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Wenn Gebrauchshunde nicht gebraucht werden

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Artikel vom 06.01.2012 - 00.16 Uhr

Wenn Gebrauchshunde nicht gebraucht werden

Gießen (cg). Der Gießener Tierschutzverein will jungen Arbeitshunden eine Chance geben. Trainerin Astrid Paparone rät: Rassegemäße Auslastung ist wichtig

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Astrid Paparone mit dem schwarzen Malinois Lina (l.) und den Junghunden Queeny, Sweety und Little Prince. Diese Hunde sind eine Herausforderung, aber sie haben eine Chance verdient, ist die Trainerin sicher. (Foto: pv)
Die meisten Hunde wurden für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet. Es sind so genannte Gebrauchshunde, die bei der Jagd, beim Schafe hüten, beim Bewachen der Herde oder als Diensthunde bei Polizei und Zoll eingesetzt wurden. Die meisten Familienhunde sind jedoch »arbeitslos«, sie haben keine Aufgabe mehr zu erfüllen außer freundliche Begleiter des Menschen zu sein. Viele Vierbeiner kommen mit dieser Rolle gut zurecht, sie haben sich angepasst. Doch das klappt längst nicht bei allen, insbesondere klassische Arbeitshunde wie Border Collie, Altdeutsche Hütehunde oder Belgische Schäferhunde reagieren auf Unterbeschäftigung mit Verhaltensauffälligkeiten. Sie werden als Problemhunde ins Tierheim abgeschoben. Derzeit gibt es dort 15 Hunde, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht gebraucht wurden. Dabei, so die Hundetrainerin Astrid Paparone, könnten diese Vierbeiner bei richtiger Auslastung wunderbare Gefährten sein. »Für diese Hunde braucht man Zeit, aber die Mühe lohnt sich«, sagt sie.

Im Tierheim wird mit den Hunden gearbeitet, um sie auf eine Vermittlung vorzubereiten. Derzeit kümmert sich Astrid Paparone besonders intensiv um Lina, eine schwarze Malinois-Hündin. Die belgische Schäferhündin ist 16 Monate alt und war ausgesprochen schwierig, als sie ins Tierheim kam. Mittlerweile ist sie auf einem sehr guten Weg, sie ist eine sportliche und sehr verspielte Hündin, die sich weiter gute entwickeln wird, wenn sie in die richtigen Hände kommt.



Hundeerfahrung notwendig



Das bedeutet in ihrem Fall: Der neue Besitzer muss Hundeerfahrung haben, er muss Lina konsequent führen können und Zeit und Lust haben, das Tier körperlich und mental auszulasten. Mit ihren knapp eineinhalb Jahren ist die Hündin in einem Alter, in dem man sehr gut mit ihr arbeiten kann und auch sollte – bleibt sie zu lange im Tierheim, vergibt man diese Chance. »Uns läuft die Zeit davon«, sagt Paparone, die sich inständig wünscht, einen passenden Menschen für Lina zu finden. Ähnliches gilt für die Hütehundmischlinge Sweety, Queeny und Little Prince. Die Junghunde sind fünf Monate alt und haben von ihren Hundebegleitern (ehrenamtliche Mitarbeiter des Tierheims) schon viel gelernt. Dennoch ersetzt das nicht das Leben und Lernen in einem richtigen Zuhause.

Leider, so Paparone, suchen sich viele Menschen einen Hund vorrangig nach dem Erscheinungsbild aus. Besser wäre es, sich bei der Suche mehr von den Eigenschaften leiten zu lassen. In jedem Fall muss man die Arbeit mit dem Hund diesen Eigenschaften anpassen. Jagdhunde, so erläutert die Trainerin, kann man sehr gut mit Nasenarbeit (Deutsch Kurzhaar, Beagle) oder Apportieren (Retriever) beschäftigen, für Hütehunde (Border Collie, Australien Shepard, Altdeutsche Hütehunde) oder auch Schäferhunde ist eine Kombination aus Ausdauersport (Joggen, Rad fahren, Agility und Treibball) sowie Kopfarbeit (Such- und Apportierspiele) ideal.



Zwei Stunden pro Tag



Für einen lebendigen, aktiven Hund sollte man gut zwei Stunden Zeit pro Tag einplanen, rät Paparone. Wer keine Lust oder Zeit hat, bei Wind und Wetter in der Natur unterwegs zu sein, sollte sich keinen Hund anschaffen. Entscheidend sei nicht, den Hund rund um die Uhr zu »bespaßen«; wichtig sei vielmehr die Qualität der Beschäftigung. Ein Vierbeiner, der sich austoben kann, der spielen und seine »grauen Zellen« einsetzen darf, ist im Haus ein ruhiger, ausgeglichener Gefährte.



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Artikel vom 06.01.2012 - 00.16 Uhr
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