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Sogar durch die Kirche dudelt es gelegentlich

Artikel vom 11.11.2009 - 22.15 Uhr

Sogar durch die Kirche dudelt es gelegentlich

Gießen (kw). Handys gehören für viele längst zum Alltag - auch an manchen Stellen, an denen sie vor allem störend wirken. Immer wieder gebe es Menschen, die wenig rücksichtsvoll mit ihrem Gerät umgehen oder das Abschalten vergessen, erfuhr die AZ bei einer kleinen Umfrage.
Bitte ausschalten! In den Stadtbussen kommen nicht alle Fahrgäste dieser Bitte nach. Im Theater, Kino oder Gottesdienst klingeln
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Bitte ausschalten! In den Stadtbussen kommen nicht alle Fahrgäste dieser Bitte nach. Im Theater, Kino oder Gottesdienst klingeln Mobiltelefone nur in Ausnahmefällen. (Foto: Schepp)
Eine Frau schildert ihre gestrige Verabredung so laut, dass der halbe Bahnwaggon mithören kann. Mitten im Konzert ist plötzlich das Vibrieren eines vermeintlich stumm geschalteten Telefons zu hören. Das feine Abendessen wird begleitet vom rhythmischen Piepsen, das der Restaurant-Gast nebenan beim SMS-Tippen verursacht. Sogar mitten im Gottesdienst in der Kirche dudelt es gelegentlich.

Anlass zum Nachfragen gibt die neue Benutzungsordnung der Stadtbibliothek. Darin ist erstmals auch das Telefonieren mit dem Handy ausdrücklich verboten worden. Dies habe man mit aufgenommen, da sowieso einige Änderungen anstanden (die AZ berichtete), stellt Bibliotheksleiter Guido Krell klar. »Für uns ist das kein großes Problem.« Wenn sich ein Besucher durchs Telefonieren gestört fühlt, spreche er ihn in der Regel direkt an. Die Mitarbeiter müssten kaum je eingreifen. Im Übrigen seien es keineswegs immer Jüngere, die bei anderen anecken. »Es gibt auch Ältere, die etwas schlechter hören und deshalb besonders laut sprechen.«

»Selbst dem geübtesten Theatergänger kann es passieren, dass er das Ausschalten vergisst«, weiß Cathérine Miville, Intendantin des Stadttheaters. Auf der Übertitelungs-Anlage erscheint deshalb vor jeder Vorstellung eine Bitte zur Erinnerung. »Trotzdem klingelt es mit schöner Regelmäßigkeit immer einmal wieder.« Andere Theater ließen kurz vor Beginn des Stücks ein Telefon-Dudeln über Lautsprecher erklingen, »dann fasst jeder erschrocken in die Tasche«, erzählt Miville. Nicht jedem sei bewusst, dass auch ein blinkendes Gerät oder das SMS-Lesen andere stören kann. »Man kann das Wissen darüber, wie man sich in einer Theatervorstellung verhält, nicht mehr unbedingt voraussetzen«, so Miville - das gelte in mannigfaltiger Hinsicht. »Manche gehen zwischendurch mal raus und wieder rein oder bringen ihre Wasserflasche mit in den Zuschauerraum.«

Für den Gottesdienst gilt ebenfalls: Viele wissen gar nicht mehr, was sich dort ziemt, schildert Pfarrer Peter Willared von der evangelischen Wicherngemeinde. Seine Konfirmanden lernen im Rahmen der »Grundetikette«, dass man ein Telefon in der Kirche abschaltet, die Baseballmütze an der Tür abnimmt und drinnen auch nicht Kaugummi kaut. Seit Jahren hängt an der Tür der Kirche ein Schild mit einem durchgestrichenen Handy - und es werde fast immer befolgt, so Willared. Christoph Koerber, Kantor der Petrusgemeinde, hat dagegen schon häufiger erlebt, »dass es im unpassenden Moment bimmelt«. Dies passiere vor allem dann, wenn Menschen in der Kirche sitzen, die dort eher selten sind: »Etwa bei einer Konfirmation. Und eher beim Kindermusical als beim klassischen Konzert.«

Ein Handy-Verbotszeichen klebt auch an jedem Stadtbus. Befolgt werde es vielleicht nicht immer, weiß Matthias Carl, Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochterfirma Mitbus. »Aber wenn der Fahrer es merkt, sollte er schon eingreifen.« Im Gießener Bus verbringe man ja in der Regel keine allzulangen Fahrzeiten - da sei das Tabu vertretbar. Und viele wollten verschont bleiben nicht nur von lauten Telefongesprächen, sondern auch vom Klingelton-Ausprobieren oder Musikhören über die vielseitig nutzbaren Geräte.



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Artikel vom 11.11.2009 - 22.15 Uhr
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