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Rhön AG widerspricht SPD-Abgeordneten

Artikel vom 29.07.2011 - 11.45 Uhr

Rhön AG widerspricht SPD-Abgeordneten

Gießen/Marburg (pd). Zurückgewiesen hat die Rhön-Klinikum AG jetzt die Behauptungen von Dr. Thomas Spies (SPD), wonach Betrieb oder Nicht-Betrieb der Marburger Partikeltherapieanlage nur eine ökonomische Frage der Gewinnerwartung sei. Diese Aussage entbehre jeder Grundlage, heißt es in einer Mitteilung des Rhön-Sprechers Hans-Jürgen Heck.

Wie berichtet, war Spies in der vergangenen Woche in einem Schreiben an Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann auf das gescheiterte Partikeltherapie-Zentrum am Standort Marburg des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) eingegangen. In dem Brief hatte der SPD-Abgeordnete angedeutet, dass die Partikeltherapieanlage Patienten zur Verfügung gestellt werden könnte. Ferner hatte er an den Ende 2005 geschlossenen Kaufvertrag für die Universitätsklinika Gießen und Marburg erinnert. Da Bereitstellung und Betrieb des Partikeltherapie-Zentrums seinerzeit Bestandteil der durch das Rhön-Klinikum zu erbringenden Leistungen gewesen sei, stehe nun im Falle der Nichbereitstellung eine Kaufpreisnachzahlung von 107 Millionen Euro im Raum.

»Ein klinischer Dauerbetrieb ist derzeit technisch nicht möglich«, betont Heck in der Rhön-Erklärung. Die Anlage könne und sollte aber der Forschung dienen. Die Aktiengesellschaft bedaure zutiefst, »diese Form der Strahlentherapie, die wir jahrelang begleitet haben, nicht anbieten zu können«. Man hätte die Patienten gern mit dem neuen Verfahren behandelt. »Aber die notwendigen technischen Voraussetzungen für den Routinebetrieb ließen sich nicht herstellen«, so Heck.

Ursprünglich hatte Rhön die Behandlung von rund 2000 Krebspatienten pro Jahr in dem Zentrum geplant. In der vergangenen Woche hatte der Konzern mitgeteilt, das Projekt sei an Siemens zurückgegeben worden.

