässer gelangen und es dort schädigen. Das geschieht über hochsensible chemisch-analytische Untersuchungen ebenso wie über mikrobiologische und molekularbiologische Techniken. Da sich der Tierarzneimitteleinsatz zumindest wohl nicht kurzfristig reduzieren lässt, sollen auch »technologische Barrieren« begutachtet werden. So könne Wirtschaftsdünger beispielsweise in Biogasanlagen verwendet werden, um pharmakologisch wirksame Stoffe zu »deaktivieren« und resistente Bakterien zu beseitigen. Dies sei – neben der umweltfreundlichen Energiegewinnung – ein weiterer ökologisch interessanter Gesichtspunkt, so die beiden Wissenschaftler.

Dass die Forschung stark praxisbezogen sei, lobten am Freitag neben Staatssekretär Braun auch JLU-Präsident Joybrato Mukherjee und der Dekan des Fachbereichs Biologie und Chemie, Volkmar Wolters. Beide betonten zudem, dass die Forschung der beiden Kollegen hervorragend in das Fächerprofil der Justus-Liebig-Universität passe.

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Artikel vom 18.03.2012 - 10.16 Uhr
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