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Wohngemeinschaften öffneten bei Flohmarkt-Fest ihre Türen

Artikel vom 16.07.2012 - 12.02 Uhr

Wohngemeinschaften öffneten bei Flohmarkt-Fest ihre Türen

Gießen (fd). Auf dem Bett liegen sauber zusammengelegt ein paar Klamotten. Im Regal stapeln sich die Bücher. Am anderen Ende des Raums dreht der Plattenspieler. Es sieht ziemlich genau so aus, wie es in einer normalen Wohnung eben aussieht.

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Der WG-Flohmarkt beginnt erst am späten Nachmittag, die Besucher kommen ins Haus bzw. in den Hof, und es fällt keine Standgebühr an. Angebot und Nachfrage sind groß. (Fotos: fd)
»Willst du Reis? Ich habe einen ganzen Sack. Fünf Kilo. Und ich mag keinen Reis«, sagt der Hausherr. Klamotten, Bücher, Plattenspieler, Reis: Alles ist zu haben an diesem Samstagnachmittag. Herzlich Willkommen auf dem zweiten WG-Flohmarkt-Fest in Gießens Innenstadt. Rund 20 Wohnungen verwandeln sich in Stände. Ihre Bewohner schlüpfen in die Rolle von Ausstellern. Und völlig fremde Trödler werden zu ihren Gästen.

Überall zwischen Licher Straße, Asterweg, Riegelpfad und Westanlage sieht man am Samstag kleine Gruppen meist junger Menschen umher irren. Einige ältere sind auch dabei. In den Händen halten sie Stadtpläne und suchen die ausgeschriebenen Straßen und Hausnummern jener WGs, die an diesem Nachmittag zu Trödelständen werden. Dann geht es los: Klingeln an einer fremden Tür. Eintreten in eine fremde Wohnung. Stöbern in fremden Sachen.

Die Idee hinter dem WG-Flohmarkt-Fest: Jeder, der Teile seines Hausrats loswerden möchte, meldet sich bei den Organisatoren an, die Adresse der Aussteller wird auf Stadtplänen vermerkt, die dann im Internet abrufbar sind und in Cafés als Flyer ausliegen. Laura Jax, die das WG-Flohmarkt-Fest organisiert hat und die Website »wasmachicheigentlichhier.de« betreibt, erklärt die Vorzüge der Idee so: »Man muss seine Sachen, die man ausstellen möchte, nicht aus der Wohnung herausbringen. Und eine hohe Standgebühr, die man vielleicht nicht mehr reinbekommt, gibt es auch nicht.« Außerdem geht es erst um 17 Uhr los mit der großen Trödelei. »Das ist eine gute Zeit. Normalerweise muss man schließlich früh aufstehen, wenn man auf einen Flohmarkt möchte. Sonst ist das Beste schon weggegrapscht«, sagt die Organisatorin.

Trödel-Tanz-Bar in der Bahnhofstraße



Bei der letzten Auflage im Februar zogen rund 800 Trödler durch Gießen. Dieses Mal sind es wohl noch mehr, die zwischen den etwa 20 Wohnungen hin und her trödeln. Allein am Abend tanzen über 500 Gäste in der Trödel-Tanz-Bar an der Bahnhofstraße.

Viel wird gesprochen an diesem Samstagnachmittag in den Wohnungen, nicht nur gehandelt. Einige Gäste verbringen mehrere Stunden in fremden WGs, Gärten und Innenhöfen. Laura Jax meint: »Kommunikation wird groß geschrieben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man die erste Schwelle schon überschritten hat, indem man direkt im Allerheiligsten eines anderen Menschen steht.« In ähnlicher Atmosphäre entstand auch einst die Idee zum WG-Flohmarkt-Fest: Bei »Gießen kocht« – einer Veranstaltungsreihe, die Hobbyköche ebenfalls in fremden Küchen zusammenbringt – kam Laura Jax erstmals der Gedanke eines auf verschiedene Wohnungen verteilten Flohmarkts. »Wir saßen in der WG eines Fremden und haben uns überlegt, was der Stadt fehlt«, erinnert sich die Organisatorin.



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Artikel vom 16.07.2012 - 12.02 Uhr
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Leserkommentare
(16.07.2012 20:52)
nils-73
Ergänzung
Warum findet ein solches Event nicht am Nachmittag statt, dann haben die Anwohner auch die Möglichkeit mit ihren Kindern hinzugehen. Wenn eine Stadt schon nach Identität sucht, dann doch bitte nicht so! In Berlin sind die Flohmärkte kinderfreundlich, es wird darauf geachtet das selbst in Wohngegenden laute Live Musik nur bis 0:00 Uhr maximal gespielt wird, es wird aufeinander Rücksicht genommen.
Leider fand das alles hier nicht statt und mehrere Anwohner sind der Meinung, dass beim nächsten mal die Polizei eingeschaltet werden muss!
Es kann doch nicht das Ziel sein, dass eine Party stattfindet und der Rest der Anwohner kann zusehen was sie machen und wie sie ihre Kinder zum Einschlafen kriegen. Bis dann um fünf Uhr auch der letzte Partygast gegangen ist und etwas Ruhe eingetreten ist.
Danke! Ich fand dieses Event toll und meine Kinder und Frau auch!
Mit etwas Kommunikation und Rücksichtnahme kann man dieses Problemen bestimmt entgegentreten! Aber das erfordert vor allem Weitsicht. Die fehlte im Asterweg! Da ging es nur um Party, Beliebtheit und das Fernsehteam welches die tolle Live Band filmte. Musik gern, aber ich will bestimmen wann und wie laut und bestimmt nicht um ein Uhr in der Nacht mit dem Gefühl sie spielen bei mir im Wohnzimmer!
PS: Nur zur Orientierung, ich wohne gute 300 Meter entfernt von besagter Partylocation
(16.07.2012 20:44)
nils-73
Kommunikation fand nicht statt
Lieber Veranstalter des WG-Flohmarktes,
die Idee ist gut, denn genau so etwas fehlt in Gießen, aber an der Ausführung muss gearbeitet werden. Ich habe nichts gegen Live Musik, im Gegenteil, aber nicht um 23:22 bis 1:45 in einer Lautstärke, dass weder meine Kinder noch ich schlafen können, auch nicht bei geschlossenen Fenstern.
Es fing am Samstag damit an, dass im Asterweg laute Musik den ganzen Abend gespielt wurde, so laut, dass man seine Unterhaltungen bei geschlossenen Fenster nicht wirklich angenehm fortführen konnte bzw. meine Kinder (1 und 3 Jahre) nicht schlafen konnten. Ich bin um 22:30 runter zu den Veranstaltern und habe gebeten die Musik doch leiser zu machen und beim nächsten Event vielleicht ein paar Flyer in die umliegenden Briefkästen zu werfen, damit früh genug verreist werden kann. Auf den Kommentar, dass das passiert sei konnte ich nur lachen, denn die Veranstalter im Asterweg waren sich über die Ausbreitung ihres Lärms nicht im geringsten bewusst.
Der junge WG Bewohner hatte sich tausend mal entschuldigt und mir sechs bis sieben mal erklärt, dass doch gleich noch ein Kamera Team käme und eine Live Band. Fassungslos über soviel Ignoranz gegenüber den Anwohnern nur für eine tolle Party war ich sprachlos und bin gegangen, kein Angebot des Veranstalters das sie die Musik leiser machen würden bzw. die Bässe rausnehmen würden.
Als dann die Live Band noch bis 1:45 spielte hatte ich genug, meine Kinder konnten nicht schlafen und wir auch nicht! Danke
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