Artikel vom
11.03.2010 - 22.40 Uhr
Stadt will besseres »Sportstätten-Management«
Gießen (kw). Die Stadt strebt ein »verbessertes Sportstätten-Management« an, um Fußballplätze und Hallen sinnvoller auszulasten. Das sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Mittwochabend bei der Sitzung des Sozialausschusses.
Anlass war die Debatte über den Sportplatz in Rödgen, dessen Sanierung sämtliche Fraktionen als notwendig bezeichneten. Ebenso drückten alle ihre Hoffnung auf eine gute Lösung im Konflikt zwischen Blau-Weiß Gießen und den Landesgartenschau-Plänen aus. Ob auch der geplante Kunstrasenplatz neben der Miller Hall nötig ist, wurde dagegen unterschiedlich beurteilt. Ein weiteres Thema im Ausschuss war das Verbot, Mülleimer zu durchsuchen.
Nicht nur in den aktuellen Fällen habe der neue Sportamtsleiter Tobias Erben immer wieder, etwa bei ungünstigem Wetter, mit »Platzproblemen« der Vereine zu tun, sagte Grabe-Bolz. Mit jährlichen Umfragen - die erste gab es im vergangenen Jahr - versuche er, Engpässe einerseits und ungenutzte mögliche Trainingszeiten andererseits besser aufeinander abzustimmen. Wenn Mannschaften die Plätze anderer Vereine nutzen und dafür Gebühren zahlen müssen, erhielten sie von der Stadt finanzielle Untersützung, so die OB als Sportdezernentin. Das Ausweichen auf städtische Plätze sei aber kostenfrei.
Unklar blieb, ob Blau-Weiß Rödgen tatsächlich - und wenn ja, ob zu Recht - für die Nutzung des Schwarz-Weiß-Platzes an der Lahnstraße bezahlt hat. Die Fläche gehöre der Stadt, und ein Verein bekomme sie immer kostenlos zur Verfügung gestellt, sagte der Ausschussvorsitzende Dr. Klaus Dieter Greilich (FDP), Vorsitzender des TSV Klein-Linden. Die Freien Wähler hatten in ihrem Antrag zum TSV Blau-Weiß Rödgen erklärt, der Verein müsse für das Training an der Lahnstraße eine Pauschale entrichten.
Im Kern ging es im Antrag freilich um den maroden Rödgener Platz: Die Stadt solle die Bespielbarkeit sichern und gegebenenfalls für Ausweichmöglichkeiten sorgen. Das befürwortete der Ausschuss geschlossen. Grabe-Bolz bekräftigte, dass die Sanierung vorgesehen sei: 80 000 Euro sind für im Haushalt 2010 für die Planung einkalkuliert, für 2011 seien 352 000 Euro für die eigentliche Erneuerung in Form einer Verpflichtungsermächtigung eingeplant. Der Wunsch des Vereins sei »sehr berechtigt«. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) appellierte dafür, die Experten ihres Gartenamts frühzeitig einzubeziehen. Wegen der Feuchtigkeitsprobleme am Hang müsse man möglicherweise einen Alternativort suchen.
Wie tags zuvor im Bauausschuss stimmten die Fraktionen bei den beiden vorliegenden Anträgen zum Blau-Weiß-Platz an der Ringallee ab. Der Appell der Koalition, Standorte in der Nordstadt zu prüfen, fand einhellige Zustimmung. Der Bürgerliste-Antrag, die jetzige Sportplatzfläche von der Landesgartenschau auszunehmen, lehnte die CDU/Grüne/FDP-Mehrheit ab; SPD und Linke enthielten sich. Grabe-Bolz sagte, sie sei »guter Hoffnung« auf eine einvernehmliche Lösung »ohne Verlierer«. Die Bürgerliste hatte außerdem vorgeschlagen, das für den Platz an der Miller Hall vorgesehen Geld für Blau-Weiß auszugeben. Der Kunstrasenplatz an der Grünberger Straße sei »dringend nötig«, sagte Johannes Zippel (Freie Wähler) dazu. Daran meldete Michael Beltz (Linke) Zweifel an. Greilich meinte, die Umlenkung der Finanzen sei ohnehin nicht mehr möglich: »Der Zug ist abgefahren.«
Ordnungswidrig handele, wer vorsätzlich Abfallbehälter »durchsucht oder verstreut«, heißt es bisher in der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Gießen. Die Linke hatte beantragt, das Wort »durchsucht« zu streichen. Schließlich holten »verarmte« Bürger mitunter Pfandflaschen oder sogar Essen aus dem Müll, sagte Beltz. Die Koalition mochte dem so nicht zustimmen, beantragte aber in Person von Klaus-Dieter Grothe (Grüne) faktisch das Gleiche: Künftig soll es heißen, dass der Müll nicht »durchsucht und verstreut« werden darf. Dem stimmten alle zu. Das bloße Durchwühlen wird also erlaubt. Schon bisher sei allerdings kein Fall bekannt geworden, in dem Pfandflaschen-Sammler zur Kasse gebeten wurden, sagte Inge Bietz (SPD).