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Samen-Hahn: Nach 114 Jahren kommt der Abrissbagger

Artikel vom 23.06.2012 - 09.01 Uhr

Samen-Hahn: Nach 114 Jahren kommt der Abrissbagger

Gießen (mö). Es hat die Bombenangriffe im Dezember 1944 und die Abrissorgie der Nachkriegszeit überstanden sowie dem über 30 Jahre währenden Leerstand getrotzt. Am Freitag indes läutete der Abrissbagger einer Baufirma aus Kassel dem denkmalgeschützten Samen-Hahn-Haus nach 114 Jahren die Totenglocke.

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In nur einem Tag wurde die Gebäudehälfte Bahnhofstraße 35 beseitigt. Bis zum Mittwoch soll die Adresse Reichensand 2 folgen. Danach kann die Straßensperrung aufgehoben werden.

Gegen acht Uhr hatte der in der Nacht nach Gießen gebrachte große Spezialbagger seine Arbeit aufgenommen. Entgegen der Erwartung, dass das – laut Gutachten – einsturzgefährdete Haus Stockwerk für Stockwerk von oben abgetragen wird, bekamen die Schaulustigen einen richtigen Abriss zu sehen. Um das unmittelbar angrenzende Haus Bahnhofstraße 39 zu schützen, hing zwischen beiden Gebäuden ein überdimensionaler Vorhang aus Lkw-Reifen an einem Spezialkran. Ein bewährte Methode, wie Bauleiter Arne Lengemann von dem Baunataler Unternehmen Schnittger erläuterte.

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Die gegenüberliegende Bebauung in der Bahnhofstraße schützten einige Container, die auf der Straße abgestellt worden waren. Zudem war bereits am Vortag die Fahrbahn mit einer dicken Schicht aus Sand abgedeckt worden. Um hochgewirbelten Staub zu binden, wurde die Baustelle ständig mit Wasser aus Schläuchen befeuchtet.

Wie Lengemann sagte, sei der Abriss eher unkompliziert: »Durch die Freifläche hinter dem Haus haben wir genug Bewegungsfreiheit«. Von einem möglichen Arbeitseinsatz am heutigen Samstag habe man abgesehen. Der Bauleiter erwartet, dass Montag und Dienstag ausreichen werden, um den Auftrag zu erledigen. Jeden Tag kann bis 22 Uhr gearbeitet werden. »Wir wollen unseren Beitrag leisten, dass die Straßen in der Umgebung so schnell wie möglich wieder geöffnet werden können«, fügte der Polier hinzu.

Vor allem ab dem Mittag verfolgten etliche Gießener die Arbeiten. Die Jüngeren fotografierten mit ihren Handys, Ältere diskutierten über den »Fall Samen-Hahn«. »Traurig, traurig« meinten die einen, »das hätte man auch gleich haben können« die anderen. Ein Zuschauer meinte: »Hoffentlich müssen wir das bei der Alten Post nicht erleben.«



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Artikel vom 23.06.2012 - 09.01 Uhr
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Video vom Abriss des Samen-Hahn[Fotos] [Video]
Leserkommentare
(25.06.2012 21:20)
Sebastarus
-
unfassbar was unsere BÃŒrgervertretung sich da oben im Amt wiedereinmal geleistet hat
(23.06.2012 12:47)
history99
"... Totenglocke."
Das finde ich nun wirklich etwas dick aufgetragen. Vielleicht hält ganz Europa am Montag 5 Schweigeminuten ab? Es geht hier um ein simples Gebäude, und aus denkmalschützerischer Sicht kann man sicher sagen, dass es recht schade ist und dass sich die Stadt nicht mit Ruhm bekleckert hat. Aber einen Staatsakt mit Live-Übertragung draus zu machen ist doch nun wirklich albern.
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