Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Selma Kögler kämpft für ihre Zwillinge Max und Paul

  Anzeige

Artikel vom 23.12.2013 - 08.07 Uhr

Selma Kögler kämpft für ihre Zwillinge Max und Paul

Gießen (cg). Jeder, der Selma Kögler und ihre niedlichen Zwillinge besucht, sieht sofort: Diese Frau braucht eine neue Wohnung, und zwar schnell. Bis in den vierten Stock fährt ein enger, altertümlicher Aufzug. Die alleinerziehende Mutter von Max und Paul wohnt aber im fünften Stock. Das Problem: Der kleine Max ist blind und mehrfach behindert.

olikoegler1_051213
Lupe - Artikelbild vergrössern
Selma Kögler bemüht sich trotz der Einschränkungen durch Krankheit und Behinderung um ein normales Familienleben mit Paul (l.) und Max. (Foto: Schepp)
Seine Mutter trägt ihn die restlichen Stufen hinauf und hinunter, jeden Tag - mehrfach. Und jeder sieht auch: Sie braucht ein größeres Auto, in dem sie den notwendigen schwenkbaren Kindersitz und alle anderen Utensilien für den Transport der Kinder unterbringen kann. Doch was so offensichtlich scheint, ist noch lange nicht machbar. »Ich bin am Ende meiner Kräfte«, sagt die junge Frau.

Dabei ist es nicht so, dass niemand die kleine Familie unterstützen will. Im Gegenteil. Es gibt viele helfende Hände – bei den Ämtern der Stadt, bei der Wohnbau, bei der Lebenshilfe, dem Landeswohlfahrtsverband, beim Sozialdienst katholischer Frauen. Doch unter dem Strich bleibt »ein wirklich harter Alltag«, wie Mechthild von Niebelschütz, die Leiterin des St. Martin-Kinderhauses des Sozialdienstes katholischer Frauen, es beschreibt. Bei aller guten Versorgung in unserem Land blieben eben doch vom Schicksal hart gebeutelte Menschen in einigen Bereichen auf sich selbst gestellt.

Max und Paul kamen als »extreme Frühchen« in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt. Der Überlebenszustand beider Kinder war äußerst kritisch, und Max erlitt eine irreparable Hirnschädigung in der rechten Hirnhälfte, was lebenslange körperliche und geistige Einbußen zur Folge hat. Das erste Lebensjahr verbrachten die Köglers fast ununterbrochen in der Kinderklinik, und auch jetzt sind sie häufig dort. Max leidet an epileptischen Anfällen und hat durch eine Spastik keinerlei Körperkontrolle, das Halten seines Kopfes ist für ihn schwierig. Ihn zu tragen und ihn bei allen Handgriffen zu unterstützen, fällt seiner ausgesprochen zierlichen Mutter zunehmend schwerer.

Ein ewiger Kampf

Sowohl Max als auch Paul besuchen integrative Gruppen des Kinderhauses St. Martin – der eine mit Begeisterung die »Tiger«, der andere die »Pinguine« – dort werden sie ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert. Mechthild von Niebelschütz beobachtet, wie Selma Kögler mit all ihrer Kraft für alles und jedes kämpfen muss: Ob es der Rollstuhl für Max ist, die Orthese (eine den Körper stützende Schiene, die wie ein kleiner Taucheranzug aussieht), der Kindersitz oder andere dringend notwendige Hilfsmittel: Es sind zahllose Anträge zu stellen. Selma Kögler muss erklären, beschreiben, öfter mal erneut beantragen und warten, warten, warten – den Rollstuhl hat sie bis heute nicht. Die 33-jährige Kriminalbeamtin lässt nichts unversucht, wenn es um das Wohl der Kinder geht. Und neben dem Kampf im bürokratischen Dschungel versucht sie, mit ihren Kindern so etwas wie ein normales Familienleben zu führen: Spielen, singen, basteln, kuscheln.

Schwieriger Spagat

Als Alleinerziehende zwei kleinen Kindern gleichzeitig gerecht zu werden, ist nicht einfach – im Fall von Max und Paul ist es jedoch fast unmöglich. Max braucht rund um die Uhr Pflege, und Paul ist ein quirliges Kind, das sich ebenfalls nach Aufmerksamkeit sehnt. Die Mutter der Zwillinge meistert diesen Spagat trotz der zahlreichen »Baustellen« um sie herum mit bewundernswerter Geduld: Wer sie im Umgang mit den Kindern erlebt, ist beeindruckt von ihrer liebevollen, zugewandten und ruhigen Art. Die brennendsten Probleme sind derzeit die Wohnungssuche und das zu kleine Auto. Barrierefreie Wohnungen sind Mangelware, das gilt sowohl für Mietwohnungen als auch für Eigentum. Denkbar wäre auch der Umbau einer bisher nicht barrierefreien Wohnung (die Pflegekasse gewährt hier finanzielle Unterstützung), doch auch hier hat die 33-Jährige bisher nichts gefunden. Kopfzerbrechen bereitet zunehmend auch der Transport der Zwillinge. Das derzeitige Auto ist zu klein, um beide Kinder samt aller Utensilien unterzubringen. Für Max wird ein schwenkbarer Kinderautositz benötigt, außerdem muss der Rollstuhl ins Auto passen. Neben der Fahrzeuganschaffung wäre ein Umbau des Pkw mit einer Rollstuhlrampe erforderlich. Der Anschaffungspreis für den Multivan beträgt 39 000 Euro, für den Umbau liegt ein Kostenvoranschlag von 20 000 Euro vor – Summen, die die teilzeitbeschäftigte Beamtin nicht aufbringen kann. Ein Antrag auf Kraftfahrzeughilfe wurde soeben vom Landkreis abgelehnt, da Selma Kögler die dafür notwendigen Kriterien nicht erfüllt. Sie hat gegen die Ablehnung Widerspruch eingelegt, und nun heißt es erneut warten, warten, warten… Dass sie für die Fahrt zur Kita einen Fahrdienst in Anspruch nehmen kann, löst das Problem nicht, denn es bleibt der ganz normale Alltag, den die junge Frau kaum bewältigen kann, wenn sie nicht mobil ist.

Was bleibt, ist nun die Hoffnung auf eine private Unterstützung: Ein Vermieter oder Makler, der eine Idee für eine Wohnung hat, ein Autohändler, der helfen möchte, Privatleute, die etwas tun wollen. – »Weihnachten ist schließlich das Fest der Wunder, vielleicht wird ja eines wahr«, sagt Mechthild von Niebelschütz.

Wer Kontakt mit Selma Kögler aufnehmen möchte, kann das über die Redaktion tun unter der Telefonnummer 3003 131 E-Mail: redaktion@giessener-allgemeine.de.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 23.12.2013 - 08.07 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang