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Stadt gegen »Downhill«-Piste am Schiffenberg

Artikel vom 05.11.2011 - 10.00 Uhr

Stadt gegen »Downhill«-Piste am Schiffenberg

Gießen (nil). Der Schiffenberg hat einen hervorragenden Ruf bekommen, jedenfalls für eine besondere Spezies Radfahrer. Downhill-Mountainbiker haben die steilen Hänge rings um das Kloster für ihren Sport entdeckt. Abseits der Wege fahren sie über Stock und Stein zu Tal, dies auf einer selbstgebauten Piste mit Steilkurven und Sprungschanzen.

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Wie eine Bob- und Rodelbahn wirkt diese Downhill-Piste, die vom Kloster bergab zum Forstgartenweg führt. Bei dem Selbstbau wurden Baumstämme zur Befestigung der Steilkurven eingebaut. (Fotos: mö)
Das ist ein Problem, findet die Stadt. Neben der Umweltzerstörung stehen auch haftungsrechtliche Fragen im Raum. Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) hatte zur Gesprächsrunde auf dem Schiffenberg eingeladen.

Offenbar wurde Weigel-Greilich am Donnerstag selbst von der großen Resonanz überrascht. Vor Beginn mussten Helfer jede Menge Stühle in den Raum tragen. Viele junge, fast ausschließlich männliche Biker waren gekommen. Weigel-Greilich versprach ihnen: »Wir wollen gegen das Mountainbiken am Schiffenberg nicht gleich ordnungspolitisch vorgehen. Wir suchen lieber erst mal das Gespräch.« Zumindest einige der Freizeitsportler misstrauten ihr aber wohl in diesem Punkt. Die Stimmung im Raum war zunächst nicht gerade kooperativ.

Stadtförster Ernst-Ludwig Kriep zeigte in seinem Vortrag, dass durch das »wilde« Mountainbiken der Waldboden stark verdichtet werde. Die Folge: Wasser kann nicht mehr einsickern und fließt bergab, Bäume gehen ein. Augenblicklich regte sich Widerspruch: Forstmaschinen zerstörten den Boden doch viel stärker. Aber da konnte Kriep kontern: Ein Radler samt seinem Drahtesel übe auf den Quadratzentimeter Waldboden fast genauso viel Druck aus wie ein 18-Tonnen-Radlader. Außerdem führen diese Maschinen nur außerhalb der Vegetationszeiten sowie der Brut- und Setzzeiten der Tiere durch den Wald. Das Radfahren abseits der Wege, so Kriep, sei nun mal ein Eingriff in die Natur und verstoße gleich gegen mehrere Paragrafen des Bundesnaturschutzgesetzes.

Die Soziologin Frauke Emmenthal als Moderatorin ließ nun die Besucher zu Wort kommen. Bevor sich diese in Arbeitsgruppen mit Teilproblem befassten, erklärten sie zunächst einmal, welche Gruppen es in ihrer Szene gibt und welche Bedürfnisse die haben. Große Unterschiede traten zutage: In der »Downhill«-Disziplin braucht es schon ein Gefälle von rund zehn Prozent und ein paar Rampen auf der Strecke, während die »Dirt-Biker« im Prinzip schon mit einer schlammigen Wiese zufrieden sind.

Es wurde viel gefachsimpelt, und allmählich löste sich die Spannung. Nun zeigte sich, dass die Freizeitsportler doch froh waren über das Gesprächsangebot: »Fordern können wir nichts, das wissen wir«, meinte einer zu Weigel-Greilich, gab ihr aber auch zu bedenken: »Jede Alternative müsste besser sein als der Schiffenberg, denn sonst nehmen die Leute die nicht an und fahren dann halt weiter illegal hier den Wald runter.«

Offizielle Erlaubnis rechtlich schwierig

Eine Strecke auf einer der vielen Konversionsflächen, die seit dem Abzug des US-Militärs brachliegen, konnten sich zum Beispiel viele im Saal gut vorstellen. Die bestehende Strecke auf dem Schiffenberg dagegen einfach zu einem festen Weg erklären und damit das Radfahren dort zu legalisieren, das gehe nicht, mussten die Besucher erfahren. Denn würde die Stadt das Treiben dort tolerieren, müsste sie auch bei Unfällen versicherungstechnisch geradestehen. Und die soll es ja häufiger geben bei dieser Sportart. Gäbe es einen Verein als Träger, wäre die Stadt das Problem der Haftung los. Die »Dirt-Biker« etwa haben schon einen eigenen Verband. Auch der Deutsche Alpenverein wäre als organisatorischer Überbau denkbar.

Wo sich die »Downhiller« künftig ihren Adrenalinschub abholen können, blieb offen. Eine abschließende Lösung war aber auch gar nicht geplant für dieses Abend.

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Artikel vom 05.11.2011 - 10.00 Uhr
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