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Wohnbau: »5,50 Euro sind nicht zu halten«

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Artikel vom 28.09.2014 - 15.35 Uhr

Wohnbau: »5,50 Euro sind nicht zu halten«

Gießen (ck). Nachdem sich der Sozialausschuss des Kreistags am Mittwochnachmittag ausgiebig mit dem Mangel an bezahlbaren Wohnraum für Geringverdiener beschäftigt hatte (die GAZ berichtete), gab es am Abend auch im entsprechenden Gremium der Gießener Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema Redebedarf.

Auf Einladung des Ausschusses gab Reinhard Thies, Geschäftsführer der Wohnbau Gießen GmbH, Auskunft über die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt.

Und die hat sich Thies zufolge – nach Jahren der Entspannung – in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugespitzt; vor allem zulasten der Geringverdiener. Die Wohnbau biete in der Stadt rund 7200 Wohnungen an, mit anderen Wohnungsunternehmen komme man auf etwa 11 000 Einheiten. Davon unterliegen noch 3000 der Sozialbindung – Tendenz fallend, da die hohen Förderungen aus den Nachkriegsjahren mehr und mehr auslaufen und quasi keine neuen Sozialwohnungen dazukommen; vor allem, weil die Länder ihre Hilfen bei der Finanzierung weitgehend zurückfahren haben. Um sich mit ihren Wohnungen weiterhin am Markt behaupten zu können und weil die Vorgaben des Bundes im Rahmen der eingeleiteten Energiewende eindeutig sind, habe die Wohnbau ihre Aktivitäten vor allem auf die Sanierung ihres Bestands ausgerichtet. Dabei gerate man in punkto Miethöhe jedoch in Bereiche, die mit den Vorgaben der Sozialhilfeträger nicht kompatibel seien.

»Der Wohnungsbestand für Bedürftige schmilzt damit ab«, so Thies, auch wenn die Gesellschaft Kappungsgrenzen für Altmieter nach Sanierung in Höhe von 6 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche eingeführt habe. Derzeit liege die Durchschnittsmiete bei 85 Prozent alle Wohnbauwohnungen unter 5,50 Euro/qm kalt. Das sei auf Dauer aber nicht zu halten.

Michael Janitzki (Linkes Bündnis) kritisierte, dass es laut Jobcenter in Stadt und Landkreis für 2700 Ein-Personen-Bedarfsgemeinschaften nur 750 Wohnungen gebe, die den Vorgaben der Kosten der Unterkunft (KdU) entsprächen. Er schlug vor, wie in Berlin den Investoren künftig vorzuschreiben, bei Neubauvorhaben 30 Prozent Sozialwohnungen zu errichten. Wie Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz regte auch Inge Bietz (SPD) an, künftig bei der KdU-Bemessung die Bruttowarmmiete anzusetzen, da eine hochwertige energetische Sanierung schließlich Heizkosten sparen helfe. Das sei beim Landkreis in der Prüfung, erläuterte die OB, die ferner von Bund und Land Neubauprogramme forderte.

Janitzki monierte zudem, dass die Stadt immer noch kein neues Wohnraumversorgungskonzept erstellt hat. Auch diesbezüglich sei man, so die OB, mit dem Kreis im Gespräch, da die ausschließliche Betrachtung der städtischen Situation keinen Sinn mache. Wie Thies berichtete, sei auch die Wohnbau in Kontakt mit den anderen Wohnungsunternehmen in der Region, um beispielsweise zu den Wohnungssuchenden und dem Wohnungsangebot belastbare Zahlen zu bekommen. »Angesichts der aktuellen Lage sind alle gefragt. Wir müssen uns Partner mit ins Boot holen«, so der Geschäftsführer.

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Artikel vom 28.09.2014 - 15.35 Uhr
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