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Warnstreik legt Stadtbusverkehr lahm

Artikel vom 05.02.2010 - 21.00 Uhr

Warnstreik legt Stadtbusverkehr lahm

Gießen (mö). Die Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst hat am Freitag den Kreis Gießen erreicht. Betroffen von dem ganztägigen Warnstreik, zu dem die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufgerufen hatte, war vor allem die Stadt Gießen, deren Nahverkehr fast komplett zum Erliegen kam.
Rund 300 Angestellte von kommunalen Versorgungsunternehmen und  Verwaltungen aus Gießen, Wetzlar und einigen Kreisgemeinden bete
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Rund 300 Angestellte von kommunalen Versorgungsunternehmen und Verwaltungen aus Gießen, Wetzlar und einigen Kreisgemeinden beteiligten sich an einer Streikkundgebung. (Foto: mö)
Die Busse der zwölf innerstädtischen Linien einschließlich der Verbindung nach Wettenberg, die allesamt von den Stadtwerken und deren Tochter MitBus betrieben werden, blieben am Morgen im Depot. Eingeschränkt war auch das Dienstleistungsangebot der Stadtverwaltung; geschlossen blieb das Stadtbüro, nicht erreichbar war die Telefonzentrale.

Betroffen von dem Streik waren neben den Gießener Schülern, die auf Fahrrad oder das Eltern-Taxi zurückgreifen mussten, auch viele Jugendliche aus dem Kreisgebiet, die jeden Morgen von Bussen in die Stadt gebracht werden. Diese Linien, die von Privatunternehmen gefahren werden, verkehrten auch, aber eben nicht die Anschlussverbindungen innerhalb Gießens. So machten sich hunderte von Jugendlichen zu Fuß auf. »Wir kommen pünktlich zum Unterricht«, versicherte eine Mädchengruppe, die um kurz nach acht Uhr vom Berliner Platz zur »Ricarda« marschierte. Die Staus im morgendlichen Pkw-Berufsverkehr waren nicht länger als sonst.

Gähnend leer präsentierte sich der Marktplatz, nur ab und an hielt eine Regionallinie. An den Wartehäuschen hingen Zettel der SWG mit Hinweisen auf den Warnstreik. Einige wenige ÖPNV-Nutzer übersahen diese Hinweise oder sind des Deutschen nicht mächtig und warteten unentwegt auf ihren Bus, ehe sie von anderen Passanten aufgeklärt wurden. Am Vormittag geschlossen blieben zudem die von den Stadtwerken betriebenen drei Hallenbäder in Gießen und Pohlheim, die am Nachmittag wieder öffneten. Begonnen hatte der Warnstreik am frühen Morgen gegen 4.30 Uhr, als die rund 100 Fahrer der SWG ihren Dienst nicht antraten. Obwohl die 34 Fahrer der SWG-Tochter MitBus nach dem privaten Tarif des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer entlohnt werden, beteiligten sich auch diese Beschäftigten an dem Ausstand. »Die sind in dem Paket mit drin«, erklärte eine ver.di Vertreterin.

Treffpunkt der Streikenden war der Eingangsbereich vor der SWG-Zentrale an der Lahnstraße. Dorthin kamen am Morgen auch Bedienstete aus Wetzlar, den Gießener Umlandgemeinden und aus der Gießener Stadtverwaltung. Gegen 9.30 Uhr setzte sich von dort aus ein Demonstrationszug mit etwa 300 Teilnehmern in Bewegung, der zum neuen Rathaus führte. Zunächst auf dem Vorplatz und dann im Atrium des Rathauses wurden Kundgebungen abgehalten. Dabei verteidigten ver.di-Fachbereichsleiter Frank Haindl und ver.di-Sekretär Jürgen Lauer die Lohnforderung von fünf Prozent. Nicht die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hätten die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise mit ihren Folgen für die Kommunalhaushalte verursacht, sondern die Banken. Daher seien die Beschäftigten nicht bereit, »durch Lohnverzicht die Zeche zu zahlen«, rief Lauer. Sollten die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, »kommen wir noch öfters hierher«.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD), selbst Mitglied bei ver.di, bezeichnete den Warnstreik auf Anfrage »als legales Mittel von Beschäftigten, ihre Interessen durchzusetzen«. Die Forderung von fünf Prozent mehr Lohn sei aber »nicht realistisch«. Grabe-Bolz, die auch Kämmerin ist: »Das sagen die Oberbürgermeister zwar immer, wenn die Tarifverhandlungen laufen, aber wir befinden uns nun wirklich in einer außerordentlich angespannten Haushaltssituation.« Nach Angaben von Magistratssprecherin Claudia Boje blieben die Müllabfuhr und der Betrieb der Kindertagesstätten vom Warnstreik unbeeinträchtigt.

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