Gießen (pd). Prof. Ludwig Duncker vom Institut für Schulpädagogik der Justus-Liebig-Universität nannte das Ende der wissenschaftlichen Begleitung eine Art Zwischenbilanz, Schulamtsleiter Heinz Kipp bezeichnete »ePortfolio« als ein Projekt, mit dem die Lernkultur im Unterricht verändert worden sei. In den Räumen des Staatlichen Schulamts Gießen/Vogelsberg wurde jetzt der Abschlussbericht des Schulentwicklungsprojekts »ePortfolio« gegeben, an dem sechs Schulen im Schulamtsbezirk beteiligt waren.
An der Ricarda-Huch-Schule, der Kleinlindener Brüder-Grimm-Schule, der Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim, der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Lich sowie der Gesamtschule Schlitzerland in Schlitz und der Ohmtalschule in Homberg/Ohm nutzten rund 250 Schüler eine Art digitale Präsentations- und Arbeitsmappe, um auf dieser Online-Plattform Kommentare zu schreiben, sich Arbeiten von Mitschülern anzuschauen und auch außerhalb des Unterrichts selbstständig zu arbeiten.
Das »ePortfolio« sei ein geeignetes Werkzeug zur Begleitung von individuellen und selbstbestimmten Lernprozessen, fassten der Diplom-Pädagoge Matthias Fink und Dr. Sven Gänger von der Projektgruppe bei der Präsentation die Ergebnisse zusammen. Den Ausgangspunkt bildete die Zusammenarbeit von Schulamt, Universität, Kultusministerium und den Schulträgern von Stadt und Kreis Gießen sowie des Vogelsbergkreises, die die beteiligten Projektschulen mit gezielten Computeranschaffungen unterstützten. Die Universität wurde zu Projektbeginn damit beauftragt, eine Online-Plattform zu entwickeln, die sich zum individualisierten Lernen von Schülern eignete. Dieses elektronische Portfolio wurde durch Lehrerfortbildungen in die Arbeit im Unterricht eingeführt. Anstatt eines Schulhefts nutzten die Schüler in diesem deutschlandweit einzigartigen Projekt ihre eigene digitale Arbeitsmappe des »ePortfolio«.
Ziel des Projekts sei es gewesen, Methoden-, Lese-, Schreib- und Reflexionskompetenz der Sekundarstufenschüler zu fördern, fasste Schulamtsleiter Kipp zusammen. Prof. Duncker freute sich, dass die Zustimmung, die bereits bei der Konzeptentwicklung vorgelegen habe, sich in der zweijährigen Pilotphase weiter verfestigt habe. Positive Erfahrungen mit »ePortfolio« seien zuvor bereits im anglo-amerikanischen und im skandinavischen Raum gemacht worden.
Matthias Fink bezeichnete »ePortfolio« als Werkzeug zur Förderung der Selbstbestimmung im Lernprozess. In den vergangenen zwei Jahren habe das Lernen mit der digitalen Arbeitsmappe sowie der Austausch im Vordergrund gestanden. Fink zitierte aus einem Schülerbericht: »Ich rege Mitschüler an, erhalte selbst Anregungen und kann meine Arbeit verändern.«
Sven Gänger erläuterte anschließend einige Ziele der wissenschaftlichen Begleitung. Zunächst habe man festgestellt, dass die von den Lehrern formulierten Erwartungen sich überwiegend mit denen der Projektleitung gedeckt hätten. Die elektronische Mappe sei in erster Linie als Datenmanagementsystem, als Leistungsportfolio sowie als Prozessportfolio genutzt worden. Nur wenig etabliert gewesen sei allerdings das im Projekt vorgesehene Lerntagebuch, das sich zudem kaum in den Unterricht habe integrieren lassen. Die Rückmeldungen der Schüler hätten im Laufe der beiden Projektjahre an Quantität und Qualität zugenommen, so Gänger. »Die Kommentare wurden immer konstruktiver und hilfreicher.«
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