Gießen (mö). So kennt man das aus Katastrophenfilmen: Erst flackert das Oberlicht, dann kollabiert ein technisches System nach dem anderen.
Noch ein Manko, das allerdings nicht oft zutage tritt: Die Zuschauertribüne fasst keine 50 Zuhörer. Am Donnerstagabend wichen einige Besucher ins Plenum aus (rechts unten). (Foto: Schepp)
Auf dem Höhepunkt der Krise fallen dann meist Sätze, wie ihn Tom Hanks im Hollywood-Streifen »Apollo 13« sagte: »Houston, wir haben ein Problem.« Magistrat, wir haben nicht nur ein Problem, lautete am späten Donnerstagabend der Notruf der Gießener Stadtverordneten. Nach gut fünf Stunden Beratungen ereilte den Sitzungssaal im neuen Rathaus ein technischer k.o., den Gerhard Merz und Klaus Peter Möller, die Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU, in seltener Einmütigkeit feststellten. Daraufhin brach Stadtverordnetenvorsteher Dieter Gail (CDU) die Sitzung ab. Den gegen 23.15 Uhr noch anwesenden beiden Vertretern der Gießener Tageszeitungen rief der sichtlich genervte Parlamentschef zu: »Schreiben Sie ruhig, wie Sie das heute Abend hier empfunden haben. Sie haben meine volle Sympathie.«
Den Schlusspunkt einer denkwürdigen Sitzung bildete der komplette Ausfall der Mikrofonanlage. Zuvor hatte bereits ein Tischmikro nach dem anderen seinen Geist aufgegeben. Offenbar hatten sich die Akkus, mit den die Sprachverstärker betrieben werden, viel schneller entladen, als dies den ehrenamtlichen Politikern von der Verwaltung mitgeteilt worden war. Als schließlich auch noch das Mikro am Rednerpult streikte, ging nichts mehr. Gail hatte sich den gesamten Abend ohnehin schon mit einem Handmikrofon behelfen müssen.
Aber selbst, wenn die Mikrofonanlage funktioniert, kommt das von den Stadtverordneten oder den Magistratsmitgliedern Gesagte bei den Kollegen im Plenum oder auf der Zuschauertribüne nicht immer an. Das gilt vor allem dann, wenn - wie am Donnerstag - viele Zuhörer da sind und Nebengeräusche entstehen. Dabei wurde nach der ersten Sitzung im Juni in Sachen Akustik nachgebessert. Das Ergebnis indes konnte vorgestern Abend nicht überzeugen. Ein Teil des Problems sind allerdings die Volksvertreter selbst, die mit ihren Mikrofonen unterschiedlich gut zurechtkommen.
Für Erheiterung und Staunen bei den Zuschauern sorgte die Beleuchtung, die den Saal mal eben in ein kaltes, fast grelles Licht tauchte, um sich dann wieder abzudimmen. Das Deckenlicht, das bekanntlich in verschiedenen Farben leuchten kann - die Buswartehäuschen vom Marktplatz lassen grüßen -, weist außerdem Verschattungen auf, die nicht sein dürften. Wie die AZ am Rande der Beratungen erfuhr, soll der Fehler in den nächsten Wochen auf Kosten der Firma, die die Lichtorgel eingebaut hat, behoben werden. Die Stadt poche auf Erfüllung der Gewährleistungspflicht, hieß es. Ein Besucher fühlte sich an seine Jugendzeit und die Glastanzdiele in der Dorfdisco erinnert. »Die hat aber funktioniert«, spottete der Mann.
Als weiterer Schwachpunkt entpuppte sich die Klimaanlage, denn die Luft im Saal wurde mit zunehmender Dauer der Sitzung immer stickiger. Schließlich ließ Gail eine der großen Flügeltüren öffnen, was offenbar auch nur automatisch geht. Mit der frischen Luft drang freilich auch das Brummen der Stadtbusse von der Haltestelle Berliner Platz in den Parlamentssaal. Gail richtete noch während der öffentlichen Beratung die Forderung an den hauptamtlichen Magistrat, dass künftig ein Hausmeister anwesend zu sein habe. Es sei den Mitarbeitern seines Büros, die eigentlich das Protokoll zu führen hätten, nicht zuzumuten, auch noch nebenbei die gesamte Haustechnik zu steuern.
Als Glücksfall erweist sich dagegen der Umstand, dass im Plenum mehr Plätze vorhanden sind als die Stadtverordnetenversammlung Sitze hat (59). Da der 81-sitzige Kreistag die Möglichkeit haben soll, den Saal der Stadt mitzubenutzen, konnten sich vorgestern Abend dort jene Besucher niederlassen, die auf der völlig überfüllten Tribüne keinen Platz gefunden hatten. Die, die oben saßen, konnten immerhin das Beste genießen, das der neue Sitzungssaal zu bieten hat: eine fantastische Aussicht auf Berliner Platz und Stadttheater. Es sei denn, die Jalousien machen’s wieder mal wie in dem alten volkstümlichen Schlager: auf und nieder, immer wieder...
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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