Gießen (si). Die Gießener Zahnklinik ist mit der Chemikalie PCB belastet. Das haben Messungen bestätigt. Die Chlorverbindungen befinden sich offenbar vor allem in den Deckenplatten, mit denen das siebenstöckige, 1969/70 errichtete Gebäude ausgestattet ist.
In der 1969/70 am Schlangenzahl errichteten Zahnklinik sind rund 150 Mitarbeiter beschäftigt, die Patienten kommen aus ganz Mittelhessen und darüber hinaus. (Foto: Schepp)
Die Platten erhielten damals einen PCB-haltigen Flammschutz. Das Umweltgift entfaltet seine Wirkung nicht kurzfristig, sondern eher über einen langen Zeitraum, etwa wenn sich jemand über Jahre hinweg in belasteten Räumen aufhält. Dann können sogar kleine Mengen den Körper schädigen. PCB steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Entsprechend groß ist die Unsicherheit bei den 150 Mitarbeitern, von denen etliche dort seit langem beschäftigt sind.
Die Messergebnisse liegen seit dem Frühjahr vor, kurz darauf informierte die Justus-Liebig-Universität - Träger des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, das hinter der Zahnklinik steht - die Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung. Zum Sachstand teilte die Hochschule der Allgemeinen Zeitung jetzt mit, dass ein Umweltbüro mit weiteren Untersuchungen beauftragt worden sei. Es soll die »Primärquellen« näher bestimmen - also die Materialien, in denen PCB verbaut worden ist -, und darüber hinaus die Sekundärquellen: denn wenn sich die »polychlorierten Biphenyle« erst einmal in der Raumluft verbreitet haben, etwa weil die PCB-haltigen Deckenplatten beschädigt wurden, können sie sich auf Tapeten, Fußböden oder in Büchern ablagern und auch auf diesem Weg im menschlichen Körper festsetzen.
Nach ersten Erkenntnissen der Gutachter sei »der überwiegende Teil der Materialproben der Sekundärquellen gering bis gar nicht belastet«, teilte die Hochschule mit; zum Belastungsgrad durch die Primärquellen (Platten) machte sie keine Angaben. Das Sachverständigenbüro erarbeite derzeit ein Sanierungskonzept, es solle nächsten Monat vorliegen. Dann werde auch über kurzfristige, sofort notwendige Maßnahmen entschieden, hieß es.
Die Hochschule räumte ein, dass PCB bei längerem Aufenthalt in geschlossenen Räumen die Gesundheit gefährden könne; insofern seien möglicherweise Mitarbeiter betroffen - »definitiv aber nicht Patienten der Zahnmedizin, welche sich nur wenige Wochen oder tageweise dort aufhalten«, so Caroline Link von der Uni-Pressestelle.
Unabhängig davon verursacht das PCB offenbar Probleme im Kliniksbetrieb. So stehen angeblich über eine Million Euro an Landesmitteln für Behandlungsgeräte in der Zahnmediziner-Ausbildung bereit. Die Apparaturen können jedoch nicht eingebaut werden, weil dazu die belasteten Deckenplatten geöffnet werden müssten.
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