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Strafverfahren eingestellt: Hundebisse ohne Kommando

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Artikel vom 24.07.2014 - 20.14 Uhr

Strafverfahren eingestellt: Hundebisse ohne Kommando

Gießen (sha). Die Anklageschrift klang gruselig: Ein 52-jähriger Hauseigentümer soll seinen Hund – einen Mischling mit immerhin 55 Zentimetern Schulterhöhe – auf einen seiner drei Mieter gehetzt haben. Das Tier biss zu – insgesamt zehnmal.

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© Red
Das Opfer, ein 49-jähriger Mann, musste mit Verletzungen an Armen und Beinen ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem soll der psychisch kranke Mann diesen Mieter zuvor bereits mit einer Mistgabel bedroht haben. Das Verfahren gegen den Angeklagten, wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung, wurde am Donnerstag jedoch eingestellt. Nach gut fünfstündiger Verhandlung am Gießener Amtsgericht und intensiver Zeugenbefragung stellte sich heraus: Die Vorwürfe gegen den Mann waren nicht haltbar, fußten vielmehr auf einem Missverhältnis zwischen ihm und seinen Mietern.

Als sich der Angeklagte und die Zeugen vor Gericht gegenübertraten, wohnte von ihnen keiner mehr in dem Haus in Kleinlinden. Der frühere Eigentümer hat das Gebäude verkauft und lebt in einer Kreiskommune. Das war im Sommer 2013 noch anders: Damals lebte der Angeklagte in dem Wohngebiet am Waldrand. Aufgrund einer paranoiden Schizophrenie war er nicht berufstätig.

Geldnot und Alkohol

Um die Immobilie trotzdem unterhalten zu können, zog er in den Keller und vermietete die übrigen Etagen an zwei andere Männer. Ein dritter Mieter – der 49-Jährige – stellte seinen Wohnwagen im Garten auf.

Alle Zeugen berichteten, dass es immer wieder Konflikte mit dem Vermieter gegeben habe, der viel Alkohol getrunken und krankheitsbedingt »wirres Zeug« geredet habe. Auch ehemalige Nachbarn schilderten, dass auf dem Grundstück »täglich etwas los« war, die Polizei regelmäßig vorbeikam. Trotzdem lebten die Männer weiter zusammen. Der schlichte Grund: Geldnot. Der Angeklagte gab an, auf die Mieteinnahmen angewiesen gewesen zu sein, den Mietern fehlten die finanziellen Mittel, um sich andere Wohnungen leisten zu können.

Der Vorwurf, der 52-Jährige habe nach einem Streit seinen Hund auf den 49-Jährigen gehetzt, erhärtete sich jedoch nicht. Der Vermieter habe nach einer Rangelei mit dem Opfer um ein Päckchen Tabak auf dem Boden gelegen, sagte ein Zeuge. Daher habe der im Garten freilaufende Hund den 49-Jährigen attackiert, »um sein Herrchen zu schützen«. Ein Kommando zum Angriff habe es »definitiv nicht gegeben«. Die angebliche Drohung des Mannes »Ich bring’ dich um« wollte am Donnerstag keiner mehr gehört haben. Und auch der 49-Jährige räumte ein, die Mistgabel in der Hand des Vermieters »nicht ernst genommen« zu haben. Als Auflage für die vorläufige Verfahrenseinstellung muss der Angeklagte 200 Euro an ein Tierheim zahlen.

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Artikel vom 24.07.2014 - 20.14 Uhr
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