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Stolperstein-Buch zieht keinen Schlussstrich

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Artikel vom 21.06.2012 - 11.45 Uhr

Stolperstein-Buch zieht keinen Schlussstrich

Gießen (mö). Es hat 112 Seiten, viel Inhalt und ist sehr schön gestaltet: Gut vier Jahre nach der Verlegung der ersten Stolpersteine in Gießen hat die hiesige Initiativgruppe in Buchform jetzt eine umfassende Dokumentation ihrer Arbeit vorgelegt und ein Stück Stadtgeschichte über die Verfolgung der Gießener Juden während der Nazizeit geschrieben.

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Sie präsentierten das Stolperstein-Buch: Sitzend die Herausgeberinnen (v.l.) Christel Buseck, Monika Graulich, Ursula Schroeter und Dagmar Klein. Stehend Stadtarchivar Ludwig Brake, OB Dietlind Grabe-Bolz und Herausgeber Klaus Weißgerber. (Fotos: Schepp)
Damit hätten die Herausgeber und Autoren auch ein »Erinnerungsgebot« befolgt, zitierte Oberbürgemeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Mittwoch bei der Buchvorstellung aus einem Gastbeitrag des Zeitgeschichtlers Prof. Dirk van Laak von der Justus-Liebig-Universität.

Gemeinsam mit der OB und Stadtarchivar Dr. Ludwig Brake hatten die Herausgeber Christel Buseck, Monika Graulich, Dagmar Klein, Ursula Schroeter und Klaus Weißgerber ins Rathaus geladen, um den von Harald Schätzlein gestalteten schwarzen Band zu präsentieren. Eigentlich sollte es eine Broschüre werden, nun sei bei dem Projekt ein »veritables Buch« herausgekommen, freute sich Weißgerber über das in der Tat ansehnliche Ergebnis.

Mit dem Buch werde kein Schlussstrich unter die Gießener Stolpersteine gezogen, sagte Weißgerber. Die Verlegungen mit dem Urheber, dem Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig, sollen ab Ende 2013 im Zwei-Jahres-Rythmus weitergehen, kündigte die Gruppe an, die sämtliche Biografien selbst recherchiert. Mit dem Erlös des Buchverkaufs, das für 7,50 Euro im Kirchenladen am Kirchenplatz, bei der Tourist-Information an der Kongresshalle, im Stadtbüro, im Stadtarchiv und der Alpha-Buchhandlung in der Schulstraße erworben werden kann, sollen die weiteren Verlegungen finanziert werden. Vom Patenschaftsmodell hat sich die seit 2006 bestehende Initiativgruppe mittlerweile verabschiedet.

Durch weitere Verlegungen – bislang gibt es im Stadtgebiet 95 Steine für 92 Opfer der Nazi-Verfolgung – wird das Buch keineswegs überholt sein. Bis auf den statistischen Anhang und die Übersichtskarte der bisherigen Verlegungen stellt die Dokumentation auf 40 Seiten 14 exemplarische Lebensläufe von Opfern der Nazi-Barbarei, darunter auch solche, die unter die Euthanasie fielen. Lokal- und gesamthistorisch eingebettet wird dieses Kernstück der Dokumentation durch Beiträge der Herausgeber, darunter auch einer über die Arbeitsweise von Gunter Demnig. Hinzu kommen der Beitrag des JLU-Historikers van Laak sowie Grußworte von OB Grabe-Bolz und des bekannten Frankfurter Wissenschaftlers Micha Brumlik.

Der Dank der Gruppe galt auch den Sponsoren, die die Buchveröffentlichungen erst möglich gemacht hätten. Neben Vereinen, Stiftungen und Gießener Firmen steuerte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier einen größeren Einzelbeitrag zur Finanzierung bei.

 

Jahrestag der Deportation naht

 

Wie bei der Buchpräsentation bestätigt wurde, sind um den kommenden 16. September herum einige Veranstaltungen von diversen Organisationen geplant. An diesem Datum jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem die Juden aus Gießen und Umgebung nach Darmstadt in ein Sammellager gebracht wurden. Diesem Transport folgten kurze Zeit später die ersten Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten.

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Artikel vom 21.06.2012 - 11.45 Uhr
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