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Wissenschaftsrat begutachtet Hochschulmedizin

Artikel vom 03.11.2009 - 23.10 Uhr

Wissenschaftsrat begutachtet Hochschulmedizin

Gießen (si). Der Fachbereich Medizin und das Klinikum der Justus-Liebig-Universität blicken auf ihren wichtigsten Termin des gesamten Jahres. Heute morgen beginnt dort eine 21-köpfige Delegation des Wissenschaftsrates mit der Evaluierung der mittelhessischen Hochschulmedizin.
Die Mitglieder des Medizinausschusses wollen wissen, wie sich die Forschung und Lehre hier und am Standort Marburg (der morgen begutachtet wird) seit der Privatisierung des Klinikums Anfang 2006 entwickelt haben und ob die Freiheit der Forschung auch unter den neuen Bedingungen gewährleistet ist. Von der Antwort hängt ab, ob das privatisierte Klinikum ein Universitätsklinikum im Sinne des Hochschulbauförderungsgesetzes bleibt und damit öffentliche Mittel beanspruchen kann. Der Fachbereich hat sich auf den Termin seit über einem Jahr vorbereitet.

Die Delegation des Medizinausschusses wird Gespräche mit Vertretern des hessischen Wissenschaftsministeriums, der beiden Universitäten und Medizin-Fachbereiche, der Professoren und Nachwuchswissenschaftler, der Studierenden und auch mit Vertretern des Rhön-Klinikums und der Uniklinikum Gießen und Marburg GmbH (Betriebsrat eingeschlossen) führen. Die Ergebnisse der Evaluierung sollen im kommenden Juli vorgelegt werden. Den Medien wollen sich die Beteiligten während des Besuchs nicht stellen.

Spannend ist bei der Begehung nicht zuletzt die Frage, was der Medizinausschuss zu den medizinischen Fachbereichen in Gießen und Marburg sagen wird. 2005, kurz vor der Privatisierung, hatte sich das Gremium für eine Fusion der zwei Fachbereiche ausgesprochen - was beide Einrichtungen wie auch die Präsidien der Liebig- und der Philipps-Universität bis heute strikt ablehnen. Sie befürworten eine engere, »strukturierte« Kooperation.

Die Gießener Seite lobte gestern geradezu überschwänglich die Entwicklung der vergangenen Jahre. JLU-Präsident Stefan Hormuth, sein designierter Nachfolger, Vizepräsident Joybrato Mukherjee und Dekan Trinad Chakraborty sehen in der externen Begutachtung eine »willkommene Chance zu zeigen, wie gut sich die 2006 festgeschriebenen Strukturen bewährt haben«. Der Fachbereich Medizin sei eine der tragenden Säulen der Lebenswissenschaften an der Universität Gießen, schreibt Hormuth in einer Pressemitteilung. Mukherjee bekräftigt darin, dass der Fachbereich Medizin »mit seinen großen wissenschaftlichen Erfolgen exzellenter Forscher zum hervorragenden Ruf der Universität Gießen beiträgt«. Insbesondere das hohe Drittmittelaufkommen, das von rund 18 Millionen Euro im Jahr 2006 auf über 22 Millionen Euro im Jahr 2008 gestiegen sei, stelle die Leistungsfähigkeit des Fachbereichs unter Beweis. Auch Chakraborty spricht von »zahlreichen Beispielen gelungener wissenschaftlicher Kooperationen über Universitäts- und Fachbereichsgrenzen hinweg«.

Das Uniklinikum Gießen und Marburg war 2006 als erstes (und bis heute einziges) Universitätsklinikum in Deutschland privatisiert worden. Der Wissenschaftsrat hatte zuvor die Rahmenbedingungen mit Blick auf das Verzeichnis des Hochschulbauförderungsgesetzes formuliert und dann die Aufnahme des Klinikums empfohlen. Grundlage war damals die Annahme, dass der Wissenschaftsrat die vorgesehenen Strukturen des privatisierten Klinikums für geeignet hielt, den beiden Medizin-Fachbereichen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in Forschung und Lehre zu dienen. Schon damals war eine externe Evaluation für das Jahr 2009 vereinbart worden. Förmlich erfolgt die jetzige Überprüfung auf Antrag des Landes Hessen.

Der Wissenschaftsrat ist das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland. Er berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung.

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Artikel vom 03.11.2009 - 23.10 Uhr
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