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07.02.2010 - 20.59 Uhr
Rund 320 Narren machten so richtig »Rabatz in Bonifaz«
Das Bürgerhaus in Kleinlinden war der bei Traditionssitzung proppenvoll. Martin Wesolowsky fungierte zum letzten Mal als Sitzungspräsident.
Gießen (srs). Martin Wesolowsky, der Sitzungspräsident, läutete das Finale ein. Vom Podium des Elferrats stieg er auf die Bühne. »Hoch lebe Rabatz in Bonifaz«, rief er durch den proppenvollen Saal - und das Publikum schmetterte kräftig mit. In diesem Moment jedoch erlosch das Licht im Bürgerhaus Kleinlinden. Die Gäste wussten, was nun bevorstand: der traurige Abschied von Wesolowsky als Sitzungspräsident. Vor genau 20 Jahren, 1990, hatte dieser erstmals den »Rabatz in Bonifaz geleitet. Und so sangen ihm am Samstagabend kurz vor Mitternacht 320 Menschen im Saal ein Ständchen: »Ja, Martin, du warst Präsident, was war‘n das schöne Zeiten. Wie unser alter Martinshof sind das Vergangenheiten.«
Zum 34. Mal hatte die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius zu ihrer traditionellen Fastnachtssitzung geladen - erstmals im Bürgerhaus Kleinlinden. Vier Stunden lang unterhielt die Gemeinde mit einem bunten Programm voller Tanzauftritte, Gesangsdarbietungen und Humor - ganz nach der Vorgabe des Sitzungspräsidenten, der zu Beginn eröffnet hatte: »Oftmals wird beim Christ bemängelt, dass er nörgelt, dass er quengelt. Dass er sauertöpfisch ist und die Fröhlichkeit vergisst. Dem woll’n wir heute gegensteuern, und hier kräftig Fastnacht feiern.«
Diesen Wunsch erfüllten im Besonderen die Jugendlichen der Bonifatiusgemeinde, die das Bürgerhaus mehrmals zum Kochen brachten. Als Frauen verkleidet, in bunten, bauchfreien, von Ute Schinke und Annette Tuchscherer geschneiderten Saris zogen die jungen Männer der Formation »Antikörper« durch den Saal - zunächst begleitet von Jauchzern und Lachsalven der Gäste. Auf der Bühne jedoch beeindruckte das Männerballett mit tänzerischen und akrobatischen Einlagen zu exotischen indischen Rhythmen. Am 27. März werden die »Antikörper« mit ihrem Tanz »Curry der Leidenschaft« bei den Hessenmeisterschaften antreten. Stefan Wohlfahrth und Kaan Enis Bülte unterhielten mit einem musikalischen Jahresrückblick, in dem sie unter anderem den ersten schwarzen US-Präsidenten sowie den ersten schwarzen Jugendleiter der Bonifatiusgemeinde besangen. Einen Sketch trug darüber hinaus die Gruppe »Banani« vor. Die Jugend der katholischen Gemeinde wird am kommenden Sonntag mit einem eigenen Wagen am Fastnachtszug teilnehmen.
Weihnachten und die Fastnacht vereinten in einem Auftritt Pfarrer Hermann-Josef Zorn, Kaplan Thomas Winter und Regionalkantor Ralph Stiewe als die Heiligen Drei Könige. Traditionell verbreiteten Küster Gerardus Pellekoorne, Thomas Oelighoff und Sitzungspräsident Wesolowsky mit ihrer »Doofmusik« gute Laune. »Warum nennt man das Rathaus nur stets mit dem Attribut Kultur?«, fragten sie in einer Strophe. »Wahrscheinlich aus dem gleichen Grunde, wie man einst ‚Kulturbeutel‘ erfunde.« »Miss Rabatz« und »Miss Bonifaz« alias Manuela Frey und Gisela Zimmermann besangen ihre Suche nach »schönen Männern«, bei der sie auch ein Auge auf den Pfarrer werfen: »Dem Zölibat hat er sich ergeben - das wird wohl auch nichts für mein Erosleben.« Schwung und Grazie verbreitete Präsidentengarde im zweiten Jahr ihres Bestehens mit einem Tanz zu Liedern wie »I can Boogie« und »Paloma Blanca«. Auftritte feierten zudem die Tanzgarde der Karnevalfreunde Allendorf, »Stromkasten 64« mit Sketchen, Andrea Thalacker von der Licher St. Paulus-Gemeinde mit einer Büttenrede sowie das Männerballett »Schöppche un Partner«. Das Prinzenpaar der GFV machte samt Hofstaat seine Aufwartung, dessen Artilleriekorps unterhielt mit einem Gardetanz. Prächtige Stimmung verbreiteten die »Aandorfer Domspatzen«.
Und dann rückten die letzten Minuten Wesolowskys als Sitzungspräsident immer näher. »Auf dich, da sind wir alle stolz. Echt - du bist aus allerbestem Holz«, erklärte Wolfgang Schreier in einer Laudatio. »Auch wenn dein Amt gleich ist zu End - du bist und bleibst de Präsident. Mer setze nur in aller Ruh e kleines i und noch e großes R dazu.« Wesolowsky dankte seinen Mitstreitern und besonders seiner Frau Elke, die ihm stets den Rücken freigehalten habe.
Erstmals feierte die Bonifatiusgemeinde den »Rabatz in Bonifaz« im Bürgerhaus Kleinlinden nach vier Jahren in der Kongresshalle. Aufgrund der kleineren Dimensionen nahm der Elferrat nicht auf, sondern vor der Bühne Platz. »Narrengeist kann überall wehen«, hielt Wesolowsky fest. Die Stadthallen GmbH habe den Termin offenbar verschwitzt, berichtete er der AZ. So habe die GmbH kurzfristig nach einem neuen Austragungsort suchen müssen. »Aber ein prall gefülltes Bürgerhaus ist für die Stimmung natürlich besser als eine zu drei Vierteln gefüllte Kongresshalle«, zog er ein zufriedenes Fazit. Zum »Ehren-Rabatzer« wurde Wolfgang Schlich ernannt, der inzwischen seit 33 Sitzungen für die Technik und den Ton sowie mit seiner Frau Martina für den Kartenvorverkauf sorgt. Die Kapelle »Pitty & Phil« begleitete den Abend musikalisch.