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Tierschützer für Kastrationspflicht von Katzen

Artikel vom 05.05.2011 - 12.00 Uhr

Tierschützer für Kastrationspflicht von Katzen

Gießen (cg). Der Tierschutzverein spricht sich für eine Kastrationspflicht für Katzen aus. Hintergrund ist, dass der Bestand an ausgesetzten herrenlosen und verwildert lebenden Katzen in Stadt und Kreis Gießen steigt.

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Mit einer solchen Falle können verwilderte Katzen gefangen werden. Nach der Kastration setzt man sie wieder aus. (Foto: Geck)
Das habe erhebliche nachteilige Folgen, erklärten Tierschutzvereinsvorsitzende Hanna Maria Rethorn sowie Tierheim-Geschäftsführer Robert Neureuther. Die Zahl verletzter und kranker Katzen steige, es gebe mehr Infektionskrankheiten, es entstünden hygienische Probleme aufgrund der unerwünschten Hinterlassenschaften und letztlich sorge die enorme Populationsdichte für eine Dezimierung des Singvogel-Bestandes. Die Tierschützer wünschen sich, dass die heimischen Kommunen dem Beispiel von Bremen und Paderborn folgen, wo ordnungsbehördliche Verordnungen erlassen wurden. »Mit Appellen allein kommen wir nicht weiter«, ist Neureuther sicher.

Die Tierschützer wollen das Problem gemeinsam mit Kommunen und der Veterinärbehörde angehen. Geklärt werden müsse, welche Ausnahmen es geben solle (beispielsweise für Züchter), wie Kontrollen gestaltet werden müssten und wie man Katzenfreunde besser aufklären könne. Niemandem solle die Freude an der Tierhaltung verdorben werden, doch müsse diese mit Verantwortung einhergehen. »Einfach nur süß finden reicht nicht«, mahnt die TSV-Vorsitzende. Auch Landwirte müssten in die Pflicht genommen werden, die ihre Hofkatzen mit dem Argument, sie seien auf Katzennachwuchs angewiesen, oftmals sich selbst überließen und auf eine Kastration verzichteten.

Bisher fühlt sich der Tierschutzverein bei diesem Thema allein gelassen: Ob es um so genannte »Animal Hoarding«-Fälle in verwahrlosten Haushalten oder um die immer größer werdenden verwilderten Katzenbestände in Kleingartenanlagen gehe: Die Hilfe des Tierschutzvereins werde angefordert, aber niemand fühle sich für die entstehenden Kosten zuständig. Wo immer eine Tierhaltung aus dem Ruder laufe oder neue Bestände »angefüttert« würden, müsse frühzeitig reagiert werden. Rund 8000 Euro zahlt der Verein pro Jahr allein für die Kastration verwilderter Katzen. Und nur etwa zehn Prozent der Katzen, die als Fund- oder Abgabetiere ins Tierheim gebracht werden, sind kastriert, erklärt Neureuther. Den Tierschützern sei durchaus bewusst, dass eine behördliche Verordnung allein das Problem nicht lösen könne, erklärt Rethorn. Doch hofft der Vorstand, damit einen Prozess in Gang zu setzen: Mehr Katzenbesitzer müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Wer eine Katze halten wolle, müsse auch Sorge dafür tragen, dass er nicht zum Katzenelend beitrage. Katzen werden mit etwa fünf Monaten geschlechtsreif, sie können sich zweimal im Jahr vermehren, pro Wurf gibt es vier bis sechs Nachkommen. Rethorn: »Ein Bestand vergrößert sich schnell und wird unkontrollierbar«. Ebenso wichtig wie die Kastration sei die Kennzeichnung durch einen Mikrochip, denn nur dadurch könne die Kastration nachvollzogen und überprüft werden.

Wer in seinem Umfeld eine oder mehrere verwilderte Katze entdeckt, sollte sich an den Tierschutzverein wenden. Dort kann man Fallen ausleihen, mit deren Hilfe die Tiere gefangen und nach der Kastration wieder ausgesetzt werden können. Auf diese Weise ist es dem Tierschutzverein in den vergangenen Jahren gelungen, den Bestand an zahlreichen Futterstellen (auf verwaisten Firmengeländen oder im US-Depot) zu begrenzen. Dies ist einem kleinem Kreis ehrenamtlicher Mitarbeiter zu verdanken, die sich mit dieser Aufgabe viele Nächte um die Ohren geschlagen haben. Diese Helfer würden sich über Unterstützung sehr freuen.

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich ist gerne bereit, mit den Tierschützern über eine praktikable Lösung des Problems nachzudenken, erklärte sie auf Anfrage. Wenig sinnvoll sei es, eine Verordnung zu erlassen, die nicht umzusetzen sei. Hilfreich sei sicherlich, zu schauen, welche Erfahrungen man in Bremen und Paderborn mache.

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Artikel vom 05.05.2011 - 12.00 Uhr
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