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Rund 12 000 Deutsche warten auf neue Organe

Artikel vom 06.06.2010 - 20.00 Uhr

Rund 12 000 Deutsche warten auf neue Organe

Gießen (fd). Bundesweit wurden2009 annähernd 4000 Organtransplantationen durchgeführt. Auch unzählige weitere Leben könnten durch neue Nieren, Lungen oder Herzen gerettet werden, doch stattdessen sterben rund 1000 Patienten pro Jahr aufgrund fehlender Spenderorgane. Am bundesweiten Tag der Organspende erfuhren Passanten im Seltersweg, woran das liegt.
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Beim »Tag der Organspende« informierte der mittelhessische Selbsthilfeverein die Passanten im Seltersweg; engagiert war dabei auch der Gießne r Hans-Joachim Lauth (r.), der schon seit 17 Jahren mit einer transplantierten Niere lebt. (Foto: fd)
»Ich bin 54 Jahre alt«, sagt Hans-Joachim Lauth. Dann ergänzt er: »Meine Niere feiert bald ihren 70. Geburtstag.« Bundesweit wurden im vergangenen Jahr fast 4000 Organtransplantationen durchgeführt. Auch unzählige weitere Leben könnten durch neue Nieren, Lungen oder Herzen gerettet werden, doch stattdessen sterben rund 1000 Patienten pro Jahr aufgrund fehlender Spenderorgane. Schuld daran sind auch eine hemmende Gesetzgebung und mangelnde Organisation. Am Samstag, dem bundesweiten Tag der Organspende, informierten die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) zusammen mit Ministerien, Gesundheitsämtern und lokalen Betroffenengruppen. Auch mit einem Stand im Seltersweg.

»Wie Sauna, nur eben fünf Stunden lang und dreimal pro Woche“» erinnert sich Lauth an die Dialyse. Aufgrund einer verschleppten Entzündung hatten die Nieren des Gießeners aufgehört zu arbeiten. Was folgte, gehört für tausende Deutsche zum Alltag: Die schlauchenden Blutwaschgänge, die Abhängigkeit von der Maschine, die Veränderungen im Lebensrhythmus, die strengen Diäten.

Ob Niere, Lunge oder Herz: Rund 12 000 Patienten warten derzeit in Deutschland auf eine Transplantation. Während die Zeit für sie häufig eine große Rolle spielt, hinkt Deutschland gerade hier im europäischen Vergleich weit hinterher: Die Wartezeit auf neue Organe beträgt hierzulande im Schnitt rund sieben Jahre, in Spanien oder Österreich wartet man kaum zwei Jahre.

Eine Gesetzesänderung könnte Abhilfe schaffen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo eine Widerspruchsregelung gilt, hält man in Deutschland an einer Zustimmungsregelung fest. Das heißt: Wer in Spanien oder Österreich einer Transplantation nach dem Tod zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat, dem können Organe entnommen werden. In Deutschland hingegen muss der Betroffene zu Lebzeiten einer Entnahme zustimmen. Hat er keine Angaben auf einem Organspendeausweis gemacht – dort kann auch angekreuzt werden, dass keine Organe entnommen werden sollen – entscheiden die Hinterbliebenen, die mit der Situation häufig überfordert sind.

Die Zustimmungsregelung führe dazu, »dass nur ein geringer Teil derjenigen, die der Organspende positiv gegenüberstehen, auch tatsächlich Spender werden«, so die Bundesärztekammer, wo man die Einführung der Widerspruchsregelung fordert, wie sie in Spanien oder Österreich praktiziert wird. Rund 1000 Patienten sterben in Deutschland jedes Jahr, weil sie kein rettendes Organ erhalten. Zusätzlich sind unzählige Patienten auf regelmäßige Blutwäsche angewiesen und warten daher auf eine neue Niere.



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Artikel vom 06.06.2010 - 20.00 Uhr
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