Gießen (mö). Man muss schon genau hinschauen, um die Veränderung zu erkennen. Ein neues Logo prangt hinter dem Eingang zum Hotel-Restaurant »Tandreas« in der Licher Straße. Kreiert haben es Bettina Kuhl und Markus Leidner.
Das neue Tandem an der Spitze des Restaurants »Tandreas«: Küchenchef Markus Leidner und Restaurantleiterin Bettina Kuhl. (Foto: Schepp)
Die 29-jährige Restaurantleiterin und der 40-jährige Küchenchef haben zum 1. August die Leitung des renommierten Hauses von Tanja und Andreas Gerlach übernommen. Damit ist das Restaurant »Tandreas« - das Hotel wird weiter von Tanja Gerlach geführt - fest in Gießener Hand, denn bei der neuen Doppel-Spitze handelt es um zwei echte Schlammbeiser, die bereits seit drei bzw. vier Jahren in leitender Position im »Tandreas« tätig waren.
Seit Donnerstag hat der Gastronomiebetrieb, in dem vier Festangestellte und acht Auszubildende beschäftigt sind, wieder geöffnet. Aber schon vorher ist auf die beiden neuen Chefs »viel eingeprasselt«, berichtet Markus Leidner im Gespräch mit der AZ. Die Küche hat er zwar schon vorher in Abwesenheit von Andreas Gerlach gemanagt, aber nunmehr kämen noch organisatorische Aufgaben, der komplette Einkauf oder die Kundenpflege hinzu. Ähnlich sieht es bei seiner Partnerin aus. Bettina Kuhl war zwar schon vorher als Restaurantleiterin im »Tandreas« tätig, aber jetzt ist sie unter anderem auch als Buchhalterin gefordert.
Die wohl wichtigste Veränderung für die Gäste betrifft die Speisekarte. Im ganzen Haus gibt es jetzt nämlich nur noch eine; die strenge Aufteilung in die Bereiche Restaurant und Bistro haben Leidner und Kuhl, die auch privat ein Tandem bilden, aufgehoben. Teil der Neuausrichtung ist auch die bewusste Entscheidung, den von Andreas Gerlach erkochten Michelin-Stern nicht mit aller Macht zu verteidigen, um sich so auch von dem damit verbundenen »Druck freizumachen«. Es sei nämlich betriebswirtschaftlich sinnvoller, »mehr für die Gäste als für den Stern zu kochen«, erläutert Leidner und fügt hinzu: »Es wird bei uns auch weiter Luxusprodukte wie Hummer geben, aber nicht mehr die ganze Palette.« Der Trend gehe ohnehin »weg vom Fünf-Gänge-Menü«.
Ausbauen wollen Leidner und Kuhl, die vor ihrem Engagement im »Tandreas« etliche berufliche Stationen im In- und Ausland absolviert haben, den Mittagstisch; gedanklich gebastelt wird an diversen Events. Im Moment ein kleines Problem stellt die Großbaustelle vor der Tür dar, aber nach Einschätzung von Bettina Kuhl kommt 80 Prozent der Restaurant-Kundschaft aus Gießen und Umgebung, die den Weg zum »Tandreas« schon finde. Immer wichtiger für das gesamte Haus würden gleichwohl Gäste, die in Verbindung zur Universität stünden. Das fange bei den Eltern von Studierenden an, die ihre Kinder besuchten, im »Tandreas« übernachteten und zu Abend äßen, und ende bei Teilnehmern wissenschaftlicher Tagungen.
Markus Leidner hat sich fest vorgenommen, viel mit seiner Kundschaft - auch außerhalb des Hauses - zu kommunizieren, wobei ihm als gebürtigem Gießener, dessen Mutter die bekannte Eisdiele San Marco in der Grünberger Straße betreibt, wahrscheinlich auch gar nichts anderes übrigbleibt. Leiden unter der neuen beruflichen Herausforderung wird allerdings die Form, denn die wird nach Einschätzung des früheren Triathleten, der beim LGV Marathon Gießen Mitglied ist, vorerst nicht mehr für die 42,2 Kilometer reichen.