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Vorsicht an Bahnübergängen ohne Schranken

Artikel vom 22.07.2010 - 22.15 Uhr

Vorsicht an Bahnübergängen ohne Schranken

Gießen (kw). »Bald kein Bahnübergang mehr ohne Schranken«, meldete die Gießener Allgemeine Zeitung im Jahr 2000. Wo bisher nur ein Andreaskreuz und vielleicht noch ein Blinklicht stand, sollten künftig satellitengesteuerte Schranken ihren Dienst verrichten. Davon ist zehn Jahre später keine Rede mehr.
Wie hier am Rödgener Burgwiesenweg gibt es viele kleine Bahnübergänge, an denen nur ein Blinklicht vor herannahenden Zügen warnt
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Wie hier am Rödgener Burgwiesenweg gibt es viele kleine Bahnübergänge, an denen nur ein Blinklicht vor herannahenden Zügen warnt. (Foto: Schepp)
Für Gefahren sorgen diese unbeschrankten Kreuzungen gerade jetzt in der Fahrradsaison. Das belegen zwei tödliche Unfälle in den letzten Tagen in Hessen: Eine 20-Jährige in Bad Vilbel und ein 23-Jähriger in Lorsch kamen ums Leben. Viele andere haben wohl einfach mehr Glück: Etwa eine AZ-Leserin, die kürzlich im Wald Gleise überquerte und erschrak, als kurz darauf ein Zug vorbeibrauste. Auf Signale hatte sie nicht geachtet, gibt sie zu: »Ich dachte, auf so einer Nebenstrecke ist am Wochenende gar kein Verkehr.«

An den meisten Übergängen warnt zwar ein Blinklicht vor der herannahenden Bahn, doch das wird bei greller und erst recht bei tief stehender Sonne mitunter übersehen. Akustische Signale oder schlicht auch das Herannahen des Zuges überhören manche, etwa weil sie beim Joggen oder Radeln Kopfhörer im Ohr haben. Darum ruft die Bahn Radfahrer, Spaziergänger und alle anderen Nutzer von kleinen Wegen seit jeher zur besonderen Vorsicht auf.

Zwar bemühe sich das Unternehmen, die Zahl der Übergänge ohne technische Sicherung abzubauen, erklärte ein Sprecher der Bahn AG jetzt. Jedes Jahr würden es etwas weniger - nicht nur, wenn Nebenstrecken stillgelegt werden. Es würden auch zunehmend Unter- oder Überführungen gebaut. Damit seien aber hohe Kosten verbunden, die sich Bahn, Bund und der für die Straße zuständige Träger in der Regel teilen.

Bahnübergänge ohne Schranken sind keineswegs selten - im Gegenteil, belegt der Sprecher anhand von Zahlen. Demnach gibt es in Deutschland 20 000 Kreuzungen zwischen Schiene und Straße oder Weg allein im öffentlichen Raum (hinzu kommen beispielsweise solche auf Industrie- und Hafengeländen). Von ihnen seien fast 10 000, also knapp die Hälfte technisch nicht gesichert. Es gebe Vorgaben, wo Schranken Pflicht sind und wo nicht unbedingt.

Wer »Bahnübergang unbeschrankt« in die Internet-Suchmaschine eingibt, findet vor allem eines: Berichte über Unfälle. Die mögen angesichts der vielen Gefahrenstellen insgesamt gar nicht so häufig sein, gehen aber oft schlimm aus. In Gießen kamen im Februar 2001 zwei Autoinsassen ums Leben, nachdem der Fahrer, geblendet von der Sonne, das Blinklicht des Übergangs bei einem Firmengelände am Steinberger Weg übersehen hatte.



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Artikel vom 22.07.2010 - 22.15 Uhr
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Leserkommentare
(22.07.2010 23:27)
Leser
Alles vermengt
Leider wird in diesem Artikel einiges vermengt und eine Gefahr heraufbeschworen, die so nicht existiert: Der zitierte Unfall in Bad Vilbel beispielsweise ist nicht an einem unbeschrankten Übergang passiert, sondern an einem Übergang mit Halbschranken und Blinklicht.
Eine absolute Sicherheit lässt sich also weder durch Schranken noch durch Blinklichter und Pfeiftöne erreichen. Vielmehr führen die vielen Sicherungssysteme dazu, dass viele Personen die Sorgfalt beim Queren einer Bahn nicht walten lassen. Mit einem Mindestmaß an Aufmerksamkeit lassen sich jedoch alle Bahnübergänge äußerst sicher nutzen - selbst mit Kopfhörern im Ohr - und somit gibt es auch keinen Grund, gleich alle Bahnübergänge zu schließen. Im Straßenverkehr abseits der Bahnstrecken passieren leider viel mehr Unfälle und komischerweise reagiert man dort kaum, auch wenn jährlich in gleichen Situationen an den gleiche Kreuzungen Menschen verunglücken.
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