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Prof. Tinneberg: Regelschmerzen abklären

Artikel vom 09.02.2010 - 15.00 Uhr

Prof. Tinneberg: Regelschmerzen abklären

Gießen (if). »Dem Regelschmerz wird oft keine Bedeutung beigemessen, weil er so weit verbreitet und damit scheinbar normal ist«, weiß Prof. Hans Rudolf Tinneberg, Direktor der Universitätsfrauenklinik Gießen, »doch er ist kein Normalzustand. Jeder Regelschmerz muss unbedingt gynäkologisch abgeklärt werden.«
Kliniksdirektor Prof. Hans Rudolf Tinneberg beantwortet heute Fragen am Telefon.
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Kliniksdirektor Prof. Hans Rudolf Tinneberg beantwortet heute Fragen am Telefon.
Frau fühlt sich zwar schlecht, ist missgelaunt und schluckt schließlich Schmerztabletten, doch die Ursache dafür wird gewöhnlich allenfalls im Gespräch zwischen Mutter und Tochter oder zwischen Freundinnen angedeutet: Unterleibsschmerzen alle vier Wochen nehmen die allermeisten betroffenen Frauen ergeben hin, Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Dass im Durchschnitt sechs bis neun Jahre vergehen, ehe schließlich eine Endometriose erkannt und eine Behandlung eingeleitet wird, ist nicht verwunderlich: So verbreitet sie auch ist - man schätzt bei sechs Millionen Frauen allein in Deutschland und vermutet eine hohen Dunkelziffer: Die Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut, oft auch als »Erkrankung ohne Lobby« charakterisiert, ist in der Öffentlichkeit relativ unbekannt.

Nachdem die Gießener Universitätsfrauenklinik von der »Europäischen Endometriose Liga« (EEL) erst vor kurzem als erste Klinik in Hessen als »Endometriose-Zentrum Stufe III« zertifiziert worden ist, wird aus Anlass der gestern gestarteten »Endometriose-Woche« Chefarzt Tinneberg zusammen mit den beiden Oberärzten Dr. Frank Burkhard Oehmke und Dr. Andreas Hackethal am Telefon für Fragen zu dem Thema Rede und Antwort stehen.

Die Zertifizierung durch die EEL bedeutet, dass Untersuchung und Behandlung im Endometriosezentrum nach strengen Richtlinien und in enger interdisziplinärer Kooperation mit anderen Disziplinen - beispielsweise Urologie oder spezieller Chirurgie, Psychosomatik und Schmerzmedizin - »bei aller Offenheit für ergänzende Therapien« erfolgen.

Oft, so müssen die Gießener Spezialisten immer wieder erfahren, werden Endometriose-Patientinnen in eine »Psychoecke« gestellt - bis sich dann außerhalb der Gebärmutter angesiedelte Gebärmutterschleimhaut als wirkliche Ursache der Regelschmerzen oder aber von unerfülltem Kinderwunsch entpuppt. Meist finden sich Herde im Bauchraum, seltener im Darm, in der Blase oder im Harnleiter. Das »versprengte« Gewebe verhält sich so, als ob es sich in der Gebärmutter befände: Es folgt dem Zyklus, wächst und blutet, wächst und blutet. Tinneberg: »Die mechanische Behinderung durch Verklebungen, Verwachsungen oder Eileiterverschluss ist eine häufige Ursache von Kinderlosigkeit.« Zudem könne die Eizellreifung behindert werden. Die Behandlung erfolgt je nach Befund durch Medikamente oder durch operative Entfernung der Herde. Für die Sicherung der Diagnose wird in der Regel eine Bauchspiegelung vorgenommen. Tinneberg ist überzeugt, dass die Diagnostik schon bald durch einen Test, an dem man derzeit noch arbeitet, vereinfacht werden kann.

Heute und Donnerstag Telefonsprechstunde

Wer sich genauer informieren möchte: Prof. Tinneberg sitzt am heutigen Dienstag von 17 bis 18 Uhr am Klinikumstelefon - 06 41/99 45 000 - und beantwortet Fragen. Die Oberärzte Dr. Frank Burkhard Oehmke und Dr. Andreas Hackethal sind am kommenden Donnerstag von 12 bis 15 Uhr erreichbar. (Foto: AZ)

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