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Umjubelt: »Hoffmanns Erzählungen« im Stadttheater

Artikel vom 21.03.2010 - 22.01 Uhr

Umjubelt: »Hoffmanns Erzählungen« im Stadttheater

Kleines Manko: Weil die Oper einer besseren Verständlichkeit zuliebe auf Deutsch gesungen wird, fehlt es den Kantilenen etwas an Schmelz, für den die französische Version berühmt ist. Die häufig auftauchende walzerselige Dreitaktigkeit der Stücke verschafft dem Opus an vielen Stellen operettenhaft leichte Züge, um dann wieder in romantisch tieferes Fahrwasser abzutauchen.

Gleichwohl sind die Evergreens wie die Barkarole »Schöne Nacht, du Liebesnacht« (die Offenbach seiner deutschen Oper »Rheinnixen« entnommen hat) oder die launige Legende des Klein-Zack Ohrenschmeichler und werden immer wieder gern gehört. Das Orchester agierte unter Spierer zuverlässig; ein transparenter und einfühlsamer Klang war garantiert.

Gaststar Wolfgang Schwaninger ist der Hoffmann wie auf den Leib geschrieben. Zum fünften Mal singt und springt er in der Rolle des hanebüchenen Dichters über die Bühnenbretter. Mit blonder Langhaarperücke sieht der hagere Tenor aus wie ein buckelloser Riff-Raff aus der »Rocky Horror Picture Show« - gesanglich war er am Samstag eine Bank. Sicher und kraftvoll meisterte er seinen umfangreichen Part mit Bravour. Das triffft auch auf Carla Maffioletti zu, die als automatische Puppe Olympia glänzte. Nach ihrer Chanson-Arie, in der Offenbach die Koloraturen von Mozarts Königin der Nacht auf die Schippe nimmt, erhielt sie den längsten Szenenapplaus dieser Spielzeit. Weil es bei »Hoffmanns Erzählungen« auch ein wenig frivol zugehen darf, stand Maffioletti am Ende in Strapsen, Höschen, Cor-sage und Brautschleier da und zeigte nicht nur ihre zarten Fesseln. Im schwarzen Negligé zog Henrietta Hugenholtz als Giulietta ihrerseits die Blicke auf sich und machte darüber beinahe vergessen, wie elegant sie ihren Part zu singen vermochte.

Auch Agnieszka Hauzer (Antonia) war in bestechender Form, ebenso wie Bariton Johannes Schwärsky in gleich vier Rollen; besonders gelungen: sein teuflischer Dapertutto. Christina Khosrowi überzeugte als Muse und als Niklas. Odilia Vandercruysse hatte als Stella einen kleinen Auftritt im letzten Akt, den sie mit großer Präsenz bewältigte.

Katja Boost gefiel gleichermaßen wie Tenor Alexander Herzog, der losröhrte und im Antonia-Akt als Oliver-Hardy-Verschnitt eine quietschfidele Knutschkugel gab. Die drei anderen männlichen Ensemblemitglieder, Tomi Wendt, Matthias Ludwig und August Schram, blieben rollenbedingt hinter ihren Talenten zurück. Schram nutzte noch am ehesten die Möglichkeit, sich ins rechte Licht zu rücken.



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Artikel vom 21.03.2010 - 22.01 Uhr
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