Gießen (si). Die seit Januar rechtskräftige Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank hat bis auf Weiteres keine sichtbaren Auswirkungen auf den Standort Gießen.
Sowohl die Niederlassung in der Johannesstraße - wo die Commerzbank sitzt - als auch das Dresdner-Haus in der Frankfurter Straße würden »mindestens bis Ende 2010« weitergenutzt, sagte Commerzbank-Sprecher Stefan Roberg gestern der Allgemeinen Zeitung. Ob dann einer der beiden Standorte aufgegeben werde, entscheide sich frühestens im nächsten Jahr. Laut Roberg wird die Dresdner-Filiale vorerst auch unter ihrem alten Namen und mit dem grünen Firmenlogo auftreten.
In dem denkmalgeschützten Gebäude der Commerzbank an der Ecke Goethestraße arbeiten derzeit etwa 40 Angestellte. Sie betreuen rund 9500 Privatkunden aus Stadt und Kreis Gießen sowie 600 Firmenkunden aus ganz Mittelhessen und darüber hinaus. Im Haus der Dresdner Bank, das in nächster Nähe zum Selterstor liegt, sind 60 Mitarbeiter tätig. Auch die Kundenzahl liegt beim »Juniorpartner« in Gießen etwas höher als bei der Commerzbank, gleichzeitig ist ihr Geschäftsgebiet größer. Beide Banken hatten schon bei der Bekanntgabe der Fusion darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter ausschließlich »kundennah« eingesetzt würden. Einsparpotenzial gebe es kaum, weil Buchführung, EDV und andere »Backoffice«-Tätigkeiten längst ausgelagert worden seien. Daran hat sich nichts geändert. Vor betriebsbedingten Entlassungen sind die Beschäftigten der neuen Großbank durch eine Betriebsvereinbarung bis 2011 geschützt.
Roberg widersprach gestern einer Presseverlautbarung, wonach der Konzern Niederlassungen schließen werde, wenn sie höchstens 450 Meter weit auseinanderliegen - in Gießen könnte dies gerade noch zutreffen. Eine solche Festlegung gebe es nicht. Grundsätzlich könnten Filialen nur dann zusammengelegt werden, wenn ein Standort genügend Platz biete. Auch ein gemeinsamer Umzug in ein neues Domizil sei denkbar. Darüber hinaus müssten zum Beispiel bestehende Mietverträge beachtet werden. Was das für Gießen heißen könnte, ließ Roberg offen. Fakt ist, dass weder das Gebäude in der Johannesstraße noch das in der Frankfurter Straße alle 100 Gießener Mitarbeiter der fusionierten Bank aufnehmen kann.
In einem Brief an ihre Kunden hat die Dresdner Bank bekräftigt, dass es bis zur kompletten Umstellung des Geschäftsbetriebs voraussichtlich bis Ende 2010 dauern wird. Ihre gewohnten Betreuer und Ansprechpartner sollen sie »zunächst« behalten, ihre Kontonummer und die Bankleitzahl sogar unbefristet, ergänzte Roberg gestern.
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