Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Tierschützer und Tiertrainer fordern Hundeführerschein

Artikel vom 29.07.2011 - 09.47 Uhr

Tierschützer und Tiertrainer fordern Hundeführerschein

Gießen (cg). »Die Einführung eines Hundeführerscheins ist längst überfällig«, sagt Hundetrainerin Astrid Paparone. »Ein Angel- oder Autoführerschein ist selbstverständlich, aber beim Sachkundenachweis für Hundehalter stößt man auf viel Unverständnis«, wundert sich auch Katja Kastl, die 2. Vorsitzende des Gießener Tierschutzvereins.

paparonehunde_290711_4c_1
Lupe - Artikelbild vergrössern
Hunde aller Größen und Rassen sind wunderbare Begleiter - aber nur, wenn sie niemanden belästigen oder gefährden. Damit die Zweibeiner besser verstehen, wie die Vierbeiner »ticken«, wünschen sich Astrid Paparone und Katja Kastl den Hundeführerschein. (Foto: pv)
Dabei liege es im Interesse aller Menschen in unserer Gesellschaft, dass Hunde so gehalten und geführt werden, dass sie weder als Belästigung noch als Gefahr empfunden werden. Astrid Paparone, die viel mit Tierheimhunden arbeitet, erlebt täglich, was menschliche Unwissenheit oder Ignoranz anrichten. Tierschützer, Verhaltensbiologen und Hundetrainer fordern seit Jahren eine gesetzlich geregelte Haltererlaubnis unabhängig von der Größe und Rasse des Hundes. In Niedersachsen hat man diese Forderung nun umgesetzt: Dort ist der Hundeführerschein seit dem 1. Juli Pflicht.

Die Landestierschutzbeauftragte Dr. Madeleine Martin erneuert in ihrem aktuellen Jahresbericht die Forderung nach einer Haltererlaubnis. Sie geht davon aus, dass mehr Sachkunde bei den Hundebesitzern zu weniger gefährlichen Zwischenfällen mit Hunden führen würde. Unerzogene Hunde würden zudem zu einer Belastung für Familie und Gesellschaft. Häufig würden Hunde, die aufgrund der Fehler des Menschen schwierig oder unkontrollierbar geworden sind, ins Tierheim gebracht. Da die »Schuld« beim Hund gesucht werde, schafften sich viele sofort erneut einen Vierbeiner an. Durch dieses Fehlverhalten, das wissen die Gießener Tierschützer nur zu gut, werden die Tierheime schnell gefüllt.

Neben dem Tierschutzaspekt spielt jedoch auch der Schutz der Gesellschaft eine große Rolle, verdeutlichen Kastl und Paparone. Belästigungen durch unerzogene Hunde, Hundekot in den Städten und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, gerissenes Wild durch jagende Hunde - all dies seien Probleme, die durch Unkenntis und Ignoranz entstünden. Fordere man eine theoretische und praktische Sachkunde, ginge vielen Hundehaltern ganz sicher »ein Licht auf«. »Mehr Kenntnisse bedeuten weniger Konflikte«, fasst Kastl zusammen. »Man sollte das nicht als Maßregelung und Gängelung, sondern als Hilfestellung für die künftigen Besitzer verstehen«, meint auch die Tierärztin und Hundetrainerin Angelika Stahl.

Im Interesse aller sei es auch, wenn sich der eine oder andere aufgrund dieser Mühen gegen die Anschaffung eines Hundes entscheiden würde. Dass es immer »schwarze Schafe« gebe, die sich allen gesetzlichen Regelungen entziehen, ist auch den Expertinnen klar, doch könne dies kein Hinderungsgrund sein. Zudem könne man selbst bei den »Verweigerern« davon ausgehen, dass sie versuchten, sich unauffällig zu verhalten, was ja auch schon ein Vorteil sei, gibt Angelika Stahl zu bedenken: »Wer ohne Führerschein unterwegs ist, fährt besonders vorsichtig.«

