Sturm aufs Rathaus: OB mit der Schubkarre ins Exil
Gießen-Helau (mö). Nicht einmal 100 Tage war sie im Amt, und jetzt ist schon alles vorbei. Mit einer Schubkarre und dann einer Sackkarre wurde Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Donnerstagnachmittag von ihrer Stellvertreterin, Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, ins Exil befördert.
Bis zum kommenden Mittwoch haben die Damen an der Spitze der Stadt nichts mehr zu melden. Seit gestern regieren Prinz Heiko I. und Prinzessin Christine I. die alte Provinzhauptstadt.
Gegen 14 Uhr tauchten am Horizont hinter dem Berliner Platz die Sturmtruppen der Gießener Fassenachtsvereinigung auf und näherten sich dem neuen Rathaus mit klingendem Spiel des Fanfarenzugs Zauberklang. An der Belagerung nahmen neben dem Artillerie-Korps, den Majoretten und den Möhnen auch die Männer des Elferrats und des Senats teil. Ihnen trat zunächst nur Stadtrat Egon Fritz als unerschrockener Festungskommandant entgegen. »Dieses Haus wird verteidigt mit Mann und Maus«, schleuderte Fritz den Angreifern entgegen, die sogleich mit einigen Schüssen aus der Konfettikanone antworteten. Danach legten die Möhnen zunächst ein Tänzchen aufs glatte Schneeparkett, ehe Werner Nohl, der die Belagerer gemeinsam mit GFV-Präsident Franz Koch anführte, den entscheidenden Befehl gab: »Wir stürmen den Laden jetzt.«
Großzügigerweise hatten sich die GFV-Truppen im Vorfeld auf ein Abrüstungsabkommen mit dem Magistrat eingelassen und verzichteten im Inneren des Gebäudes auf den Einsatz des von der Määnzer Konvention verbotenen Konfettis und die Luftschlangen. Grund: Die Schnipsel hätten durch die Schlitze in die Belüftungsanlage geraten und diese außer Gefecht setzen können. Nohl: »Da bauen die so en Kasten für 50 Millionen und habe kei Geld für paar klane Deckelchen.« OB Grabe-Bolz, da noch im Amt, verteidigte das Konfetti-Verbot: »Wir sind bunt genug.« Sogleich nahm Nohl der musikalischen Rathaus-Chefin das Versprechen ab, bei der Kinderfassenacht zu singen. »Nur mit Honorarvertrag«, lautete die Antwort, die Festungskommandant Fritz überhaupt nicht gefiel: »Das gibt’s nur bei de Wohnbau, aber net bei de Fassenacht.«
Dann mussten Grabe-Bolz und Weigel-Greilich aber ran, während sich Stadträtin Ursula Koltermann in der »Regenerationsgrotte des Magistrats« verwöhnen und die Kolleginnen kämpfen ließ. Die freilich hatten beim kombinierten Schubkarre-Sackkarre-Slalom mit anschließender Logo-Pflanzung keine Chance gegen das Prinzenpaar, das bekanntlich vier grüne Daumen hat. Unentscheiden stand’s dann nach einem Suchspiel, sodass das Applausometer die Entscheidung bringen musste. Da die Prinzens einige Dezibel vor den Politikerinnen lagen, blieb Grabe-Bolz nichts anderes übrig, als das Stadtsäckel und den goldenen Stadtschlüssel an die närrischen Regenten zu überreichen. Schwer fiel das der OB nicht. Im Säckel sei ohnehin nur »heiße Luft«. Prinz Heiko I. gab schließlich das Motto seiner Amtszeit bekannt, die sich an die »Grün-Wähler« und »Grün-Fühler« richtete, damit die Landesgartenschau im Jahr 2014 zu einem Erfolg werde.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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