Streit um Fußballplatz: OB holt Sportnutzer an einen Tisch
Gießen (mö). In ihrer Funktion als Sportdezernentin will Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz die Nutzer der Sportanlagen in der Wieseckaue an einen Tisch bringen. Dies kündigte die SPD-Politikerin am Dienstag in einer Erklärung an, nachdem sich die Debatte um die Zukunft der Spielvereinigung Blau-Weiß Gießen und den von den Fußballern genutzten Platz an der Ringallee am Wochenende zugespitzt hatte.
Zu dem Gespräch will Grabe-Bolz aber nicht nur die Blau-Weiß-Kicker, sondern auch den Roll- und Eissportclub sowie die Skater bitten. Denn auch deren Anlagen an der Eichgärtenallee und neben dem Neuen Teich stehen durch die Landesgartenschau 2014 zur Disposition.
»Die Ausrichtung der Landesgartenschau darf nicht dazu führen, dass wir nach 2014 weniger für unsere Bürgerinnen und Bürger zu bieten haben als zuvor,« kommentierte Grabe-Bolz die Diskussion um die künftige Nutzbarkeit der Wieseckaue für Sport und Freizeit. Aktuell rücke zu Recht die Sorge um die Zukunft des Blau-Weiß-Sportplatzes in den Mittelpunkt der Betrachtungen, allerdings dürfe man auch andere Nutzungskonflikte nicht vergessen. »Auch für die beliebte Skater-/Halfpipe-Anlage, die gerade wieder stärker genutzte Rollschuh- und Eislaufbahn, den Verkehrsübungsplatz sowie für alle offenen Freizeitanlagen für Fußball/Basketball und Tennis muss es Antworten auf die Frage ›Wie geht es weiter?‹ geben«, sagte die OB.
Die Wieseckaue sei ein wichtiges Naherholungs- und Freizeitgebiet für alle - vereinsgebundene wie vereinsungebundene - Gießenerinnen und Gießener. Die Akzeptanz der Landesgartenschau in der Bevölkerung bekomme man also nur dann, wenn dieser Wert »anerkannt, befriedigt und letztlich verbessert wird«. Es dürfe nicht geschehen, dass beliebte und attraktive Freizeitangebote langfristig verloren gingen, »weil wir ein lupenreines, prämiertes landschaftsplanerisches Konzept vorlegen wollen«. Bislang jedenfalls seien die Belange des Sports zu wenig berücksichtigt worden. Dafür sei es aber nicht zu spät. In Kürze werde sie daher die betroffenen Sportvereine - auch die an der Lahn ansässigen - zum gemeinsamen Gespräch mit den Fachplanern einladen. Dies sei den Vereinen auch so versprochen worden, erklärte Grabe-Bolz und fügte hinzu: »Das Ergebnis des Wettbewerbs zur Landesgartenschau ist nicht bindend. Es sind freie Ideensammlungen, die nun mit den städtischen Anforderungen abgeglichen und abgewogen werden müssen. So war das Verfahren gedacht und so wird es auch praktiziert. Für den Sport werde ich ein schweres Gewicht in diese Waage werfen«.
Nach dem Aufruf des TSV Kleinlinden an den »Gießener Sport«, sich mit der Spvgg. Blau-Weiß zu solidarisieren (die AZ berichtete), haben sich in die Debatte um den Sportplatz Ringallee am Dienstag auch der betroffene Verein selbst, die FDP-Stadtverordnetenfraktion und die heimischen Sozialdemokraten eingeschaltet. FDP-Fraktionschef Dr. Martin Preiß bringt als Lösung für Blau-Weiß nach der Gartenschau einen Neubau nahe der Theodor-Litt-Schule ins Gespräch. Dies hätte den Vorteil, dass die Sanitäranlagen der Sporthalle mitbenutzt werden könnten. Für eine Übergangszeit, während der der Sportplatz für die Landesgartenschau benötigt werde, biete sich der geplante Kunstrasenplatz neben der Miller Hall an. Den Kindern und Jugendlichen des Vereins sollte während dieser Zeit eine kostenlose Busnutzung gestattet werden, schlägt Preiß vor. Wichtig sei jetzt, in einer konstruktiven Diskussion insbesondere mit der Spielvereinigung Blau-Weiß Gießen eine gemeinsame Lösung »für alle Beteiligten« zu finden.
Nach den Worten von Grabe-Bolz ist die Variante eines Neubaus nahe der TLS nicht neu, sondern bereits in der Sportkommission im November letzten Jahres diskutiert worden. Sie stehe damit als eine von mehreren Denkmodellen, deren Vorteile und Nachteile betrachtet werden müssten, zur Verfügung.
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