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Schweinegrippe: Impfstoff-Engpass trifft nicht jeden Kinderarzt

Artikel vom 10.02.2010 - 02.00 Uhr

Schweinegrippe: Impfstoff-Engpass trifft nicht jeden Kinderarzt

Gießen (kw). Manches Baby muss ein paar Spritzen mehr hinnehmen als üblich, und einige Immunisierungen geschehen zwei Wochen später. Ärgerlich, aber nicht dramatisch ist für Gießener Kinderärzte der aktuelle Engpass bei Standard-Impfstoffen für die Kleinsten - so weit er sie überhaupt trifft. Einige Praxen haben vorsorglich genügend Dosen vorbestellt, erfuhr die Allgemeine Zeitung bei einer kleinen Rundfrage.
Wo der Sechsfach- oder Vierfach-Impfstoff ausgegangen ist, müssen kleine Patienten zur Zeit einige Spritzen mehr hinnehmen als n
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Wo der Sechsfach- oder Vierfach-Impfstoff ausgegangen ist, müssen kleine Patienten zur Zeit einige Spritzen mehr hinnehmen als normalerweise. (Foto: dpa)
Wie berichtet, werden derzeit insbesondere zwei Produkte knapp: Erstens ein Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Keuchhusten, HIB-Infektion und Hepatitis B, den Säuglinge ab der achten Lebenswoche erhalten; zweitens ein Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, der nach dem elften Lebensmonat gespritzt wird. Ein Grund der Lieferungsverzögerung soll die Produktion eines Schweinegrippe-Impfstoffs sein.

»Für die Kinder und Eltern wird das Impfen nun ein bisschen weniger komfortabel«, sagt der Gießener Kinderarzt Dr. Florian Gamerdinger. Wenn man zum Beispiel auf einen Fünffach-Impfung plus einen einzelnen Wirkstoff ausweicht, würden mehr Spritzen fällig. Weil sie nicht alle auf einmal gegeben werden, seien damit auch zeitliche Verzögerungen und zusätzliche Arztbesuche verbunden. »Wir können damit umgehen«, so Gamerdinger. Zu solchen Engpässen komme es gelegentlich. Das sei normal bei biologischen Produkten, deren Herstellung Monate dauert. »Da können immer mal unvorhergesehene Dinge passieren. Eine Charge wird nicht zugelassen, und es wird eng.«

Vor rund zwei Jahren waren Impfstoffe schon einmal ausgegangen, bestätigt Dr. Frank Wagner. Aus dieser Zeit wisse er, dass Eltern darauf unterschiedlich reagieren. »Manche sagen: Wir warten, bis der Sechsfach-Stoff wieder da ist. Andere sehen Ansteckungsgefahren, weil etwa die älteren Geschwister Krankheiten aus dem Kindergarten und der Schule mitbringen könnten.« Sie wählten dann die Alternative, die »mit dem einen oder anderen Pieks mehr« verbunden ist. Grundsätzlich halte auch er es für sinnvoll, so früh wie möglich den Impfschutz aufzubauen, sagt Wagner, der hofft, dass nicht noch weitere Engpässe enstehen: »Wer weiß, wie lang es den Fünffach-Stoff noch gibt.«

»Noch haben wir alles da«, heißt es dagegen bei anderen Gießener Kinderärzten. »Wir beziehen die Stoffe bei einer großen Versandapotheke, die vor dem Engpass rechtzeitig gewarnt hat«, berichtet eine Praxis-Mitarbeiterin.

Die Schweinegrippe hat sich währenddessen als eher harmlos erwiesen. Waren die Warnungen und Impfaufrufe also bloße Panikmache? Nein, sagt Dr. Barbara Breitbach, Leiterin des Gesundheitsamts beim Kreis Gießen. »Hinterher ist man immer schlauer. Man konnte im Herbst nicht ausschließen, dass das Virus sich bösartig verändert.« Das sei glücklicherweise nicht geschehen. Die so genannte Neue Grippe spiele keine große Rolle mehr. Nach wie vor gehe sie aber um und habe die zum Jahresbeginn übliche saisonale Grippe anscheinend verdrängt: In Deutschland würden derzeit keine normalen Influenza-Erreger nachgewiesen, sondern nur welche des Typs A1N1 oder H1N1, melden die Fachleute vom Robert-Koch-Institut. Daran seien in diesem Winter bisher 216 Menschen gestorben.

Nicht völlig umsonst hätten Ärzte, Kliniken, Behörden und Firmen Pandemiepläne aufgestellt, betont Breitbach. »Wir haben viel gelernt. Das Ganze war für uns eine gute Übung, um in einem wirklichen Ernstfall noch besser vorbereitet zu sein.«

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Artikel vom 10.02.2010 - 02.00 Uhr
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