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Stratego-Weltmeister Steffen Annies ist jetzt Gießener

Artikel vom 28.09.2010 - 12.00 Uhr

Stratego-Weltmeister Steffen Annies ist jetzt Gießener

Gießen (pd). Im Juli ist ein echter Weltmeister nach Gießen gezogen. Doch kaum einer hat Notiz davon genommen. Das mag daran liegen, dass die Zahl der Menschen, die sich in dem Spiel »Stratego« messen, im überschaubaren Rahmen hält. Bei »Stratego« handelt es sich um ein Brettspiel, dessen Spielidee irgendwo zwischen Schach und Memory angesiedelt ist.
Eine Mischung aus Schach und Memory: Steffen Annies war 2009 als erster Deutscher Weltmeister im Spiel »Stratego«.	(Foto: Schepp
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Eine Mischung aus Schach und Memory: Steffen Annies war 2009 als erster Deutscher Weltmeister im Spiel »Stratego«. (Foto: Schepp)
Steffen Annies, den es im Sommer von Schleswig-Holstein an die Lahn gezogen hat, ist der erste Deutsche, der in diesem Spiel Weltmeister geworden ist. 2009 hat er eine lange holländische Siegesserie durchbrochen. Bei den weiteren zwölf Titelkämpfen standen nämlich stets Niederländer ganz oben auf dem Treppchen.

»Ich kann mich ziemlich gut in die Strategie des Gegners hineinversetzen«, beschreibt der 21-Jährige, der im Sommer einen Ausbildungsplatz in Gießen angetreten hat, sein Erfolgsrezept. Begonnen hat für ihn die Liebe zu »Stratego« im hohen Norden. Steffen Annies stammt aus Breiholz bei Rendsburg. Der kleine Ort in Schleswig-Holstein gehört zu den Hochburgen des Brettspiels. Vater Dieter Annies ist seit vielen Jahren begeisterter »Stratego«-Spieler, so dass der Neu-Gießener das Spiel mit Generälen, Bomben und Spionen schon als Kind kennen gelernt hat. Damals hielt sich die Euphorie jedoch in Grenzen, weil die erwachsenen Mitspieler ihm deutlich die Grenzen aufzeigten.

Trotz früher Frustration ließ sich der junge Mann nicht abschrecken. Als 14-Jähriger bestritt er 2003 bei den Deutschen Meisterschaften in Köln sein erstes Turnier und wurde gleich Zweiter in der Juniorenklasse. In den folgenden Jahren gab es weitere Turnierteilnahmen, ehe ihm 2006 der erste große Wurf gelang: Annies wurde in Essen Deutscher Meister und wiederholte diesen Triumph auch im folgenden Jahr. Nach diesen Überraschungserfolgen galt er 2008 als Favorit - und wurde nur Zwölfter. Dafür sollte 2009 sein ganz großes Jahr werden. Im August wurde er Deutscher Meister, und im Oktober holte er sich beim Turnier in einem Gladbecker Wasserschloss den Weltmeistertitel. »Das war eine absolute Überraschung«, freut sich Steffen Annies noch heute, dass es ihm gelungen war, die holländische Dauerdominanz zu durchbrechen.

Zur »Stratego«-Weltklasse gehören nach Einschätzung des 21-Jährigen etwa 50 Spieler. Die meisten kommen aus den Niederlanden und Deutschland. Auch in Belgien und der Ukraine genießt das Brettspiel eine gewisse Popularität, einzelne Spitzenspieler sind in Tschechien, England, den USA, Japan und der Türkei zu Hause. Der Neu-Gießener gehört als Sechster der Weltrangliste zur internationalen »Stratego«-Spitze. Selbst als Weltklassespieler kann man aber nicht reich werden. Der Sieger erhält einen Pokal und einen Sachpreis - oft eine neues »Stratego«-Spiel. Reise- und Übernachtungskosten muss man dagegen selbst tragen. So hat die WM-Teilnahme in der Ukraine im Jahr 2008 ihn etwa 600 Euro gekostet.

Bereut hat er es aber nie, sich für dieses Hobby entschieden zu haben. Man kennt sich in der »Stratego«-Familie, die Stimmung bei Turnieren ist familiär und entspannt.

Beim Spiel selbst geht es darum, die Spielfigur mit der Fahne des Gegners zu erobern und seine eigene Fahne entsprechend zu schützen. Dafür stehen Figuren vom Marschall und General über weitere militärische Dienstgrade bis zum Bombenentschärfer zur Verfügung. Ein Spiel dauert 30 bis 40 Minuten; da eine Uhr im Spiel ist, können Akteure auch in Zeitnot geraten. Ist ein Spiel nach 50 Minuten nicht beendet, wird es unentschieden gewertet. Während Steffen Annies früher bis zu zehn Spiele am Tag zu Trainingszwecken absolviert hat, ist sein Engagement heute wesentlich geringer geworden. Mangels Trainingspartner findet er Spielkollegen derzeit meist über www.gravon.de im Internet.

Ziel des 21-Jährigen ist es, auch in Gießen ein paar Menschen für »Stratego« zu begeistern. »Am Brett zu spielen ist einfach schöner«, findet Annies. »Man sieht sich, kann miteinander sprechen und merkt, wie der andere auf einen Zug reagiert.« Der Ex-Weltmeister (bei der diesjährigen WM in Maastricht hat es nur zu Rang 17 gereicht) möchte gern einen festen Stammtisch in Gießen einrichten und sucht Mitspieler, die sich regelmäßig zum »Stratego«-Spiel treffen wollen. Interessenten können sich per E-Mail bei ihm melden: dc_annies@web.de.

Sollte er auf der Suche nach weiteren Mitspielern fündig werden, hat Steffen Annies bereits ein festes Ziel vor Augen: Am 5. Februar 2011 möchte er das erste Stratego-Turnier in Gießen ausrichten.

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Artikel vom 28.09.2010 - 12.00 Uhr
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