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Artikel vom 29.07.2011 - 11.45 Uhr
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SPD: Rhön AG soll über 100 Millionen nachzahlen
Leserkommentare
(16.08.2011 06:12)
Kommentator
Nachtrag
Laut Berichterstattung in der Zeitschrift „kma“ für Krankenhausmanager - nachzulesen unter dem Link http://www.kmaonline.de/nachrichten/politik/id__25124___view. html -erhält Rhön von Siemens für das Aus der Partikeltherapie eine Entschädigung von 86 Millionen Euro. Die Argumente von Rhön zur nicht weit genug entwickelten Technik erwiesen sich ja bereits in der bisherigen Diskussion um das Marburger Partikeltherapiezentrum als sehr fragwürdig und durch nichts belegt. Die Technik funktioniert bereits in Heidelberg, aber sie ist offenbar nicht schnell genug, um den von Rhön erhofften Profit abzuwerfen. Die mögliche Heilung von Krebspatienten durch die neue Behandlungsoption verliert da schnell an Relevanz. Das aktive Betreiben eines Partikelzentrums ist für den Klinikbetreiber offenbar kein so gutes Geschäft, wie das Kassieren der hohen Entschädigungszahlung von Siemens.
(02.08.2011 12:02)
Prinzessin Lilifee
Rhön-Aktionäre aufgepasst!
Alle Rhön-Aktionäre dürfen sich über die aktuelle Meldung vom 2.8.11 freuen:
'Die Commerzbank hat das Kursziel für Rhön-Klinikum von 20,00 auf 21,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Nach dem beendeten Partikeltherapie-Projekt in Marburg dürfte der Klinikbetreiber zumindest über Ausgleichszahlungen von Siemens und gesparte Anlaufkosten profitieren, schrieb Analyst Volker Braun in einer Studie vom Dienstag. Die Schätzungen ab 2014 müssten jedoch reduziert werden. Gleichzeitig werde eine geringere Steuerquote angesetzt. Die Quartalszahlen am Donnerstag dürften deutliche Effizienzsteigerungen in Gießen/Marburg zeigen.'
Rhön profitiert also vom Aus für das Marburger Partikelzentrum und freut sich zudem über die Effizienzsteigerungen am Uniklinikum (soll heißen: weniger Personalbedarf und Arbeitsverdichtung für die verbliebenen Mitarbeiter).
(31.07.2011 23:45)
Kommentator
Wie sollen wir es benennen?
Aber Epikuros!! Solche hässlichen Worte wie Lüge wollen wir doch hier nicht verwenden. Bleiben wir bei Ihrer Formulierung von der Ungenauigkeit. Oder nennen wir es vielleicht Konzern-internes Kommunikationsdefizit?
Börsennotierte Kapitalgesellschaften informieren die Öffentlichkeit über ihre Projekte und informieren außerdem ihre Investoren bzw. Aktionäre. Letzteres ist strenger reglementiert als ersteres bzw. Verfehlungen oder Unterlassungen können sanktioniert werden. Für die Unternehmens-PR ist zumeist eine Abteilung zuständig und für die Finanzkommunikation (Investor Relations) eine andere. So offensichtlich auch bei Rhön.
Die Finanzkommunikation veröffentlichte am 18.07.2011 in einer Ad-hoc-Meldung (http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/parse_ir_news.php?url=/rka/cms/rka_2/deu/presse/97898.html):
Die RHÖN-KLINIKUM AG und die Siemens AG entwickeln im Rahmen einer Partnerschaft in Marburg gemeinsam eine Partikeltherapie-Anlage. Auf Grundlage einer neuerlichen Analyse des Projektes wurde festgestellt, dass die Technologie entgegen der ursprünglichen Erwartungen noch nicht so ausgereift ist, in absehbarer Zeit einen klinischen Dauerbetrieb wirtschaftlich sinnvoll darzustellen. Aus diesem Grund wurde nunmehr gemeinsam beschlossen, das Projekt zu beenden.
Kernbotschaft an die Aktionäre: Die Partikeltherapie lässt sich nicht wirtschaftlich betreiben, also wird das Projekt beendet.
Diese Meldung wurde u. a. vom Landtagsabgeordneten Spies aufgegriffen und war Gegenstand seiner Pressemitteilung vom 22.07.2011 bzw. seiner Anfrage an die hessische Wissenschaftministerin Kühne-Hörmann mit der Bitte um weitere Informationen.
Die Reaktion darauf kam von der Unternehmenskommunikation, die in ihrer Pressemitteilung vom 28.07.2011 (http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/presse/98249.html) mitteilte:
Ein klinischer Dauerbetrieb ist derzeit technisch nicht möglich.
Darüber hinaus wurde dem Abgeordneten Spies entschieden widersprochen. Warum dieser Widerspruch? Der Abgeordnete Spies hat sich doch lediglich auf die Aussage der Rhön-Finanzkommunikation berufen. Sinnvoll für das Unternehmen Rhön-Klinikum wäre es vielleicht, wenn Herr Boris Tramm, anerkannter Kommunikationsexperte und bei Rhön Head of Investor Relations, sowie Herr Hans-Jürgen Heck, ebenfalls anerkannter Kommunikationsexperte und bei Rhön Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Konzern, bei Gelegenheit einmal miteinander kommunizieren, um zukünftig ein so peinliches PR-Desaster zu verhindern. Ist die Partikeltherapie also wirtschaftlich nicht sinnvoll darzustellen oder technisch nicht möglich? Wir werden sehen, welcher der beiden Kommunikationsexperten in der Rhön-Zentrale sich am Ende durchsetzt. Kein Wunder, dass vor Ort der UKGM-Unternehmenssprecher Steibli lieber zu diesen kniffligen Dingen schweigt, um nicht auch noch zu dem PR-Chaos beizutragen. Stattdessen verbreitet er lieber Infos über die richtige Zusammensetzung der Reiseapotheke. Ist auch wichtiger in diesen heißen Tagen. Vermutlich hat der 2010 vom UKGM angeworbene ehemalige SPD-Sprecher aber auch genug damit zu tun, seine Rhön-kritischen Parteifreunde zu befrieden und von ihrem gegenwärtigen Kurs abzubringen, der auf die Nachzahlung von 107 Millionen Euro an das Land Hessen abzielt. Wir sind gespannt, ob das dem Genossen Steibli und seinem Arbeitgeber gelingt.
