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Unterstützer empört »Stolpersteine« von Gunter Demnig sind keine Kunst mehr

Artikel vom 21.06.2011 - 09.53 Uhr

Unterstützer empört »Stolpersteine« von Gunter Demnig sind keine Kunst mehr

Gießen (mö). Auch die Gießener Unterstützergruppe ist empört: Die »Stolpersteine« von Gunter Demnig, die an die Opfer das Nazi-Terrors erinnern, gelten steuertechnisch nicht mehr als Kunst,

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Gunter Demnig 2008 bei einer »Stolperstein«-Verlegung im Stadtteil Wieseck. (Foto: mö)
An fast 40 Orten der Stadt liegen sie im Asphalt oder Pflaster von Bürgersteigen und Plätzen. Mittlerweile sind es fast 100 der goldglänzenden Steine, mit denen in Gießen an die Opfer des Nazi-Terrors erinnert wird. Bereits fünfmal seit 2008 war Gunter Demnig hier, um seine »Stolpersteine« zu verlegen. Geht es nach dem Finanzamt Köln, darf ihn auch die Gießener Allgemeine, wenn die nächste Verlegung ansteht, strenggenommen nicht mehr als »Aktionskünstler« ankündigen, denn Demnigs Stolpersteine sind jetzt keine Kunst mehr, sondern dem Staat unwichtiger geworden als Hamsterfutter oder Rollrasen.

Demnig soll ab sofort nämlich 19 Prozent Mehrwertsteuer auf seine Steine statt wie bisher den ermäßigten Satz von sieben Prozent zahlen. Ursprünglich wollte das Finanzamt, das in den Steinen in Massen gefertigte Hinweisschilder, aber keine Kunst sieht, von ihm sogar eine Steuernachzahlung in Höhe von 150 000 Euro, was für ihn »den Ruin« bedeutet hätte, wie Demnig gegenüber der ARD erklärte. Ein Beitrag des Magazins »Monitor« indes löste einen Proteststurm aus, woraufhin die Finanzbehörden zumindest in Sachen Nachzahlung einen Rückzieher machten. Gleichwohl bleibt es dabei, dass für die Stolpersteine, die ab dem kommenden 1. Juli verlegt werden, der höhere Mehrwertsteuersatz gilt und ihre Verlegungen keine Kunstaktionen mehr sind.

Dieser Sachverhalt hat nunmehr auch die Gießener »Koordinierungsgruppe Stolpersteine« auf den Plan gerufen. Christel Buseck, Monika Graulich, Dagmar Klein und Ursula Schroeter erklären in einer Pressemitteilung: »Ab Juli 2011 ist das Stolpersteine-Projekt also keine Kunst mehr. Insgesamt gesehen ein ungeheuerlicher Vorgang, dass Finanzbeamte darüber entscheiden, was Kunst ist. Da wird nicht die Meinung von Kunstexperten abgefragt, da wird nach Materialwert geschaut.« Zitiert von der Gießener Gruppe wird Prof. Kasper König vom Museum Ludwig (Köln): »Die Stolpersteine sind ein Kunstprojekt, bei dem mit minimalen Aufwand und ganz konkret Erinnerungsorte unseres deutschen Traumas und zugleich der Tod einer Person markiert werden. Dies hat bislang keine andere Form der Aufarbeitung geschafft.«

Die Gießener Gruppe, die als nächstes Projekt die Gestaltung einer Broschüre über die bisherigen hiesigen Verlegungen plant, geht davon aus, dass die Stolpersteine für deren Paten künftig teurer werden, sollte es bei der Haltung des Finanzamts bleiben. Bislang zahlen Paten pro Stück 95 Euro für die Steine und das Messingplättchen. Wie Monika Graulich sagte, gebe es bereits neue Namensvorschläge.

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Artikel vom 21.06.2011 - 09.53 Uhr
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Leserkommentare
(27.06.2011 23:51)
Montana
@ Gracchus
Herr, vergib ihm ...
(27.06.2011 23:10)
Gracchus
Keine Kunst !
@ Montana
„Wenn ihr aber den Menschen ihre Vergehungen nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben“ (Mt 6,15)
Ein Christ kannst du nicht sein, wohl aber einer, der zu einigen anderen Usern hier passt. Zu denen nÃ?mlich, deren letzte linksideologische Gehirnzelle sich von der Argumentation abgewendet und sich auf wÃ?ste Beleidigungen verlegt hat !
Im �brigen muß mit dieser masochistischen Selbstkasteiung der Deutschen endlich Schluß sein ! Es reicht !
(21.06.2011 23:28)
Montana
Stolpersteine sind wichtig
Gracchus, solche Schuld kann man nicht "tilgen". Und den Holocaust als Schnee von gestern zu bezeichnen, das ist widerlich, empörend, abstoßend. Sie sind ein Nazi, ein Faschist und selbst ein ewig Gestriger, weil Sie das verteidigen, was Hitler und seine Schergen angerichtet haben. Ja, Stolpersteine sind wichtig, weil sie uns an das Grauen erinnern und daran, dass Menschen Ihres Schlages, Gracchus, niemals mehr an die Macht kommen dürfen.
(21.06.2011 19:04)
Gracchus
Schnee von gestern !
Stolpersteine sind wichtig - für ewig gestrige, denen es entgangen ist, daß Deutschland seine Schuld längst getilgt hat und als verläßlicher Partner Israel zur Seite steht !
(21.06.2011 17:22)
Lothar Schreyeck
Stolpersteine sind wichtig
Ganz egal, ob die Stolpersteine als Kunst oder als Sonstiges bezeichnet werden, sie sind ein gutes Mittel, die Erinnerung an größte Unmenschlichkeit und Verbrechen wach zu halten. Ich finde es großartig, dass auf so einfache aber deutliche Weise konkret an Menschen erinnert wird, die Opfer von Rassismus wurden. Damit sind die Stolpersteine vielfache Mahnmale.
Ich weiß nicht, ob der Staat die Verlegung der Stolpersteine finanziell fördert, er sollte es jedenfalls tun. Und wenn eine höhere Mehrwertsteuer verlangt wird, dann sollte eben als Ausgleich auch ein höherer Zuschuss bezahlt werden. Denn antirassistische Arbeit brauchen wir.
Wenn neue Paten gebraucht werden, bin ich gerne dabei.
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