Gießen (fd). »Ein Zimmer für sich allein« forderte schon Virginia Woolf - alles andere als eine Selbstverständlichkeit im späten 19. Jahrhundert. Heute noch sieht sich das Frauenkulturzentrum in dieser Tradition.
Die Vorsitzende des Elisabeth-Selbert-Verein, Karola Drews (2.v.r.) mit der Urkunde und den Stiftungsvorstandsmitgliedern (v.l.) Nicole Brinkmann, Ines Nix und Gerhard Freiling. (Foto: fd)
Es will Räumlichkeiten stellen, in denen Frauen lernen, diskutieren und sich vernetzen können. Als Zeichen der Wertschätzung wurde am Freitag der mit 1000 Euro dotierte Conny-Nix-Preis an den Elisabeth-Selbert-Verein als Träger der Einrichtung in der Steinstraße verliehen. »Für die engagierte Förderung der Chancengleichheit von Frauen über kulturelle und politische Bildung sowie für den Beitrag zur Integration ausländischer Frauen gebührt dem Verein größtes Lob«, erklärte Nicole Brinkmann aus dem Vorstand der Cornelia-Patricia-Nix-Stiftung bei der Preisverleihung im Ausbildungsrestaurant »Lahnterrasse«.
»Spezifische Frauenprojekte sind aus der Mode gekommen«, erklärte Brinkmann weiter. Der Elisabeth-Selbert-Verein stelle sich gegen diesen Trend: »Mit unendlich viel Engagement und wenig Geld werden im Frauenkulturzentrum Räume geboten, um sich zu treffen, auszutauschen, zu vernetzen, gemeinsam zu lernen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu bestärken - schlichtweg: Den eigenen Weg als Frau in dieser Gesellschaft zu gehen.« Dies schlägt sich auch im vielseitigen Programmangebot an Vorträgen, Kursen und Workshops aus den Bereichen Politik, Medien, Kunst, Familie, Gesundheit, Recht oder Finanzen nieder. Häufig nutzen Frauen das Zentrum für erste Schritte in eine neue berufliche Selbstständigkeit. Ausländische Frauen finden hier die Möglichkeit, kostenlos an einem fortlaufenden Deutschkurs teilzunehmen, um die Integration zu erleichtern und einen möglichen Einstieg in eine Arbeit zu finden - und all das seit der Gründung des Zentrums vor mittlerweile 15 Jahren.
Insbesondere die Ausrichtung auch auf eine berufliche Qualifizierung der Frauen war ausschlaggebend für die Auswahl als diesjähriger Träger des Conny-Nix-Preises: Die Arbeit am Frauenkulturzentrum steht damit nämlich auch in unmittelbarer Nähe zum Schaffensbereich von Cornelia Nix: Seit 1995 war sie in der Abteilung Frauenförderung beim Zentrum Arbeit und Umwelt Gießen (ZAUG) tätig und verhalf dabei hunderten von Frauen zu einem Einstieg oder einer Rückkehr ins Berufsleben. Nachdem sie vor fünf Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, gründeten ihre Familie, Freunde und Arbeitskollegen die Stiftung und setzen sich seither für die Ausbildung, Qualifizierung und Umstützung von Mädchen und Frauen ein, die sonst keine Hilfe erwarten können. Dies erfolgt zum Einen durch die jährliche Verleihung des mit 1000 Euro dotierten Conny-Nix-Preises an Frauenprojekte oder engagierte Einzelpersonen, die sich für benachteiligte Frauen eingesetzt haben. Zum Anderen werden auch Menschen gefördert, die selbst in individuellen Notlagen stecken. »Wir können mir unserer Hilfe dort viel erreichen, wo die Ämter versagt haben«, erklärte Ines Nix, Tochter der 2004 verstorbenen Namensgeberin der Stiftung.
Für musikalische und literarische Beiträge am Rande der Preisverleihung sorgten verschiedene Initiativen des Frauenkulturzentrums selbst.
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