(30.07.2011 14:36)
epikuros
Ungenaue Pressemitteilung
Dass "ein klinischer Dauerbetrieb TECHNISCH nicht möglich ist", ist einfach falsch (darf man eine solche Ungenauigkeit bei einer offiziellen Pressemitteilung in Internet "Lüge" nennen?) Die Journalisten sollten Rhön fragen nach einer liste dieser problematischen "technischen Voraussetzungen".
Also, die Anlage kann, rein TECHNISCH, Patienten behandeln. Was nicht wie geplant ist, ist die mögliche Anzahl von Patienten pro Jahr: nur etwas 400 Krebspatient könnten pro Jahr behandelt werden. Das macht aber keinen ökonomischen Gewinn für Rhön.
Lächerlich ist auch das zweites Teil der Pressemitteilung: beim Halt des Partikel Projekts, hat Rhön auch eine grosse Investition im Bereich der elektronischen Patientenakte storniert.
(30.07.2011 11:39)
Kommentator
Was nun, Rhön?
Der Ton der Rhön-Pressemitteilung spricht für zunehmende Nervosität auf Seiten des Klinikbetreibers. Sollte der Landtagsabgeordnete Dr. Spies hier tatsächlich auf etwas gestoßen sein, was dem mächtigen Rhön-Konzern ernsthafte Probleme bereiten könnte? Voraussetzung wäre jedoch der Mut auf Seiten der Politik, die Interessen des Landes Hessen und seiner Bürger gegenüber Rhön auch wirklich durchzusetzen. Dabei müsste doch alles ganz eindeutig nachvollziehbar und im seinerzeitigen Vertrag zwischen dem Land Hessen und der Rhön-Klinikum AG nachzulesen sein. Die Zusicherung der Investitionen (im Fall des neuen Gießener Klinikums von Rhön ja auch eingehalten), sowie die Absicherung durch hohe Vertragsstrafen war ja seinerzeit ein Grund dafür, Rhön den Zuschlag für das UKGM zu geben. Als sich danach 2005 der Mitbewerber Asklepios beschwerte, dass man trotz eines vermeintlich besseren Angebots gegenüber Rhön unterlegen gewesen sei, teilte die Landesregierung in Person des damaligen Verhandlungsführers, Staatssekretär Joachim-Felix Leonhard, damals mit: ?...Asklepios habe im Gegensatz zu Rhön für bestimmte Investitionen keinen Zeitrahmen vorgelegt und auch keine Vertragsstrafen bei Verstößen gegen Investitionszusagen akzeptiert. Beim Vergleich der rechtlich und auch mit Vertragsstrafen abgesicherten Investitionszulagen gebe es einen Unterschied von 367 Millionen Euro bei Rhön-Klinikum und 260 Millionen Euro bei Asklepios.? (nachzulesen unter http://www.hmwk-hessen.de/pressemitteilung.php?id=2005-12-30_219) Folglich muss es ja eine klare Regelung geben, wie nun im Fall des Marburger Partikeltherapiezentrums zu verfahren ist. Seinen Aktionären teilt Rhön am 18.7.11 mit, dass 17 Millionen Euro im Jahr 2011 abgeschrieben werden müssen, jedoch von Siemens eine Ausgleichszahlung geleistet würde. (nachzulesen unter http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/parse_ir_news.php?url=/rka/cms/rka_2/deu/presse/97898.html). Und auch der Jahresgewinn von ca. 160 Millionen Euro für 2011 sei nicht gefährdet. An die Verpflichtungen gegenüber dem Land Hessen, die sich aus dem UKGM-Übernahmevertrag ergeben, verschwendete man zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch keinen Gedanken...
Am Universitätsklinikum Heidelberg, wo man den Anspruch auf Spitzenmedizin nicht nur in Pressemitteilungen verkündet, sondern auch tatsächlich lebt, besteht seit 2009 das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT), wo Partikeltherapie mit Protonen und Schwerionen erfolgt (Infos unter http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Heidelberger-Ionenstrahl-Therapie-HIT.106580.0.html). Täglich werden dort in dieser Anlage ca. 30 Patienten bestrahlt. Das Konzept scheint also grundsätzlich zu funktionieren. Die Anlage wird in Heidelberg als Zukunftsinvestion im Hinblick auf eine faszinierende neue Therapieoption für Krebspatienten betrachtet. Niemand fragt dort zum gegenwärtigen Zeitpunkten danach, ob die Anlage sich bereits jetzt wirtschaftlich rechnet oder nicht. Darum gehört auch Heidelberg in die erste Liga der deutschen Unikliniken und das UKGM bestenfalls in die dritte. Der Anspruch, immer wieder vollmundig formuliert vom Rhön-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Pföhler, ist aber ein anderer, wie beispielsweise in seiner Ansprache beim Richtfest des Partikeltherapie-Zentrums vor 3 Jahren (nachzulesen unter http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/download/20080723_Pfoehler_Partikeltherapie.pdf). Was in Heidelberg funktioniert, ist offenbar in Marburg nicht möglich. Der ehemalige CDU-Funktionär Pföhler dürfte in den nächsten Wochen intensiv daran arbeiten, seine Parteifreunde in der hessischen Landesregierung und der CDU-Landtagsfraktion davon zu überzeugen, wieder einmal gegenüber den Interessen von Rhön nachzugeben. Es bleibt zu hoffen, dass unsere Volksvertreter (einschließlich ein paar aufrechten Abgeordneten der Regierungsparteien) die Aufklärung der Angelegenheit jetzt auch wirklich weiter forcieren, und nicht auf halbem Weg aus Angst vor Rhön kehrt machen.
(29.07.2011 15:25)
Prinzessin Lilifee
Macht nichts
Ist doch kein Problem. Rhön soll einfach die 107 Millionen zurückzahlen und Schwamm drüber. Bei der Kapitalerhöhung von Rhön im Jahre 2009 hat der Konzern brutto 460 Millionen Euro eingesammelt, die mangels attraktiver Klinikübernahmen noch nicht ausgegeben werden konnten. Das Geld liegt auf dem Rhön-Konto und wartet auf eine sinnvolle Verwendung. Jetzt ist die Gelegenheit da. Pacta sunt servanda.
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