Gießen (si). Beim Brand in einem Gewächshaus der Justus-Liebig-Universität ist in der Nacht zum Mittwoch ein Schaden von vermutlich mehreren 100 000 Euro entstanden. Nach Polizeiangaben löste eine technische Störung in der Bewässerungsanlage das Feuer aus.
In dem Gewächshaus am Heinrich-Buff-Ring zerstörte das Feuer mehrere Kammern. Betroffen ist insbesondere ein Forschungsprojekt zur Rapszüchtung. (Foto: Schepp)
Die genauen Ursachen sind noch unklar. Bei dem Flachbau am Heinrich-Buff-Ring handelt es sich um ein Gewächshaus der Sicherheitsstufe 1, in dem auch mit gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet werden darf. In dem betroffenen Bereich hätten sich ausschließlich konventionelle Pflanzen befunden, bekräftigte die Hochschule.
Anwohner hatten den Brand gegen 1 Uhr bemerkt und sofort die Feuerwehr verständigt, die die Flammen schnell löschen konnte. Das Gebäude auf dem Gelände des Interdisziplinären Forschungszentrums besteht aus 15 jeweils etwa 40 Quadratmeter großen Kammern, von denen drei komplett zerstört und eine weitere beschädigt wurden. Etliche Scheiben gingen zu Bruch. Verletzt wurde niemand.
Die Universität sprach gestern von »erheblichen Auswirkungen für die Forschung«. Betroffen ist unter anderem ein schon seit fünf Jahren laufendes internationales Projekt des Agrarwissenschaftlers Prof. Wolfgang Friedt (Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung), bei dem Rapslinien gekreuzt werden. Eine komplette Rapszüchtung sei durch den Brand verloren gegangen, heißt es in einer Mitteilung. Laut Friedt befand sich im Gewächshaus »einzigartiges Material«, das detaillierten Laboruntersuchungen und Feldprüfungen unterzogen werden sollte. Selbst wenn noch Reste der Elternlinien vorhanden seien, werde es nun mindestens drei Jahre dauern, um auf den Stand vor dem Brand zu kommen. Nach Friedts Angaben ist an diesen Forschungen in Gießen auch ein chinesischer Gastwissenschaftler beteiligt.
Welche weiteren Versuche gefährdet sind, blieb gestern offen. Durch den Ausfall der technischen Anlage seien indirekt alle acht Kammern betroffen, »möglicherweise auch langfristig«, so die Hochschule.
Friedt ist einer der renommiertesten deutschen Forscher auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung. Er setzt sowohl konventionelle als auch gentechnische Verfahren ein. Militante Gentechnik-Gegner haben schon mehrere Freilandversuche von Friedt zerstört: So ein Rapsfeld in Rauischholzhausen (1998) und ein Maisfeld in der Gießener Weststadt (2007).
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