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Spielsüchtige Frau erhält zwei Jahre auf Bewährung

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Artikel vom 30.05.2014 - 09.35 Uhr

Spielsüchtige Frau erhält zwei Jahre auf Bewährung

Gießen (juw). Eine »pathologische Spielsucht« attestierte der Gutachter einer 36-jährigen Frau. Mit erfundenen wie dramatischen Geschichten hatte die jetzt Angeklagte ihre ehemalige Grundschullehrerin in den Jahren 2008 und 2009 um insgesamt 70 000 Euro erleichtert und das Geld im Casino verspielt.

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© dpa
Gegen das Urteil des Amtsgerichts zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren hatte die Frau Berufung eingelegt (die GAZ berichtete). Eine Berufungskammer des Landgerichts verurteilte die geständige Betrügerin nun zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Berücksichtigt wurde dabei ein Urteil des Landgerichts Trier, das die Frau 2011 wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt hatte, nachdem sie von einem Pfarrer an der Mosel eine ähnliche Summe erschwindelt hatte. Dabei hatte sie zunächst einen Autounfall vorgetäuscht und sich 380 Euro als Ersthilfe erbeten, die der Mann ihr in bar ausgehändigt hatte. Später hatte sie den Geistlichen wiederholt angerufen, wobei sie sich mal als Sozialarbeiterin, mal als Bankangestellte ausgab. So hatte sie den Mann zur Überweisung immer neuer Summen überredet, jeweils zwischen 700 und 7000 Euro.

Als »eine begnadete Lügnerin, eine Erfinderin von Geschichten, wie sie sich kein Romanschriftsteller besser ausdenken könne« beschrieb Marquetand die geständige Angeklagte in seinem einstündigen Gutachten. Die Spielsucht habe ihr Leben bestimmt, nur dort habe sie »Glück und einen Lebenssinn« erfahren. Das »hartnäckig Irrationale« einer Spielsüchtigen, die sogar im Pyjama nachts ins Spielcasino gefahren sei, lasse sich für den Normalbürger kaum nachvollziehen. Aufgrund der »raffinierten und sehr komplexen Betrugstaten« habe eine Bewusstseinsstörung nicht vorgelegen, eine verminderte Schuldfähigkeit sei jedoch nicht auszuschließen. Eine Haftstrafe und die Trennung von ihren Kindern würde sich »miserabel« auf den Allgemeinzustand der 36-Jährigen auswirken, die in der Versorgung ihrer Familie eine neue Lebensaufgabe gefunden habe, so die Einschätzung des Gutachters.

Als »zwingend notwendig« hingegen sah Staatsanwalt Christian Matejko eine Freiheitsstrafe angesichts der »erheblichen Energie«, mit der die Frau die Taten durchgeführt habe, noch dazu unter laufender Bewährung. Außerdem sei eine Schadenswiedergutmachung seitens der Arbeitslosen bisher nicht erfolgt und sei auch nicht zu erwarten.

Mit der Aussetzung der Strafe zur Bewährung folgte das Gericht der Verteidigung, die auf die Leichtgläubigkeit der Opfer und auf den positiven Lebenswandel der Angeklagten aufmerksam gemacht hatte. Vorsitzender Richter Peter Neidel betonte, dass die Frau in den letzten Jahren nicht mehr straffällig geworden sei und ihre Spielsucht durch eine Therapie in den Griff bekommen habe. Das Gericht ordnete an, dass die Frau die Therapie fortzusetzen und ihren Hauptschulabschluss nachzuholen habe.

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Artikel vom 30.05.2014 - 09.35 Uhr
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