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Stickstoffdioxid-Belastung: Auch Gießen hält Grenzwert nicht ein

Artikel vom 11.01.2010 - 23.30 Uhr

Stickstoffdioxid-Belastung: Auch Gießen hält Grenzwert nicht ein

Gießen (mö). Seit dem 1. Januar gelten in der Europäischen Union neue Grenzwerte für die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2), doch eingehalten werden sie so gut wie in keiner größeren Stadt. Das gilt auch für Gießen, wo die Belastung seit Jahren über dem nunmehr gültigen Jahresmittel-Grenzwert von 40 Milligramm pro Kubikmeter Luft liegt.
Mitten im Gießener Verkehrsgeschehen steht die Luftmessstation (links) an der Westanlage, die unter anderem die Belastung mit Fe
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Mitten im Gießener Verkehrsgeschehen steht die Luftmessstation (links) an der Westanlage, die unter anderem die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid misst. (Foto: Schepp)
Der Statistik des Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) ist zu entnehmen, dass in Gießen im vergangenen Jahr zum Beispiel sämtliche Monatsmittelwerte teilweise deutlich über dem Grenzwert für den Schadstoff NO2 lagen, der Atemwegserkrankungen begünstigt. Dagegen bewegten sich die Grenzwert-Überschreitungen beim Feinstaub 2009 erneut im Rahmen des Zulässigen. Nur an 22 Tagen war die Belastung zu hoch, aber erst ab 35 Tagen müssen Städte spezielle Schutzmaßnahmen ergreifen.

Was die NO2-Belastung betrifft, hatte das hessische Umweltministerium bereits im vergangenen Jahr eingeräumt, dass der neue EU-Grenzwert nicht nur in den Großstädten, sondern auch in Marburg, Gießen und Fulda nicht eingehalten werden kann und bei der EU eine Verschiebung des Stichtags auf 2015 beantragt, da bis dahin die weitere Umrüstung der nationalen Pkw-Flotte vollzogen sei. Eine Entscheidung, die bei den Grünen im Landtag und Umweltverbänden auf Kritik stieß. So forderte der Verkehrsclub Deutschland (VCD) von besagten Städten Konzepte zur Luftreinhaltung.

Hauptproduzent von Stickstoffdioxid ist der Straßenverkehr mit einem Anteil von 60 Prozent, wobei die Belastung durch die Autos zuletzt sogar gestiegen ist. Grund sind laut Umweltministerium die Rußpartikelfilter, die die Feinstaubbelastung zwar senken, aber gleichzeitig für einen höheren Ausstoß von NO2 sorgen. Die Autoindustrie sei daher dabei, Motoren zu entwickeln, in denen durch die Eindüsung von Harnstoff NO2 chemisch reduziert wird; eine Technologie, die übrigens in dem Restmüll-Verbrennungsofen der Stadtwerke am Leihgesterner Weg eingesetzt wird, um im Rahmen der Rauchgasreinigung die Belastung mit Stickoxiden zu minimieren.

Dass auch in Gießen die NO2-Werte in den letzten Jahren gestiegen sind, obwohl zum Beispiel die Stadwerke ihre Busflotte schrittweise auf Erdgasfahrzeuge umrüsten, zeigt der Blick in die Statistik des HLUG. 2001 lag der NO2-Jahresmittelwert noch bei 39 Milligramm pro Kubikmeter Luft, 2002 bei 41, 2003 bei 42. In diesen Jahren wurden Luftschadstoffe noch in der Messtation am Oswaldsgarten erfasst. Im Jahr 2006 - seitdem steht die Station in der Westanlage - lag der Wert bereits bei 49, 2007 sogar bei 52 und im Folgejahr wieder bei 47,5.

Seit 2007 weiß man auch, wo genau in Gießen die Belastung am höchsten ist. Damals war die NO2-Konzentration im Zusammenhang mit der Aufstellung des »Luftreinhalteplans Lahn-Dill« für 21 sogenannte Aufpunkte im Stadtgebiet ermittelt worden. Überall lag die Belastung über 40 Milligramm. Am günstigsten stellte sich die Situation noch an der Sudetenlandstraße mit 42 dar, der höchste Wert war mit 55 für den Bereich Neuen Bäue/Schulstraße ermittelt worden.



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Artikel vom 11.01.2010 - 23.30 Uhr
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Leserkommentare
(12.01.2010 22:56)
Leser
Und nun?
Ein interessanter Artikel. Fragt sich nur, warum diese Zahlen dem Leser präsentiert werden, ohne dass die Verantwortlichen Politiker gefragt werden, was sie dagegen tun wollen und warum sie dagegen seit Jahren nichts gemacht haben. Allein der Verweis auf die Fortschritte der Autoentwickler hilft wenig, denn hier werden seit Jahren GrenzwerteÜBERschritten und die Stadtpolitik sieht tatenlos zu oder macht Alibi-Maßnahmen. Leider begreift man in gießen nicht, dass eine Stadt, in der Menschen auch gesund leben wollen, nicht beliebig viel Autoverkehr verträgt. Warum sonst werden Bürger und Unternehmen durch eine Stellplatzsatzung gezwungen immer mehr Parkplätze zu schaffen ohne dass in gleichem Maße Parkplätze im öffentlichen Raum reduziert werden?
Warum wird der Parkraum in der Innenstadt massiv subventioniert? Warum muss man am Platz der Deutschen Einheit als Fußgänger innerhalb einer Kreuzung eine "rote Welle" mit drei Stops hinnehmen, während die PKW dauergrün haben? Und warum wird nichts gegen illegale Fußwegparker getan?
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