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Umweltforscher sorgen sich um Artenvielfalt

Artikel vom 30.08.2010 - 22.00 Uhr

Umweltforscher sorgen sich um Artenvielfalt

Das Artensterben auf der Erde beschäftigt verstärkt die Wissenschaften. Zwischen 1970 und 2000 sollen 40 Prozent aller Arten ausgestorben sein. Über Gründe sowie Strategien, dem Prozess zu begegnen, diskutieren in Gießen derzeit 500 Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern im Physikgebäude der Justus-Liebig-Universität.
Prof. Volkmar Wolters vom Institut für Tierökologie der JLU ist örtlicher Gastgeber, die Teilnehmer kommen aus über 30 Ländern.
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Prof. Volkmar Wolters vom Institut für Tierökologie der JLU ist örtlicher Gastgeber, die Teilnehmer kommen aus über 30 Ländern. (Foto: Schepp)
Gießen (si). 15 Millionen verschiedene Arten an Pflanzen und Tieren soll es auf der Erde geben, die allermeisten sind bis heute weder bekannt noch genauer beschrieben worden. Leben gibt es in schier unbegreiflicher Gestalt und Fülle - doch die Zeit arbeitet dagegegen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind allein zwischen 1970 und dem Jahre 2000 weltweit 40 Prozent aller Arten verschwunden. Klimawandel, Umweltverschmutzung und der wirtschaftlich begründete Raubbau an natürlichen Lebensräumen haben dazu beigetragen. Welche Strategien sind nötig, um den Prozess zu stoppen und die Artenvielfalt zu sichern? Darüber diskutieren seit Montag und noch bis Freitag 500 Wissenschaftler aus über 30 Ländern im Physikgebäude der Justus-Liebig-Universität im Heinrich-Buff-Ring.

Gastgeber ist Prof. Volkmar Wolters vom Institut für Tierökologie der JLU, zugleich Präsident der Gesellschaft für Ökologie Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (GfÖ), die in diesem Rahmen ihre 40. Jahrestagung abhält. Auf die bis aus Australien, Japan oder den USA ausgereisten Fachleute - sie kommen aus nahezu allen Bereichen der Umweltwissenschaften - wartet ein dichtes Arbeitsprogramm: 270 Vorträge werden gehalten, 170 wissenschaftliche Poster präsentiert, der Tagungsband mit den Kurzzusammenfassungen umfasst 450 Seiten. Die behandelten Ökosysteme reichen vom Hochgebirge über Wälder, Wiesen und Trockenareale bis in die Tiefsee.

Einerseits würden hier neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Stand der Biodiversität - so der Fachbegriff für die biologische Artenvielfalt - zusammengetragen. Andererseits sei jedoch auch klar, dass die politischen Dimensionen mit angesprochen werden müssten, sagte Wolters gestern direkt vor der Eröffnung der Tagung im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. So sei es ein Ziel, Vorschläge für die nächste große EU-Agrarreform zu formulieren, die im Jahre 2013 anstehe. Ein Stichwort sind hier die »ökosystemaren Dienstleistungen« - Leistungen, die die Natur erbringt. Sie sollen genauer erfasst werden.

Ein Ziel ist es, die Folgekosten von Eingriffen in das Ökosystem präzise auszurechnen und eine Gesamtbilanz aufzustellen. »Wenn der Landwirt in der Wetterau düngt und der Stadt Frankfurt dadurch höhere Kosten für die Grundwasserreinigung entstehen, muss das zusammen gesehen werden«, sagte Wolters. Es geht hier also auch um Nachhaltigkeit.

Mitorganisator Prof. Rainer Waldhardt vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig-Universität erinnerte daran, dass die Gesellschaft GfÖ - heute eine der weltweit größten und einflussreichsten Vereinigungen für wissenschaftliche Ökologie - mit der Tagung an ihren »Geburtsort« zurückkehre. Schließlich sei die Gründung in Gießen 1971 von »einer kleinen Gruppe visionärer Wissenschaftler« beschlossen worden. Gründungspräsidentin war damals die Professorin Lore Steubing, die von 1969 bis 1988 an der Universität Gießen dem seinerzeit neu gebildeten Institut für Pflanzenökologie als Direktorin vorstand. Die heute 88-Jährige, längst Ehrenmitglied der Gesellschaft, war auch gestern anwesend; Wolters dankte ihr und überreichte einen Blumenstrauß. Bei der GfÖ handele es um eine der wenigen naturwissenschaftlichen Gesellschaften, die mit einer Frau an der Spitze aufgebrochen seien, hieß es. Auch die Hauptvorträge werden in dieser Woche fast ausschließlich von Frauen gehalten.

Grußworte sprachen JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee für die Gießener Hochschule, Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich für die Stadt Gießen und Dr. Rainer Müssner als Vertreter des Bundesforschungsministeriums.

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Artikel vom 30.08.2010 - 22.00 Uhr
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