Vier Jahre nach Auflösung des Vereins zieht kommerzieller Anbieter »einfach mobil« Bilanz
Ein »einfach mobil«-Standort in der Lonystraße. (Foto: Schepp)
Gießen (bf). Kann Autofahren in Zeiten des Klimawandels noch ökologisch korrekt sein? Zwei Unternehmer zeigen mit ihrer Carsharing-Firma »einfach mobil« wie es gehen kann: Die Firma, die seit annähernd vier Jahren in Gießen Fahrzeuge bereit stellt, ist der erste und einzige Anbieter, deren Autos klimaneutral fahren - und das ganz ohne Elektroantrieb und Brennstoffzelle. Und: Auch Besitzer von Privat-Wagen profitieren offenbar, wenn andere zugunsten von Carsharing auf den Kauf eines eigenen Pkw verzichten.
Insgesamt an neun Stellplätzen, verteilt über das gesamte Gießener Stadtgebiet, stellt »einfach mobil« 16 Fahrzeuge bereit - vom City-Flitzer über das Cabrio für den Wochenend-Ausflug bis zum Transporter. Einige der Standorte hat das Unternehmen vom Gießener Carsharing-Verein »Statt Auto« übernommen, der sich 2006 aufgelöst hatte. Die Mehrheit der damaligen Vereins-Mitglieder wollte dem Prinzip der geteilten Mobilität weiter treu bleiben - und ist heute »einfach mobil«-Kunde.
In seinem Marburger-Büro erläutert Geschäftsführer Thomas Großnann, wie seine Autos CO2-neutral unterwegs sein können: »Wir zahlen etwa einen Cent pro gefahrenem Kilometer unserer Autos an die Stiftung myclimate«. Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in der Schweiz fördere Klimaschutzprojekte weltweit, erzählt er, und gleiche so die Kohlendioxid-Emissionen der Fahrzeug-Flotte aus. Ein Engagement, das auch das Bundesumweltministerium anerkennt: An der Wand hinter Großnann hängt der »Blaue Engel« für die »umweltschonende Verkehrsdienstleistung« des Carsharing-Anbieters.
Doch auch ohne CO2-Ausgleich schont Carsharing nach Großnanns Überzeugung neben dem Geldbeutel auch das Weltklima: »Jedes Carsharing-Auto ersetzt im Durchschnitt vier bis acht private Pkw«, zitiert sein Partner Tim Pfleiderer eine Studie des Bundesverbands Carsharing (bcs). Wer sich den Wagen mit anderen teile, nutze überdurchschnittlich oft den Öffentlichen Nahverkehr, fahre Fahrrad oder gehe schlicht zu Fuß, heißt es dort weiter.
Weniger Autos bedeute auch weniger Bedarf für Parkflächen - und damit eine Entlastung für die oft »dramatische Parkplatzsituation in den Innenstädten«, wie Pfleiderer formuliert. Außerdem: »Fahrzeuge, die nicht gebaut werden, verbrauchen auch keine Ressourcen bei der Herstellung«, fügt Großnann hinzu. »20 bis 30 Prozent des Kohlendioxids, die ein Auto während seiner Lebensdauer erzeugt, entstehen bei der Produktion.«