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Welpen sind für Bettler ein einträgliches Geschäft

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Artikel vom 03.06.2012 - 08.58 Uhr

Welpen sind für Bettler ein einträgliches Geschäft

Gießen (cg). »Hände weg von diesen Welpen!« Die Haltung des Tierschutzvereins ist eindeutig: Wer in diesen Tagen im Seltersweg Osteuropäern begegnet, die mittels entzückender junger Hunde nicht nur die Spendenbereitschaft der Passanten erhöhen, sondern die Vierbeiner sogar verkaufen, sollte zum Telefon greifen:

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Diese kleine Hündin wurde von Osteuropäern auf der Straße verkauft. Sie lebt nun bei einer Gießener Familie. (Foto: pv)
»Polizei oder Ordnungsamt müssen eingeschaltet werden«, sagt TSV-Geschäftsführer Robert Neureuther, damit diese Art des Tierhandels unterbunden werden kann. Wirklich belangt werden die Bettler meist allerdings nicht, denn keiner von ihnen gibt bei Kontrollen durch uniformierte Beamte zu, mit den Hunden – sei es durch Bettelei oder Verkauf – Geld verdienen zu wollen. Dennoch warnen die Tierschützer davor, durch Duldung die dubiosen Geschäfte weiter zu unterstützen. Der »Niedlichkeitsfaktor« spiele eine große Rolle, diesem sollte man sich jedoch unbedingt entziehen.

Auch die Stadt warnt vor dem »Geschäft mit dem Mitleid«, wie Pressesprecherin Claudia Boje auf Anfrage erklärte. Stadt und Polizei hätten ein Interesse daran, diesen Tierhandel zu beenden, was nicht einfach sei, da den Männern nicht ohne weiteres illegale Handlungen nachgewiesen werden können. Wegen einer fehlenden Sondernutzungserlaubnis mussten die Männer schließlich gehen – dass sie nun möglicherweise woanders ihre Zelte aufschlagen, kann freilich nicht verhindert werden

Zwischen Selterstor und Marktplatz waren seit Anfang der Woche einige junge Männer mit Welpen unterwegs. Sie stammten nach eigenen Angaben aus der Slowakei. Eine Verständigung war schwierig, weil sie nur wenige deutsche Wörter sprachen. Aber so viel war doch zu erfahren: Sie könnten ohne weiteres noch mehr Hunde besorgen, versicherten sie. »Wir haben noch fünf im Auto«. Und: Mit zurück nach Hause nehmen wollten sie keinen der Welpen. Da ist der Gedanke, dass sie die jungen Hunde einfach irgendwo entsorgen, naheliegend. Das war auch der Grund dafür, dass sich eine Gießenerin und ihr Sohn entschlossen, einen der Hunde zu kaufen. Für 70 Euro wechselte die kleine Schäferhündin den Besitzer – sie darf sich nun auf ein schönes Leben in einer überaus tierfreundlichen Familie freuen. Den anderen – mit auf Betteltour waren weitere Schäferhunde und ein pechschwarzer Labrador – wird es vermutlich nicht so gut ergehen.

Meistens, so Robert Neureuther, sind die angebotenen Hunde krank, oftmals sind sie viel zu früh von ihren Müttern getrennt worden. Geprüft werden müsse, ob die Tiere illegal eingeführt wurden – das wäre zum Beispiel bei Hunden der Fall, die nach der Hundeverordnung als potenziell gefährlich gelten. Polizei und Veterinäramt könnten zudem Alter, Impfstatus oder Kennzeichnung durch Mikrochip überprüfen, in der Regel liegen jedoch über diese Tiere keine oder nur gefälschte Dokumente vor.

Für die oft aus Osteuropa stammenden Bettler sind die Hunde ein einträgliches Geschäft, denn angesichts der niedlichen Vierbeiner sind ihre Einnahmen deutlich höher als ohne. Erst recht, wenn sie dann noch den einen oder anderen Hund verkaufen können. Woher sie die Hunde haben, weiß man nicht, wahrscheinlich handelt es sich um den Nachwuchs von Straßenhunden oder um Welpen aus Massenzuchtstätten. Seit Jahren praktiziert – insbesondere seit die Grenzen zu den Nachbarländern offen sind – werden so genannte Kofferraumverkäufe: Auf Flohmärkten, auf Messen oder auch an Autobahnraststätten bieten Händler junge Hunde beliebter Rassen zu günstigen Preisen an. Bis die Behörden davon erfahren, sind die Verläufer meist über alle Berge.

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Artikel vom 03.06.2012 - 08.58 Uhr
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