Gießen (kw). Die weiße Winterpracht erleichtert der Polizei die Ermittlungsarbeit: Einbrecher und Diebe hinterlassen auffällige Spuren in der Schneedecke. Die Sohlenprofile werden im Computer erfasst und verglichen.
Für Einbrecher ist der Winter die Hochsaison. Doch derzeit hinterlassen sie oft Spuren im Schnee und erleichtern der Polizei damit vielleicht die Ermittlungsarbeit. (Foto: Geck)
Beinahe hätten die jungen Detektive den Täter erwischt, ganz knapp konnte er durch den verschneiten Garten entkommen. Akribisch zeichnen die Mädchen und Jungen das Sohlenprofil ab, das rechts einen auffällig abgetretenen Absatz hat. Und prompt begegnen sie wenige Tage später dem gleichen Abdruck im Wald ... Genau wie im Kinderkrimi geht es zwar nicht zu, wenn Ermittler der Polizei auf Tätersuche sind. Doch Spuren im Schnee können durchaus weiterhelfen, erläuterte auf AZ-Anfrage Willy Schwarz, Sprecher des Polizeipräsidiums.
Als wahrer Segen erwies sich der Schnee vor kurzem bei der Suche nach dem Zwölfjährigen aus Beuern, der sich beim Spielen im Wald verletzt hatte. Seinen Spuren konnten nicht nur Hunde mit feinen Nasen, sondern auch Menschen mit Taschenlampen folgen, so dass das Kind rechtzeitig gefunden wurde. Und ein Kreisbewohner erzählt, dass das derzeitige Wetter den Unbekannten bremst, der offenbar immer wieder Feuerholz vom Stapel im Garten klaut: »Wenn Schnee liegt, kommt nie etwas weg.«
In Wohnbezirken mit viel benutzten, geräumten Wegen und Straßen lässt sich normalerweise nur über kurze Strecken nachvollziehen, wo wer entlanggegangen ist. Etwa rund um Gebäude, in die nachts jemand einbrechen wollte. Ob im schneereichsten Winter seit Jahrzehnten weniger solche Täter unterwegs sind, kann Schwarz nicht sagen. Genauso wenig könne man feststellen, dass Einbrüche deutlich häufiger aufgeklärt werden.
Doch die Fußspuren würden - ebenso wie Fingerabdrücke und alle anderen Hinterlassenschaften - durchaus erfasst. Das sei Routine nicht nur im Winter: »Auch bei Matsch oder Feuchtigkeit kann man Schuhprofile sehen.« Auf glatten Untergründen seien mit technischen Mitteln auch solche sichtbar zu machen, die das menschliche Auge nicht wahrnimmt. Schnee könne helfen, aber auch hinderlich sein - etwa wenn er zwischen Tat und Eintreffen der Polizei fällt und Spuren zudeckt.
Schuhabdrücke machten zunächst oft deutlich, wie viele Täter auf welchem Weg auf ein Gelände gekommen sind und wo sie versucht haben, in ein Gebäude einzudringen. Sie könnten später aber auch dazu beitragen, einen von ihnen zu identifizieren oder einem Gefassten bestimmte Taten nachzuweisen, erläutert Schwarz. Denn so wie alle anderen Spuren würden sie zentral gespeichert und mit denen aus anderen Taten verglichen, etwa beim Landes- oder Bundeskriminalamt. Früher sei dieser Abgleich »händisch« geschehen, heute erledige das der Computer.
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