Wie viele Berufskollegen und Hundefreunde ist Angelika Stahl eine Befürworterin des »Wiesbadener Manifestes«, das im vergangenen Jahr vom Landestierschutzverband sowie namhaften Experten wie Günther Bloch und Dr. Udo Gansloßer entworfen wurde. Darin wird gefordert: 1. Die Einführung einer Halterschulung vor der Anschaffung eines Hundes unabhängig von der Rasse. 2. Die Sicherstellung ausreichender Freilaufmöglichkeiten für die tierschutzgerechte Haltung der Hunde. 3. Eine Pflicht zum Abschluss einer Tierhaftpflichtversicherung für alle Hunde. 4. Eine Identifikationsmöglichkeit durch Chip oder Tätowierung, um alle Tiere zurückverfolgen zu können.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 29.07.2011 - 09.47 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(04.08.2011 14:16)
Fiatpolski
Verleumdung
@ Kuste
Ich weiß ja nicht, wer Ihr Gehirn gewaschen hat, aber woher haben Sie diese abenteuerlichen und verleumderischen Behauptungen? Möchten Sie Frau Paparone die Qualifikation absprechen? Frau Paparone hat schon mehr (Problem)Hunde behandelt als Sie je besitzen werden. Und ich kann Sie beruhigen, Hundetrainer werden von ihrer Arbeit meistens nicht reich. Aber es ist ja immer schön einfach anonym im Internet mit Dreck auf andere zu werfen, nicht wahr?
(29.07.2011 12:55)
Avatar
Endlich bewegt sich was in Hes
Man muss schon lächeln bei dem Artikel, denn man fragt sich, wo waren die Damen (und Herren) des TSV Gießen im letzten Jahr als der Landestierschutzverband Hessen gemeinsam mit den Landtagsfraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen zum ?Hundepolitischen Abend? in den Hess. Landtag eingeladen hatten, wo an diesem Abend das Wiesbadener Manifest auf den Weg gebracht wurde.
Auch bei der Nachfolgeveranstaltung ?Halterkunde statt Rasseliste? im November 2010 war niemand vom Gießener Verein zu sehen. Da setzen sich in Hessen schon andere Vereine weit mehr dafür ein, dass eine Überarbeitung der Hundeverordnung angedacht und die unsägliche Rasseliste endlich in den Papierkorb entsorgt wird. Hier möchte ich ganz besonders auf den Verein Soka Run e.V. hinweisen ? der auch in diesem Jahr (April) wieder zu einer Demo für Hunde und Menschen und gegen Rasselisten eingeladen hatte. Von einer Gießener Beteiligung vor Ort war auch bei der Demo nichts zu spüren bzw. zu sehen.
Und zum Thema Hundeführerschein: Es sollte bundesweit ein ?Muss? sein, sich ein Minimum an Sachkunde (vor der Anschaffung eines Hundes) anzueignen sowie die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sowie der Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Wenn diese Punkte endlich kämen, gäbe es vielleicht weniger Hunde aber dafür glücklichere! Vorallem da Halter von Listenhunden eben diesen Sachkundenachweis auch erbringen müssen - warum dann nicht auch für "alle" Hundehalter?
Und in diesem Stadium der Findung den zuständigen Dezernenten zum Thema zu befragen oder gar die Bürgermeisterin ist ja wohl etwas zu übereilt! Was hätten sie denn auch antworten sollen, wahrscheinlich hatten sie sich bis dahin noch nie mit dem Thema beschäftigt?
Was ich auch schade finde, in den Zeitungen und den Medien konnte man nach einer ausführlichen Berichterstattung zu dem im April stattgefundenen Soka Run in Frankfurt gerade zu suchen! Wo war hier die Presse? Jetzt wo sich die Hess. Tierschutzbeauftragte öffentlich in einer Pressemitteilung äußert, sie vorher aber gar nicht groß in Erscheinung getreten ist, weil sie alleine in ihren eigenen Reihen nämlich nichts bewegt hat, da springt jeder auf dieses Thema auf. Komisch! Wer mehr Infos über den Verlauf der beiden Abende in Wiesbaden (Hundepolitischer Abend und Halterkunde statt Rasseliste) haben möchte, sollte mal auf der HP der Pet-Group (Kompetenz rund um den Hund) nachschauen. Hier kann man detailliert alles nachlesen. Wie gesagt: Endlich bewegt sich was in Hessen!
(29.07.2011 10:53)
marty_Gi
Das kann man ausweiten
Ich weiss, dafuer bekomme ich Schlaege von (fast) allen Seiten, aber wenn man argumentiert, dass man "täglich erlebt, was menschliche Unwissenheit oder Ignoranz anrichten" koennen, dann gilt dies mit Sicherheit nicht nur fuer Hundehalter.
Und beim "Hundefuehrerschein" geht es darum, diesen zu machen, bevor man sich einen Hund zulegt.
Kinder kann und darf man aber jederzeit bekommen, ohne vorher (!) die Befaehigung, sich angemessen um diese kuemmern zu koennen, nachgewiesen zu haben. Dabei finde ich das Leid, das einigen Kindern durch "Unwissenheit und Ignoranz" von ihren Eltern angetan wird, um einiges schlimmer und gesellschaftlich problematischer.
Nur fordern darf man dies ja leider nicht wirklich - wohl, weil es politisch nicht korrekt ist und Anklaenge an 1933-1945 aufkommen laesst. Dabei waere es ein wirksames Mittel in Gesellschafts-, Bildungs- und Sozialpolitik. (Und diesen "Fuehrerschein" koennte man auch schon in der Schule machen, als "Eintrittsschein" in die Volljaehrigkeit oder aehnliches)
(29.07.2011 10:17)
kuste
Erstmal
den Nachweis erbringen, dass man befähigt ist, eine Hundeschule zu leiten und andere Hundehalter ausbilden kann.
Auf die gestörte Wahrnehmung der Giessener Hundeausbilder kann die Menschheit gerne verzichten. Mir gehen die weltverbesserten Zombies aus den Hundeschulen fasst noch mehr auf den Nerv wie unerzogene Hunde.
Ist natürlich auch vollkommen uneigennützig was die (Hunde-)Gehirnwäscher von sich geben, weil die ja überhaupt nicht daran verdienen würden. Wie soll man das nennen? Provinzlobbyismus?
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang