Gießen (ta). Einbußen in Milliardenhöhe erleiden seriöse Hersteller weltweit durch die Markenpiraterie: Hochwertige Produkte werden vor allem in Billiglohnländern nachgeahmt und dann weit unter dem üblichen Verkaufswert angeboten. Ein kleiner Zipfel in diesem globalen Kriminalitätszweig ist nun auch in Gießen offenkundig geworden.
Geargwöhnt hatte das schon seit geraumer Zeit ein Gießener Juwelier. Der hatte wiederholt von Stammkundinnen erfahren, dass diese neue Stücke aus der Kollektion des namhaften Herstellers Thomas Sabo in besagtem Geschäft deutlich unter dem üblichen Verkaufspreis erworben hatten. Diese Damen hatten den Laden zu einem ganz anderen Zweck angesteuert und waren dabei von einem Mitinhaber im Gespräch auf die Schnäppchen aufmerksam gemacht worden.
Der erwähnte Juwelier schaltete deshalb das Haus Sabo ein, das großen Wert auf die Einhaltung der empfohlenen Verkaufspreise im Einzelhandel legt. Das Unternehmen aus dem Westfälischen schickte eine Außendienstlerin nach Gießen, die sich in dem in Verdacht geratenen Geschäft als Kundin ausgab. Weil sie Sabo-Schmuck trug, wurden ihr prompt neue Stücke aus der Kollektion ihres Arbeitgebers angeboten. Die Testkäuferin entschied sich für ein Teil und bekam sogar brav eine Quittung ausgestellt.
Die Untersuchung bei Sabo in Gronau ergab dann, dass es sich um eine geschickte Imitation handelte, wie sie nur Fachleute vom Originalschmuck unterscheiden können. So liefen bei Zollbehörden und Polizei die Ermittlungen an, die schließlich auch zu der Aufsehen erregenden Verhaftung führten. In der Wohnung des Geschäftsmannes wurden zugleich größere Mengen gefälschten Markenschmucks sichergestellt.
Noch keine näheren Informationen gibt es bisher darüber, wie der Verhaftete an die 140 000 Euro Falschgeld – die in der Innenverkleidung seines Autos versteckt war — gekommen war und was er mit den »Blüten« machen wollte. Gerüchteweise heißt es, der Gießener sei als erfolgreicher Spieler in hessischen Spielbanken bekannt. Außerdem soll er Mitinhaber von zwei Gießener Wettbüros sein. Als sicher gelten kann einstweilen nur, dass jemand in eine Bandenkriminalität verstrickt sein muss, um überhaupt an so viel Falschgeld heran zu kommen.
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